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Gesamtschulen: Wählerinitiative WIR lädt zu Podiumsdiskussion ein

"Für uns kommt nur IGS in Frage"

Landkreis (han). Vier weitere Gesamtschulen sollen im kommenden Jahr in Schaumburg gegründet werden - zumindest wünscht sich dies die Wählerinitiative "WIR für Schaumburg" (WIR), die zu einem Diskussionsabend in den Stadthäger Ratskeller eingeladen hat. Über die Vorzüge des Gesamtschulprinzips referierte Bernd Siegel, Mitglied im Landeselternrat. Die Landtagsabgeordneten Ursula Helmhold (Bündnis 90/Die Grünen) und Heiner Bartling (SPD) stellten sich den Fragen der Zuhörer.

Plädieren für die Gesamtschule: Heiner Bartling (v.l.), Ursula H

Die Schulzentren in Obernkirchen, Rodenberg, Helpsen und Lindhorst wollen laut Richard Wilmers, Vorsitzender von WIR, Gesamtschulen werden. Die Schulträger haben entsprechende Anträge für die nächste Kreistagssitzung vorbereitet. Danach wolle der Landkreis Schaumburg die erforderlichen Genehmigungen bei der Landesschulbehörde einholen, so der langjährige Leiter der IGS in Stadthagen. "Für uns kommt nur die Integrierte Gesamtschule in Frage", stellte Siegel mit Blick auf die Kooperative Gesamtschule (KGS) klar. Mit drei Schulformen unter einem Dach sei niemandem geholfen. Sein Plädoyer für die Gesamtschule unterstütze Siegel mit zahlreichen Zitaten, die das Gesamtschulsystem befürworten. Horst Köhler, Rita Süssmuth und Hildegard Hamm-Brücher kamen ebenso zu Wort wie das Münchner IFO-Institut für Wirtschaftsförderung, das Max-Planck-Institut sowie diverse Bildungsstudien. Das Fazit des Vortrags: Das dreigliedrige Schulsystem sei ständisch, selektiv, unsozial, fördere Chancenungleichheit, vergeude Potenziale und sei für Arbeitslosigkeit, "miserables Wachstum" sowie Akademiker- und Fachkräftemangel verantwortlich. Den Verfechtern des gliedrigen Schulsystems gehe es um die Verteidigung von Privilegien. Die Hauptschule werdeauffallend häufig von Leuten befürwortet, die ihre eigenen Kinder auf das Gymnasium schicken, lautete ein Zitat des Bildungsforschers Ernst Rösner. "Ich bin fest davonüberzeugt, dass die Landesregierung nach der Wahl keine weiteren Gesamtschulen zulassen wird", sagte Bartling im Hinblick auf das noch bestehende Errichtungsverbot. Helmhold wies auf eine mögliche Strategie der Wulff-Regierung im Falle eines Wahlsieges hin: "Nach den Koalitionsverhandlungen wird die CDU sagen, sie habe sich nicht durchsetzen können." Wie die Chancen für weitere Gesamtschulen in einem solchen Falle stünden, wollten mehrere Zuhörer wissen. Bartling: "Die Landesregierung muss durch außerparlamentarische Initiativen zum Umdenken gebracht werden." Ob man gegen das Errichtungsverbot klagen könne, wollte ein Zuhörer wissen. Dies sei nur schwer möglich, gab der SPD-Politiker zu Bedenken. "Man muss beweisen, dass das Verbot gegen einen Verfassungsgrundsatz verstößt." Helmhold und Siegel wiesen darauf hin, dass die Schulträger klagen können. Für Bartling ist das Errichtungsverbot eine politische Entscheidung, die nur mit politischer Arbeit wieder rückgängig gemacht werden könne. "Wer CDU wählt, entscheidet sich gegen weitere Gesamtschulen", fügte Zuhörerin Elke Herger hinzu.

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