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Nach wechselvoller Geschichte: Anke Wilmsen führt den Hohenroder Dorfladen seit zehn Monaten

Frischemarkt: "Ich mache das so lange es geht"

Hohenrode (mld). Viel Zeit zum Reden bleibt Anke Wilmsen selten. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen im "Frischemarkt" in der Hünenburgstraße: Leute fahren vor, mit Autos oder Fahrrädern, kommen zu Fuß, binden ihre Hunde vor der Tür an und rufen ein "Guten Tag" in den Laden, sobald sie ihn betreten. Und Anke Wilmsen gibt immer eine Antwort während sie auch kassiert,einräumt und aufschreibt. Sie kennt die meisten mit Namen.

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"Als erstes kommt Frau Nagel", sagt sie. "Dann meistens Udo, und dann Frau Saul." Das ist um 7.30 Uhr, sobald sie den Laden aufschließt. Den Laden, der seit 1949 das einzige Lebensmittelgeschäft in der Gegend um Hohenrode ist; den Laden, den sie seit inzwischen zehn Monaten führt. Sie hat ihn im März übernommen, nachdem die Pächter vor ihr wegen sinkender Absatzzahlen aufgegeben hatten. Seit 2002 war das Geschäft immer mal wieder verpachtet, wurde dann von einer Bürgerinitiative in Eigenarbeit renoviert, stand zwischendurch leer, einmal sogar über ein Jahr. "Ich habe den Hohenrodern gleich gesagt: Wenn Anke Wilmsen rausgeht, kommt mir hier kein Lebensmittelladen wieder rein", sagt Walter Hohm, dem die Immobilie gehört. Er ist jetzt optimistisch: "Ich habe Hochachtung vor dieser Frau." Auch Wilmsen ist selbstbewusst: "Ich mache das hier so lange es geht. Am liebsten bis zur Rente." Vor dem 1. März war sie Verkäuferin im "Jibi"-Markt. Sie war gespannt auf die neue Aufgabe, die ihr "viel Spaß" macht, wie sie sagt: "Auch wenn der Laden nicht viel abwirft. Und man verbringt viele Stunden hier, von morgens bis abends, auch am Sonnabend. " Doch die Zeit vergehe schnell, sagt sie. Inzwischen kann sie sich eine Hilfskraft leisten, die sie für sechs Stunden in der Woche vertritt. Doch der Anfang war nicht leicht: Wilmsen führte neue Öffnungszeiten ein, und obwohl sie mit ihrer Familie seit Jahren in Hohenrode wohnt, kannten viele Einwohner sie nicht und misstrauten dem neuen Geschäft noch. Das ist jetzt anders: "Der Laden ist der Mittelpunkt im Ort", sagt Sabine Schmedecke. Wilmsen kann das bestätigen: Wer etwas auf dem Herzen habe, komme hierher. Gerade Menschen ohne Auto seien froh um den Laden, doch auch Familien kämen oft - aus Hohenrode, Strücken oder Rumbeck. In einer Ladenecke gibt es Stehtische, Wilmsen verkauft auch Kaffee und Kuchen. Und zu Ferienzeiten stürmen Reiterferien-Kinder den "Frischemarkt". "Der Laden ist eine gute Sache. Ich bin fast jeden Tag hier", sagt der 21-jährige Sascha Wirt. "Ich muss ich nicht extra nach Rinteln fahren. Fast alles, was ich brauche, kriege ich hier", so Ursel Dorndorf. Und Alexandra Böger fügt hinzu: "Der Weg ist kurz und die Sachen sind nicht teurer als anderswo. Und so ein Sortiment wie das hier hatten wir noch nie." Immer wieder, egal von wem, gibt es Lob für das gute Sortiment im "Frischemarkt". "Ich wollte Mandelhörnchen backen", erinnert sich Silvia Struckmeier. "Nirgendwo gab es mehr Marzipan. Hier habe ich welches gefunden." Sie streift durch die Gänge: "Und du hast Salbeitee! Das ist ja was!" Anke Wilmsen erklärt ihre Überlegungen vor jedem Einkauf: "Ich stelle mir mein Zuhause vor, wenn alle Regale leer wären. Und dann gehe ich davon aus, was meine Familie und ich alles brauchen könnten." Jeden Bedarf kann der Laden nicht decken: Eine Frischetheke gibt es zum Beispiel nicht, und manchmal sind Lebensmittel schon aus. "Alles kann ich nicht anbieten, ich bin schließlich kein Supermarkt", sagt sie. Aber sie erfüllt gern Sonderwünsche. Dann fährt sie nach Ladenschluss um 18 Uhr nach Rinteln und kauft die Sachen ein. Und manchmal bringt sie älteren Kunden die Lebensmittel auch nach Hause. "Das kostet zwar viel Zeit, aber was soll's", lacht sie. Silvia Struckmeier spricht das aus, was viele Stammkunden des "Frischemarkts" denken: "Wer hier nicht einkauft, ist selber schuld."

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