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Musikalischer Herbststrauß: Selten zu hörende Werke von Campra und Vivaldi stoßen in der Stadtkirche auf viel Resonanz

Frühere Bückeburger sorgen für Bemerkenswertes

Bückeburg. Kantorei und Jugendkantorei hatten bei ihrem Konzert am Sonntagnachmittag in der Stadtkirche gleich zwei eher selten zu erlebende Zeitgenossen im Programm, denen die Zuhörer aber mit großer Freude begegnet sind.

Autor:

Dietlind Beinßen

Den Anfang machte eine lohnende Entdeckung: die "Messe de Requiem" von André Campra (1660-1744), welcher zu den bedeutenden französischen Komponisten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zählt. Der Meister etablierte das damals neuartige Genre Opéra-Ballet. Sein zu wenig beachtetes Schaffen ist gezeichnet von einer gewissen franco-italienischen Leichtigkeit und Schlichtheit, die Weltliches wie Kirchliches durchziehen. Das Requiem bildete in Bezug auf persönliche Tonsprache, die auf Pomp verzichtet, keine Ausnahme und bot Siebelt Meiers inspiriert geleiteten und optimal aufeinander eingestellten Choristen schöne Gelegenheit, Beweglichkeit und Intonationssicherheit vorzuführen. Den Sängerinnen und Sängern glückte eine aussagekräftige Gestaltung, die dem Werk atmosphärisch sehr nahekam. Konzentriert bei der Sache war auch das Barockorchester "Larco" aus Hannover, dessen Instrumentalisten mit Sinn für Nuancen einen Spannungsbogen über die Noten-Landschaft zog und somit aparte Klangtupfer beisteuerte. Eindruck hinterließ darüber hinaus das solistische Quintett, von dem gleich drei ehemalige Bückeburger für bemerkenswerte Momente sorgten. Mit Helen Rohrbach und Sarah Davidovic standen zwei bereits versierte, stimmlich volltönende und wandelbare junge Sopranistinnen zur Verfügung, die in dem "Duetto" einen wunderbaren Gleichklang zu erzeugen wussten. Bass Daniel Eggert passte von der Stimmfärbung her ebenfalls gut zur Partitur. Gleiches gilt für den in Mittelfranken geborenen, klar deklamierenden Altus Christian Rohrbach und den mit eher schlankem Tenor ausgestatteten ehemaligen Nürnberger Christian Heidecker. Den festlichen, beziehungsweise krönenden Abschluss bildete Vivaldis (1678- 1741) "Gloria", ein Messesatz besonders virtuosen Zuschnitts. Der homogene Chor, das lustvoll aufspielende Orchester und die fünf Vokalisten waren unter Meiers Koordination abermals engagiert bei der Sache und öffneten die vielfältigen Facetten dieser Partitur. Besonders stimmungsreich wirkten Helen Rohrbachs oboenbegleitetes Sopran-Solo "Domine Deus, rex coelestis" und das von Ehemann Christian dargebotene "Domine Deus, agnus Dei". So wurde diese mit herzlichem Beifall aufgenommene Veranstaltung zu einem bunten und duftigen musikalischen Herbststrauß.

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