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Für die SPD eine persönliche Sache

Bad Münder. Zwei SPD-Mitglieder. Der eine Fraktions- und Stadtverbandschef in Bad Münder und Mitglied des Kreistages, die andere stellvertretende Stadtverbandschefin, Vorsitzende eines Ortsvereins, Leiterin des Arbeitskreises „Christen in der SPD“ und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Selbstständigen im Unterbezirk. Sie zeigt ihn an, wirft ihm Stalking und üble Nachrede vor – und die Partei geht in Deckung.

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Der Konflikt zwischen Heinrich Söfjer und Martina Hilger, der inzwischen auch die Polizei beschäftigt, wird von prominenten heimischen Sozialdemokraten als „persönliche Angelegenheit“ bezeichnet, zu der man sich am besten nur auf eine Art äußert: gar nicht.

„Für persönliche Beziehungen von Parteimitgliedern untereinander trägt eine Partei keine Verantwortung“, sagt die Unterbezirksvorsitzende Gabriele Lösekrug-Möller. Hilger habe von ihrem Recht Gebrauch gemacht, Anzeige zu erstatten. „Nun liegt das in den richtigen Händen festzustellen, wie es mit der Wahrheit ist. Das ist nicht Aufgabe der Partei“, erklärt sie.

Lösekrug-Möller betont, dass beide viel für die Partei getan hätten, dass sie beide schätze. „Was sich jetzt aber entwickelt, ist auf einer privaten Beziehungsebene festzumachen. Dazu sage ich als Parteivorsitzende nichts.“ Sie bedaure die Vorgänge – „wir können weder auf Heinrich Söfjer, noch auf Martina Hilger verzichten“ – und hoffe, dass es bald eine Klärung gebe und sich die Partei dann wieder auf die politische Arbeit konzentrieren könne. Denn eines ist auch der Unterbezirkschefin klar: Der neuerliche Streit unter Genossen trifft die SPD in denkbar ungünstigem Moment, unmittelbar vor der Bundestags- und Landratswahl. „Das Timing liegt wirklich nicht in meinen Händen“, stellt sie heraus. Bestrebungen, das Thema angesichts der bevorstehenden Wahl unterm Deckel zu halten, gebe es nicht.

Persönliche Auseinandersetzung oder Parteiangelegenheit? Auch für Bürgermeister Hartmut Büttner (SPD) ist die Antwort klar: „Ich halte das Ganze für eine persönliche Angelegenheit“, erklärt er. Er habe bereits vor der Berichterstattung von der Anzeige Hilgers gewusst – dass ihr Rücktritt aus dem Stadtverbandsvorstand lediglich ausgewählten Parteimitgliedern mitgeteilt wurde, hat für Büttner aber keineswegs mit der aktuellen Wahlkampfsituation zu tun.

Er erwartet, dass das Verfahren, das durch die Anzeige eingeleitet wurde, „uns der Wahrheit näher bringt“. Weitere Entscheidungen der Betroffenen werden daraus hervorgehen, erwartet er.

Eine Entscheidung kündigt sich aber bereits an: Ihre Zukunft sieht Martina Hilger nach den Reaktionen auf ihre Vorwürfe vor Ort sehr wohl noch bei der SPD – aber nicht mehr bei der heimischen.jhr

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