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Zu Besuch bei Ehrenamtlichen im Hospiz

Ganz viel Leben – obwohl der Tod so nahe ist

Bad Münder. Der Tod kam vor vier Jahren in das Leben von Traude Brückner. Sie begleitete ihren Mann durch seine letzten schweren Wochen, schließlich starb er im Hospiz der Awo am Deisterhang. Dort sitzt die 72-Jährige heute auf einem Sofa im Foyer und lächelt. Das Thema Tod hat sie nicht losgelassen – im Gegenteil: Sie hat es zu ihrem Alltag gemacht. Und hilft sterbenskranken Menschen und deren Angehörigen.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Sieben Ehrenamtliche wie Brückner sind in der Einrichtung tätig. Sie essen, lesen und spielen mit den Gästen und deren Familien, führen Gespräche, kümmern sich um die Wäsche, helfen den hauptamtlichen Mitarbeitern. Sie weinen – und sie lachen. „Es ist nicht überall nur Trauer“, sagt Traude Brückner: „Da wird auch schon mal ein Witz erzählt. Hier ist viel Leben!“

Dass sie nach dem Abschied von ihrem Mann im Hospiz aktiv sein wollte, „das war mir gleich klar“. Für die 72-Jährige ist ihr Engagement „ein Dankeschön an die Einrichtung dafür, dass wir hier sehr gut versorgt wurden“.

Einmal pro Woche kommt Brückner, genau wie ihre Mitstreiterin Gudrun Prange. Die 53-Jährige kam über die Ausbildung zur Sterbebegleiterin, die alle Ehrenamtlichen durchlaufen, in das Hospiz. „Mich hat das hier einfach gereizt, weil ich bisher nur die Arbeit in der Altenpflege kannte“, erzählt sie.

Agnes Schulze Althoff weiß, dass die Motivation für ihre Helferinnen genauso vielfältig ist wie die Geschichten derjenigen, die hier an der Deisterallee betreut werden. Schulze-Althoff ist Pflegedienstmanagerin im Hospiz. Die Beschäftigung der Ehrenamtlichen sei eine gesetzliche Vorgabe, betont Schulze Althoff – für sie selbst aber noch viel mehr: „Unsere Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn sich alle engagieren. Das Leben ist keine Ohne-mich-Veranstaltung.“

Die Managerin ist immer auf der Suche nach neuen Helfern – besonders, wenn der Wunsch nach einer Aufstockung der momentan sechs Hospizplätze in Erfüllung geht (NDZ berichtete). Voraussetzungen gibt es nicht viele: Eine gewisse „Lebenserfahrung“ verlangt Schulze-Althoff: „Aber die kann man mit 20 Jahren genauso haben wie mit 60 Jahren.“ Auch gerne gesehen: Männer. Die machen sich rar im Ehrenamtlichen-Pool der Einrichtung – wie allgemein in Pflegejobs.

Alles andere? Kann man lernen, findet auch Brückner. Zum Beispiel: nicht immer alles mit nach Hause zu nehmen, alle Schicksale, alles Leid. Auch, wenn es schwer fällt. „Gerade am Anfang“, weiß die 72-Jährige. Doch die Helfer reden regelmäßig unter professioneller Anleitung miteinander, tauschen ihre Erfahrungen und Eindrücke mit den anderen aus.

Prange fällt es leichter, Distanz zu schaffen, sagt sie. Und doch: Ihre Tätigkeit hat auch sie verändert. „Man geht auf eine ganz andere Art und Weise mit dem Tod um. Das ist gar nicht mal unbedingt belastend. Tod gehört eben zum Leben dazu, auch wenn viele das gerne ausblenden.“

Brückner kennt diese andere Seite. Die Hemmschwelle, sich mit dem Tod zu beschäftigen. Früher, „da ging mir das auch so“, sagt sie. Heute ist sie hier, mittendrin. „Manchmal fühlt es sich an wie eine Familie“, sagt die 72-Jährige. Und lächelt.

Info: 05042/5061421.

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