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Erst Viehweide, jetzt Bürgergarten / Heute Abend wird auf dem einst „heiligen“ Grün Fußball gespielt

Früher gab’s beim Betreten einen Anpfiff …

Hameln (kar). Früher rollte hier der Ball, wurden Fußballwettkämpfe ausgetragen, ging’s sportlich zur Sache. Heute ist das alte Stadion von damals Hamelns „grüne Lunge“: der Bürgergarten. Ein Ort, der den Bürgern zur Entspannung und Erholung dient. Mit einer zentralen Rasenfläche, die nach Jahren der „Heiligsprechung“ durch „Betreten verboten“-Schilder längst öffentlich ist und wieder mit Füßen getreten werden darf.

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Von Karin Rohr

Hameln. Früher rollte hier der Ball, wurden Fußballwettkämpfe ausgetragen, ging’s sportlich zur Sache. Heute ist das alte Stadion von damals Hamelns „grüne Lunge“: der Bürgergarten. Ein Ort, der den Bürgern zur Entspannung und Erholung dient. Mit einer zentralen Rasenfläche, die nach Jahren der „Heiligsprechung“ durch „Betreten verboten“-Schilder längst öffentlich ist und wieder mit Füßen getreten werden darf.

Mit Füßen getreten wird dieser Ort schon lange bevor er 1924 durch den Bau des alten Stadions zur Sportstätte avanciert: Mal weidet dort das Vieh, mal exerzieren dort Soldaten. Entstanden ist die ausgedehnte Fläche, nachdem Napoleon 1808 die starken Festungswerke rund um Hamelns Stadtkern schleifen lässt und der breite Graben, der Mauer und Wall begrenzt, zugeschüttet wird. Erst im März 1897 erwirbt die Stadt das 10,5 Hektar umfassende Areal, das als Exerzierplatz dient, mit Zustimmung des Reichsschatzamtes in Berlin für mehr als 600 000 Mark. Allerdings gehen die Meinungen zur Flächennutzung weit auseinander: Die einen wollen eine neue Kaserne für das 164er Infanterie-Regiment, andere fordern schon damals eine Parkanlage. Der Wunsch nach einem öffentlichen Grün kommt zu diesem Zeitpunkt nicht überraschend, bestehen doch bereits 1890/91 – also noch bevor die Stadt das Gelände kauft – Pläne für eine Art „Bürgergarten“: Vorgesehen ist eine Grünanlage mit symmetrisch angeordneten Rondellen, zwischen denen die Hamel zu einem Wasserbecken erweitert wird, flankiert von wegedurchzogenen Parkflächen. Ein aus heutiger Sicht geradezu visionäres Vorhaben von beachtlichen Dimensionen, wenn man bedenkt, dass die Stadt damals nur 13 600 Einwohner hatte. Auch wenn die Krisenjahre nach der Jahrhundertwende und der Erste Weltkrieg zunächst alle weiteren Planungen für das Areal stoppen – in einem Punkt ist man sich weitgehend einig: Das inzwischen städtische Filetstück soll nicht einfach wahllos zur Bebauung freigegeben werden.

1924 dann die endgültige Entscheidung: Einstimmig beschließt die Stadt, den alten Exerzierplatz den Hamelner Sportvereinen zur Verfügung zu stellen – „zur Anlegung eines Stadions mit einer 400 Meter langen Laufbahn, einem stufenförmig ansteigenden Zuschauerwall, einem Fußballfeld und mit Einrichtung zur Ausübung der verschiedensten Sportarten“.

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Den Gedanken an eine Grünanlage, die der Entspannung der Bürger dient, haben die Stadtväter mit ihrer Entscheidung aber nicht begraben: Das Stadion ist schon damals nur als zeitlich begrenzte Zwischenlösung gedacht: „Sportanlagen gehören nicht ins Stadtinnere, sondern an die Peripherie“, heißt es.

Und so scheint es nur folgerichtig, dass fast 40 Jahre später dieses Stadion wieder verschwunden ist: Der Bürgergarten wird 1962 mit einer Gartenbau-Ausstellung eingeweiht. Im Zentrum: eine große Rasenfläche, die damals (und in den Folgejahren) noch „heilig“ ist. „Es gab in jenen Jahren ein anderes Grundverständnis von öffentlichem Grün in Parks. Es musste topgepflegt sein und durfte nicht betreten werden“, erklärt Stadtsprecher Thomas Wahmes rückblickend und fügt hinzu: „Das sieht man heute anders. Ein guter Pflegezustand und eine Nutzung schließen sich nicht aus.“ Für die Stadt sei wichtig, dass „dieser zentrale städtische Grünbereich von den Bürgern genutzt wird, die im Herzen der Stadt wohnen. Man soll nicht nur gucken dürfen.“

Und genau das passiert heute, wenn in Erinnerung an alte, längst vergangene Zeiten die grüne Wiese im Bürgergarten noch einmal zum Fußballfeld umfunktioniert und um 18.15 Uhr ein Spiel angepfiffen wird, das bei allem sportlichen Ehrgeiz vor allem der Unterhaltung dient: Hamelns Promi-Fußballer, fußballbegeisterte Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik treten gegen Schaumburg an. Dann rollt er wieder – der Ball. Ganz wie früher – bei einem Fußball-Match...

Einst Stadion – heute „grüne Lunge“: Hamelns Bürgergarten. Mit Füßen getreten wurde die Fläche aber schon früher, als dort noch Vieh weidete und Soldaten exerzierten.

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