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Schaumburgs Gärtnereibetriebe ächzen unter der Großmarktkonkurrenz

Gegen Pflanzroboter und PC-gestützte Bewässerung ist kein Kraut gewachsen

Bückeburg (aj). Zwischen einem halben und zweieinhalb Cent pro verkauftem Umpflanztopf sollen Gartenbaubetriebe 2006 an den Grünen Punkt überweisen. Noch haben die Schaumburger Gartenbauer aber die Hoffnung, mit einer 50 Prozent niedrigeren Pauschale für die Müllverwertung davon zu kommen. Das hat Lutz Arnsmeyer, Geschäftsführer vom Landesverband Gartenbau Niedersachsen, den Teilnehmern auf der Jahresversammlung desSchaumburger Kreisgartenbauverbands mitgeteilt .

Christian Lehnert, Gerhard Kirchner, Barbara und Burkard Cwik, R

Auch wenn es längst überfällig war, dass Käufer anderer Produktzweige nicht mehr für die Müllentsorgung der Pflanztöpfe mitzahlen, so kommen die Forderungen des Grünen Punkts für die Gartenbaubetriebe doch zur Unzeit. "Preiserhöhungen lassen sich auf dem Blumen- und Pflanzenmarkt kaum durchsetzen", sagt der Schaumburger Vorsitzende Heinz Wilhelm Engelke. Denn es sind nicht nur die Forderungen des Grünen Punkts, die den Schaumburger Gärtnern Sorgen machen. Neben massiv gestiegenen Energiepreisen für die Beheizung der Gewächshäuser droht weiteres Ungemach durch den langen Winter sowie 60 000 Quadratmeter große Niederländische Pflanzenfabriken, die über Aldi, Obi und Co. immer weitere Teile des Massengeschäfts abdecken und den Markt mit Waren knapp über den Herstellungskosten traditioneller Pflanzenzüchter überschwemmen. "Gegen Pflanzroboter und computergesteuerte Bewässerungsanlagen könnte ich selbst mit polnischen Saisonkräften nicht anarbeiten", sagt der Schaumburger Kreisverbandsvorsitzende. Und um wenigstens die Heizkosten für die Gewächshäuser zu senken, fehlt immer mehr Unternehmen das Geld, was sich über die Jahre hinweg auch an den um 30 Prozent gesunkenen Mitgliederzahlen des Schaumburger Kreisverbands ablesen lässt. "Einige Gärtner drohen bereits jetzt ihren Kreditsachbearbeitern, dass die Bank in einem Jahr ihren Gartenbaubetrieb ganz haben könne, wenn das Institut keinen Kredit für die Umstellung auf eine Holzschnitzelheizung bereitstellen würde", berichtet Burkard Cwik aus der landläufigen Geschäftspraxis des Schaumburger Gartenbaus. Die Lösung des Dilemmas aus Massenkonkurrenz, steigenden Herstellungskosten und stagnierenden Verkaufspreisen sieht Heinz-Wilhelm Engelke in der Verbesserung der Energieeffizienz bestehender Gewächshaus- und Heizsysteme sowie im erweiterten Ausweichen ins Premiumsegment. Dazu zählt er alle anspruchsvollen Pflanzen, die es in Verbrauchermärkten nicht geben kann, und Pflanzenarrangements mit entsprechend hohem handwerklichen, manuellen Serviceanteil. "Noch verkaufswirksamer ist es, wenn Händler die Pflanzen und Gestecke auf einem Event unter einem bestimmten Motto präsentieren", rät Heinz-Wilhelm Engelke. "Dafür brauche ich aber, vor allem unter schwierigen Rahmenbedingungen, gut ausgebildete und kundenorientierte Mitarbeiter und den Mut zu Neueinstellungen." Eine gute Nachricht hatte Landesgeschäftsführer Lutz Arnsmeyer dann aber doch noch im Gepäck. Die Mehrwertsteuer für Betriebe mit serviceintensiven Produkten wie Gartenbauunternehmen wird voraussichtlich weiterhin bei sieben Prozent bestehen bleiben.

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