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Vor Gericht: Geldstrafe wegen Beleidigung / Kleinkrimineller bleibt den Beweis für seine Behauptung schuldig, Jude zu sein

Gefangener nennt die Vollzugsbeamten "KZ-Wärter"

Bückeburg (ly). Darauf muss man erst mal kommen: Ein Häftling der Justizvollzugsanstalt Bückeburg hat sich als Jude ausgegeben, um anders behandelt zu werden als andere Gefangene. Viele der rund um den Globus 14 Millionen Juden, stolze Angehörige einer Weltreligion, würden dies vermutlich als Beleidigung empfinden. Davon abgesehen haben Recherchendie Angaben des Knackis nicht bestätigt.

Völlig daneben lag er allerdings an anderer Stelle. In einem Schreiben an die Anstaltsleitung, das jetzt Gegenstand eines Prozesses vor dem Amtsgericht Bückeburg gewesen ist, hatte der Möchtegern-Jude gleichzeitig Vollzugsbeamte als "KZ-Wärter" bezeichnet. Das ging denn doch einen Schritt zu weit. Quittung für den verbalen Ausfall: 150 Euro Geldstrafe wegen Beleidigung. Ziemlich wenig, möchte man meinen. In Wirklichkeit handelt es sich um 50 Tagessätze, fast zwei Monatseinkommen also. Die Strafe muss der zwischenzeitlich nach Meppen verlegte Kleinkriminelle (23 Vorstrafen) nun von seinem Taschengeld abstottern. Apropos, darum war es auch in dem Brief gegangen. Angeblich hatten Beamte sich geweigert, dem Insassen einen Antrag auf Taschengeld auszuhändigen. Und überhaupt will der 47-Jährige "menschenunwürdig behandelt" worden sein. "Meinem Mandanten ist natürlich klar, dass es sich nicht um ein KZ handelt", rang Verteidiger Joe Therond um eine Erklärung. "Mit dem Schreiben wollte er auf seine Situation aufmerksam machen." Staatsanwalt Günter Wilkening sieht dies etwas anders. "Das war der Versuch, Mitarbeiter der Justiz einzuschüchtern beziehungsweise Bonbons zu bekommen", meinte der Ankläger - Bonbons im übertragenen Sinne. "Wir nehmen das nicht hin." Vollzugsbeamte, so Wilkening weiter, seien nicht der Spielball von Straftätern und müssten sich nicht alles bieten lassen. "Von einem KZ ist das Bückeburger Gefängnis sicher weit entfernt", stellte Richter Armin Böhm klar.

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