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Müllberg ärgert Nachbarn / Bauordnungsamt des Landkreises steht vor verschlossener Tür / Verfahrene Situation

Fünfköpfige Familie wohnt noch immer im "Horrorhaus"

Rolfshagen (la). Acht Monate ist es her, dass wir zum ersten Malüber die fünfköpfige Familie aus Rolfshagen berichtet haben, die in Angst und Schrecken in ihrem Haus an der Rolfshagener Straße wohnt. Britta Kliewer (31), Mutter von drei Kindern im Alter von sieben bis zehn Jahren, und ihr neuer Lebenspartner Marcus Ellermann (36) hatten das Haus im Juli 2007 gekauft und mit den Renovierungsarbeiten begonnen. Dabei sind dann Mängel zu Tage gekommen, die laut eines Gutachtens, das das Paar in Auftrag gegeben hat, den Einsturz des Hauses zur Folge haben könnt en.

Der Müllhaufen neben dem "Horrorhaus" von Britta Kliewer und Mar

"Es hat sich seitdem nichts geändert", sagte Britta Kliewer jetzt auf Anfrage unserer Zeitung. Das Matratzenlager, auf dem die Familie im Obergeschoss in einem Zimmer schläft, weil Betten zu schwer für den Fußboden sind, sei nach Absprache mit einer Baufirma in einen anderen Raum im Obergeschoss verlegt worden. "Den ursprünglichen ,Schlafraum´ nutzen wir jetzt als Wohnzimmer und stellen dort auch unseren Weihnachtsbaum auf", erzählt Britta Kliewer. Im Untergeschoss sei weiterhin nur die Küche nutzbar. Gegen den Verkäufer des Hauses wollte das Paar zunächst auf Rückabwicklung des Kaufvertrages wegen arglistiger Täuschung klagen. Inzwischen klagen Marcus Ellermann und Britta Kliewer aber "nur" um eine Entschädigung in Höhe der Kosten, die für die Sanierung notwendig wären. "Das sind etwa 30 000 Euro für Eisenstützen im Keller, das Fachwerk im Wohnzimmer, ein neues Bad und einen neuen Fußboden im Obergeschoss", so Britta Kliewer. In erster Instanz wurde die Klage abgewiesen. "Die Begründung lautete, dass der Verkäufer auch in dem Haus gewohnt habe", so Britta Kliewer. Jetzt liegt die Angelegenheit dem Oberlandesgericht in Celle vor. 105 000 Euro hatte das Paar für das Haus bezahlt und dafür einen Kredit aufgenommen. Dieser wurde auf 160 000 Euro für Renovierungsarbeiten und Möbel aufgestockt. Jetzt fehlen dem Paar 30 000 Euro, um das Haus bewohnbar zu machen. "Das Geld haben wir nicht und ein höherer Kredit wird uns nicht bewilligt", sagt Britta Kliewer. Britta Kliewer und Marcus Ellermann sind durch verschiedene Fernsehsendungen getingelt und haben ihre Geschichte erzählt, in der Hoffnung, dass einer der Privatsender im Rahmen einer Serie das Haus saniert und geschmackvoll einrichtet, aber daraus ist nichts geworden. Erst kürzlich war das Paar beim MDR in der Sendung "Unter uns" zu Gast und hat seine Geschichte erneut erzählt. "Dafür haben wir Geld bekommen, die Fahrt wurde uns bezahlt und ein Hotelaufenthalt", begründet Britta Kliewer den Schritt. Der Umgang mit den Betroffenen gilt allerdings nicht als unproblematisch: Hilfe aus dem nahen Umfeld hat die Familie bislang nicht angenommen. Eine angebotene Wohnung wurde nicht besichtigt, für die Unterstützung von Behörden wurden nicht die notwendigen Unterlagen eingereicht und Mitarbeiter des Bauordnungsamtes des Landkreises Schaumburg standen wiederholte Male vor verschlossener Tür. "Wir wollen und müssen Erkenntnisse über die Situation in dem Haus bekommen, um handeln zu können", sagt Klaus Heimann, Pressesprecher des Landkreises. Mehrfach hätten die Mitarbeiter des Bauordnungsamtes, auch nach telefonischer Rücksprache mit Britta Kliewer, vor verschlossener Tür gestanden. "Dabei war deutlich, dass jemand zu Hause war", so Heimann. Das Paar sei darüber aufgeklärt worden, dass es damit rechnen müsse, dass die Nutzung des Hauses bei Gefahr unterbunden werde. "Wir wollen gemeinsam mit der Familie eine Lösung finden, aber dazu müssen wir eingelassen werden", so Heimann. Sollte dasnicht in Kürze geschehen, würde man sich auf andere Art Eintritt verschaffen, um die Situation zu prüfen. "Wo sollen wir denn hin, wenn wir aus dem Haus raus müssen?", fragt Britta Kliewer. Schließlich müsste der Abtrag für das Haus weiter bezahlt werden und für zusätzliche Miete sei kein Geld da. Allerdings wurde der monatliche Abtrag von der Sparkasse Schaumburg aufgrund der Situation vorübergehend von 1 100 Euro auf 400 Euro reduziert. Für die Nachbarn der Familie ist der Schutthaufen neben dem Haus inzwischen ein Ärgernis geworden. Über den Ortsvorsteher wurde eine Beschwerde an die Gemeinde Auetal weitergeleitet und das Ordnungsamt hat inzwischen das Paar aufgefordert, den Müll zu beseitigen. "Das kostet aber Geld und das haben wir nicht", erklärt Britta Kliewer kurz und knapp. Sie selbst würde der Müll am meisten stören. Weihnachten feiert die fünfköpfige Familie in ihrem "Horrorhaus", wie sie es nennt und danach geht es für einige Tage in den Urlaub - ein Geschenk von Britta Kliewers Mutter.

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