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Mörder von Christian S. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt

Gefühle von Entsetzen, Trauer und Unverständnis bleiben

Minden/Bielefeld (mt). Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie des anschließenden Mordes zur Verdeckung der Straftat hat das Landgericht Bielefeld Lukacz C. (25) zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Wanderarbeiter aus Polen hatte dem 22 Monate alten Sohn seiner Mindener Lebensgefährtin am 15. April tödliche Verletzungen beigebracht.

Die Ermordung von Christian S. hatte in derÖffentlichkeit ein breites Echo ausgelöst. Zu Beginn ihrer Urteilsbegründung rügte deshalb die Vorsitzende Richterin Jutta Albert Forderung der Todesstrafe, die vielfach in anonymen Schreiben an das Landgericht erhoben wurde. Die Prozessbeteiligten hätten allerdings Gefühle des Entsetzens, des Unverständnisses und der Trauer darüber, was einem "kleinen Wesen" angetan wurde, in den vergangenen Verhandlungstagen aus dem Gerichtssaal mitgenommen. Emotionslos habe dagegen der Angeklagte das Ganze verfolgt. Im Jahr 2007 hatte Lukacz C. Agnieszka S. (35) auf dem Hof ihres Ehemannes in Petershagen-Ilserheide kennengelernt. Nachdem die polnisch-stämmige Mutter dreier Kinder nach Minden zog und in Trennung lebte, bezog das Paar zusammen mit den Kindern unter Betreuung des Jugendamtes der Stadt Minden eine Wohnung an der Königstraße. Bis zum Tathergang am 15. April seien keine Auffälligkeiten im Zusammenleben der beiden feststellbar gewesen, erklärte gestern Richterin Albert. "Es war nicht ersichtlich, dass sich der Angeklagte in sadistischer und sexueller Weise mit dem Kleinen beschäftigt hat." Doch am 15. April nahm alles einen überraschend anderen Verlauf, den auch die Mutter - als Nebenklägerin im Gerichtssaal anwesend - offenbar nicht erahnen konnte. Schon am Morgen des Tattages hatte - wieüblich - Lukacz C. mehrere Bier konsumiert und wollte einen Schrank reparieren. Nach dem gemeinsamen Mittagessen der Familie blieb er allein in der Wohnung mit dem 22 Monate alten Christian S. zurück, da die Mutter mit dem behinderten Bruder das Klinikum aufsuchen musste. Dann geschah die Tat, die Ermittler nach den Aussagen des Angeklagten, gerichtsmedizinischen Gutachten sowie Zeugenbefragungen rekonstruierten. Als der 25-Jährige feststellte, dass das Kleinkind seine Windel verschmutzt hatte, war ihm dies derart zuwider, dass er Christian S. auf das nackte Hinterteil und den Hinterkopf schlug. Dann nahm er einen Malerpinsel und führte ihn in den After des Kindes ein - angeblich um den Stuhlgang zu lockern. Christian S. weinte und stieß einen lauten Schrei aus. Lukacz C. legte später das Kind ins Bett. Als die Mutter kam, fiel ihr nichts Ungewöhnliches auf. Ungewöhnlich war, dass Lukacz C. gegen 19 Uhr noch darauf bestand, mit Christian S. einen Spaziergang vor dem Haus zu unternehmen. Das Kind werde danach besser schlafen, sagte er zur Mutter. Danach war er mit Christian S. eine Stunde unterwegs, überlegte, wie er der Mutter die blutenden Verletzungen im Afterbereich erklären sollte und sah in der Tötung die Lösung seines Problems. Lukacz C. packte vor der Haustür das Kleinkind mit den Händen an den Oberschenkeln und schlug es mit dem Kopf auf die Steinplatten. Dann trug er den schlaffen Körper seines Opfers ins Haus und sagte, es sei gestürzt. "Todesursache was ein schweres Schädelhirntrauma", fasste Richterin Albert die Untersuchungen der Gerichtsmedizin zusammen. Im weiteren Verlauf tödlich wären aber auch die schweren Verletzungen gewesen, als Lukacz C. dem Kind mit erheblicher Wucht den Pinselstil in den Mastdarm gerammt habe. Eindeutig sei damit auch die sexuelleBezogenheit der Tat vorhanden. Zur Tatzeit sei der Angeklagte voll schuldfähig gewesen, da Gutachter bei ihm nur einen Blutalkoholwert von 1,8 Promille festgestellt hatten, führte Albert weiter aus. Sein Opfer sei ihm ausgeliefert gewesen und er habe das Vertrauen der Mutter missbraucht.

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