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Abfallwirtschaftsgesellschaft bedauert: Neue Lieferung wird besser / Mülltrennung bleibt ein Rätsel

Frustüber Müllsäcke - reißen beim Befüllen

Rinteln (wm). Im Sechserpack gekauft, hat der herausgelöste Joghurtbecher eine scharfe Kante, die ritzt über die Folie des Wertstoffsackes und der ganze Müll liegt auf der Erde. Ein zweiter Sack muss her, doch kaum verschlossen, fetzen die Plastikschnüre aus der Folie. Jetzt kochen die Emotionen hoch, der Bürger greift zum Telefon. Bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft in Stadthagen (AWS) ist das Problem bekannt. Geschäftsführer und Diplomkaufmann Peter Kühn, dem selber schon Wertstoffsäcke gerissen sind, nennt für den Fehler sogar einen Fachausdruck - mangelnde "Durchstichfestigkeit".

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Kühn kann den Ärger der Bürger nachvollziehen, aber leider zurzeit nicht abstellen. Denn noch ist die fehlerhafte Charge der Säcke - vielleicht um die 100 000 Stück - im Umlauf. Man habe diesmal einem neuen Hersteller eine Chance geben wollen - er war in der Ausschreibung der günstigste - und die getesteten Muster seien in Ordnung gewesen, schilderte Kühn. Als die Probleme dann aufgetaucht seien, sich erste Bürger gemeldet hätten, habe man leider zu spät reagiert - die Säcke waren bereits im Handel. Jetzt laufe eine neue Ausschreibung, und Kühn verspricht, die Panne soll sich nicht wiederholen: Immerhin geht es bei der neuen Lieferung um rund 2,5 Millionen Wertstoffsäcke, die bis zum Ende nächsten Jahres reichen sollen. DerÄrger der Bürger aus Rinteln und den Dörfern ist auch bei den Abfallberaterinnen Cornelia Laasch und Christiane Falke angekommen. Nicht selten laden Bürger außer ihrem Zorn über zerrissene Säcke auch ihren Frust über ein ihnen auch 16 Jahre nach seiner Einführung noch immer unverständliches Trennsystem ab. Denn wer es wirklich korrekt machen will, kann eine Vormittagsbeschäftigung daraus machen, all die Plastikverpackungen nach dem grünen Punkt abzusuchen - denn nur die dürften inden Wertstoffsack, den sogenannten "gelben Sack". Den gibt es kostenlos, allerdings nur im Bürgerbüro am Rathaus und am Doktorsee bei der Sondermüllannahmestelle. Aber wer fährt schon zum Doktorsee, sagen Leser am Telefon, weil ihm gerade die Mülltüten ausgegangen sind. Die Kunststoffverpackungen ohne grünen Punkt gehören dagegen in den Restmüll. Nicht in den Wertstoffsack dürfen zum Beispiel das defekte Kinderspielzeug aus Plastik, auch nicht die Plastikrohre vom Umbau, nicht die Folie, die den Teppichboden bei Malerarbeiten vor Flecken schützt und auch kein Plastikeimer. Es sei verständlich, räumt Carsten Wiepking von der Kundenberatung der AWS ein, dass Bürger entgegenhalten: Plastik ist doch Plastik - und wer liest schon den Abfallwegweiser komplett durch. Dass zwischen der Mülltrennungs-Theorie und der Realität längst eine Lücke klafft, weiß man auch bei der AWS. 1994 notierte man gerade mal 19 Prozent Fehlwürfe, heute landen manchmal bis zu 40 Prozent Leichtverpackungen im Gelben Sack, die da nicht hingehören. Warum, kann niemand schlüssig erklären, denn es geht genaugenommen um Politik, Lizenzgebühren und knallharte Lobby- wie Firmeninteressen - also um viel Geld. Viele Bürger plädierten in den Telefongesprächen immer wieder für eine sogenannte GiG-Tonne oder Zebra-Tonne, in die Restmüll und Leichtverpackungen gekippt werden könnten. Denn die Wertstoffsäcke, selbst wenn sie die Befüllung aushalten, sind ein Dauerärgernis - sie werden vom Winde verweht, vonKatzen zerfetzt und wenn jemand im Dunkeln darüber stolpert, liegt der Müll auf der Straße. Mit Zebratonnen könnte die Müllabfuhr auch billiger werden, sagen die Befürworter - es wäre kein doppelter Transport mehr notwendig. Zumindest das Sortieren der Reststoffe aus der Tonne, bestätigt AWS-Geschäftsführer Kühn, sei heute technisch wie logistisch kein Problem mehr. Für ihn ist deshalb die Einführung einer Zebra-Tonne letztlich allein eine politische Entscheidung, keine Frage des fehlenden Know-hows. Die Gemeinde Auetal hatte vor drei Jahren bereits einmal einen Vorstoß unternommen und mit dem Landkreis über ein Pilotprojekt verhandelt - ohne Ergebnis.

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