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Gymnasium hat mit langfristigen Unterrichtsausfällen zu kämpfen / "Belastungsgrenze überschritten"

Für Mathe, Englisch und Sport fehlen Lehrer

Bückeburg (rc). Das Gymnasium Adolfinum hat derzeit mit einer Reihe langfristiger Unterrichtsausfälle, besonders in den Fächern Mathematik, Englisch und Sport, zu kämpfen. Grund ist der langfrist ige Ausfall von insgesamt sieben Studienräten aufgrund von Krankheiten, Schwangerschaft oder Elternurlaub. Hinzu kommt, dass eine reguläre Lehrerstelle nicht besetzt werden konnte, weil der Markt derzeit keine geeigneten Bewerber hergibt.

Durch die Türen des Adolfinums gehen derzeit nicht genügend Lehr

Zwar konnten insgesamt sechs sogenannte Feuerwehrkräfte in den vergangenen Tagen kurzfristig bis Ende des Schulhalbjahres verpflichtet werden. Mit ihnen gibt es aber ein weiteres Problem: Da es Lehrkräfte aus dem Grund-, Haupt- und Realschulbereich sind, fehlt ihnen die notwendige Qualifikation. Sie können daher nur in den unteren Jahrgängen bis einschließlich Klasse 9 eingesetzt werden. Das wiederum hat am Adolfinum ein Austauschkarussell in Gang gesetzt. Studienräte, die bisher in den unteren Jahrgängen eingesetzt worden sind, müssen nun verstärkt Unterricht in der Eingangsphase, also in den zehnten Klassen und der Oberstufe erteilen. Die Feuerwehrkräfte erteilen dafür den Unterricht in den unteren Jahrgängen. In einer Klasse musste sogar der Klassenlehrer abgezogen werden, in anderen Klassen mussten sich die Schüler auf drei Lehrer innerhalb weniger Wochen einstellen - und umgekehrt. In einem Elternbrief informierte Schulleiter Ulrich Gosemann vor einigen Tagenüber die missliche Situation. In einem Gespräch mit unserer Zeitung bezeichneten er und Studiendirektor Heinz-Günter Böttger sowie die Personalratsvorsitzenden Edgar Bruns und Britta Beuel die ganzen Rotationen und Umstrukturierungen als "große Kraftanstrengung, die über die Belastungsgrenze hinaus geht". Inzwischen gebe es zwar eine "Teilentspannung". Aber: "Kompensieren können wir die Ausfälle nicht." Gosemann warb um Verständnis bei den Eltern: "Die Lehrerwechsel in den unteren Jahrgängen können zu recht moniert, aber von uns leider nicht anders gelöst werden, um die Unterrichtsversorgung zu gewährleisten." Und lobte sein Kollegium: "Es trägt durch sein Engagement über die Belastungsgrenze hinaus dazu bei, dass die Unterrichtsausfälle aufgefangen werden können." Das Ministerium gab Ende vergangener Woche eine weitere zusätzliche Lehrerstelle frei. Ob sie angesichts des Lehrermangels in bestimmten Fächern besetzt werden kann, ist allerdings fraglich. "Ich telefoniere mir die Finger wund, es ist keiner zu bekommen", formulierte es Studiendirektor Böttger, der sich nach eigenem Bekunden inzwischen vorkommt wie einPersonalmanager. Übereinstimmend alle vier im Gespräch mit unserer Zeitung: "Wir sind nicht weit vom Bildungsnotstand der siebziger Jahre entfernt." Das gelte nicht nur für das Adolfinum, sondern für alle Gymnasien im Landkreis und darüber hinaus. Inzwischen sei das Gymnasium nicht weit davon entfernt, Lehrkräfte einzustellen, die zwischen dem ersten und zweiten Staatsexamen stehen oder aber auch Quereinsteiger - so wie es in den siebziger Jahren an Niedersachsens Schulen gang und gäbe war, als wegen Lehrermangels zahlreiche Stellen nicht besetzt werden konnten und Schüler in viel zu großen Klassen mit viel zu wenigen Wochenstundenzahlen unterrichtet wurden. Britta Beuel: "Wir sind tatsächlich in Not. Das betrifft alle Schulen gleichermaßen." Derzeit unterrichten am Adolfinum 85 Lehrer insgesamt 1249 Schüler. Die Unterrichtsversorgung liegt - auf dem Papier - bei rund 98 Prozent. Sieben Lehrer fallen längerfristig aus, durch die Feuerwehrkräfte können etwa zwei Drittel des ausfallenden Unterrichts aufgefangen werden, eine Stelle ist nicht besetzt. Wie viel Unterricht nun tatsächlich noch am Adolfinum erteilt werden kann, wollte Gosemann mit Verweis auf seine Schweigepflicht nicht mitteilen, sondern verwies auf das zuständige Kultusministerium in Hannover. Bruns als auch Beuel als Personalratsvertreter wiesen darauf hin, dass das Problem des Unterrichtsausfalls 2009 noch gravierender werden könnte. Die Verträge der Feuerwehrkräfte seien bis zum 31. Januar befristet. Ob Ersatz beschafft werden könne, bleibe dahingestellt. Hinzu komme, dass das Kollegium bereits jetzt überlastet sei, da die Unterrichtsverteilung nicht mehr ausgewogen ist: "In einem Leistungskurs zu unterrichten, bedeutet eine wesentlich höhere Arbeitsbelastung als in einer unteren Jahrgangsstufe." Beuel: "Wir haben bereits jetzt einen hohen Krankenstand. Es ist schon auffällig." Alle vier aber unisono: "Wir überhören die Hilfeschreie der Schüler und Eltern nicht." Und für die Zukunft? "Wir können nur sensibilisieren und die jetzige Situation des Adolfinums zum Anlass nehmen, Aufmerksamkeit zu erzielen." Und mit allen Schülern und Eltern auf der Autobahn zu Fuß nach Hannover gehen, um dort auf die Misere aufmerksam zu machen? So wie es Studiendirektor JohannesSeiler bei der Einschulung der fünften Jahrgänge Ende August vorgeschlagen hatte. Der Personalratsvorsitzende: "Zu Fuß vielleicht nicht, aber per Rad schon."

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