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Ja - bei einer Geburt zu Hause! Marina Herbst betreut als einzige Hebamme im Landkreis Hausgeburten

Geboren in Rinteln: Gibt es dasüberhaupt noch?

Rinteln (cok). " Geboren in Rinteln" - diesen Eintrag in seine Geburtsurkunde erhält niemand mehr, seit die Entbindungsstation des Rintelner Kreiskrankenhauses zu Jahresbeginn ihre Tore geschlossen hat. Wirklich niemand? Doch - in diesem Jahr bisher drei Kinder, die per Hausgeburt zur Welt kamen.

Hausgeburten sind trotzdem selten, weiß die weit und breit einzige für Hausgeburten zuständige Hebamme Marina Herbst aus Krainhagen. "Die meisten Frauen trauen sich eine Hausgeburt nicht richtig zu", sagt sie. "Die Rintelner Kinder werden jetzt im Bückeburger Krankenhaus geboren, wo die Geburtsstation riesengroßen Zulauf hat, in Minden oder auch in Hameln." Aus den Unterlagen ihrer Hebammenpraxis lässt sich ablesen, dass von bisher 40 bei ihr und ihren beiden Kolleginnen betreuten Geburten sechs eine Hausgeburt waren, drei davon direkt in Rinteln - das entspricht alles in allem dem Durchschnitt der letzten Jahre. "Schade eigentlich", sagt Marina Herbst. "Für mich persönlich sind Hausgeburten das Selbstverständlichste auf der Welt!" Sie wurde selbst zu Hause geboren und auch ihre eigenen drei Söhne, die jetzt schon fast erwachsen sind, kamen per Hausgeburt zur Welt. "Es ist kein bisschen unheimlich. Man muss alles nur mehr durchplanen als bei Geburten im Krankenhaus." Wenn Komplikationen entstünden, sei man mit Handy und Rettungsleitsystem sofort unter ärztlicher Kontrolle. "In meinen Augen ist eine Hausgeburt etwasähnlich Normales wie das Sterben im eigenen Zuhause. Ich finde es richtig, wenn die Familie beteiligt ist, wenn auch die Kinder etwas über Beginn und Ende des Lebens erfahren", sagt sie und erzählt, dass manche Frauen gerne Musik hören, dass manchmal Väter die Geburt filmen und in manchen Familien sogar die jüngeren Geschwister zusehen, wie ein Kind zur Welt kommt. "Jede kann es so machen, wie es ihrem Gefühl entspricht. Das vor allem ist ein Argument für die Hausgeburt." Das eigentliche Problem hat sie als Hebamme. Seit vier Jahren betreut sie neben Müttern, die ihr Kind im Krankenhaus gebären, auch solche, die sich auf eine Hausgeburt vorbereiten. "Aber das nimmt uns in unserem sowieso sehr fordernden Beruf die letzte Freiheit", meint sie. "Man hat kein Privatleben mehr, man ist einfach nur noch Hebamme." Pro Geburt sind es etwa fünf Wochen, die man rund um die Uhr für die Mütter zur Verfügung stehen muss. Wenn man die eigene Familie nicht völlig vernachlässigen will, muss man irgendwann einen Schlussstrich ziehen. So wird es wohl in Zukunft wirklich fast unmöglich sein, eine Geburtsurkunde mit dem Geburtsortseintrag "Rinteln" zu bekommen. Marina Herbst jedenfalls will im nächsten Jahr aufhören mit der Betreuung von Hausgeburten und sich eher auf die Fortbildung von jungen Hebammen konzentrieren. In Barsinghausen gibt es dann noch die Hebamme Angelika Otremba-Glenewinkel als Hausgeburtsexpertin. Das war es dann - wenn sich nicht doch noch eine Nachfolgerin findet.

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