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Vortrag: Woher kriegt die Bundeswehr ihren Nachwuchs?

Frauen und Ostdeutsche stehen oben auf der Liste

Bückeburg. Wie steht es um die Zukunft der Wehrpflicht und die Rekrutierung von Freiwilligen für die Streitkräfte? Oberstleutnant Gunter Feuerbach vom Zentrum der Bundeswehr für Nachwuchsgewinnung Nord in Hannover hat dem Arbeitskreis Reserveoffiziere (AKRO) Bückeburg Fakten und Modelle vorgestellt.

Oberstleutnant Gunter Feuerbach (r.) und Major d. R. Bernd Kirsc

Das Verkleinern der Bundeswehr geht laut Feuerbach besonders zu Lasten des Bedarfs an Wehrpflichtigen. Immer mehr junge Männer leisteten weder Wehr- noch Zivildienst, in letzterem Bereich seien aus Kostengründen zudem zahlreiche Stellen weggefallen. Folglich erhalte das Thema Wehrgerechtigkeit eine erhöhte Bedeutung. Da Politik und Streitkräfte am Wehrdienst festhalten wollen, seien neue Lösungsansätze gefordert, sollen nicht die Gerichte eine Entscheidung fällen müssen. Geplant werde daher, die Zahl der Einberufungen zu erhöhen. Nach Ansicht des Referenten wird diese Maßnahme aber nicht ausreichen. Das von ihm vorgestellte Modell sieht eine Reduzierung der Wehrpflicht auf sechs Monate und das Aufstellen von Ausbildungsregimentern vor, die dann eine Heimatschutztruppe bilden könnten. Der Kernbestand der Bundeswehr in Höhe von 150 000 Mann hätte mit diesen Einheiten keine direkte Verbindung mehr und könnte seine (Auslands-) Einsätze mit Freiwilligen vornehmen. Dafür müsste allerdings die Zahl der länger dienenden Mannschaften deutlich erhöht werden. Die Personalkosten stiegen in Folge ebenso an. "Beim Werben von Nachwuchs sieht es für die Bundeswehr gut aus, sowohl was Anzahl als auch Qualifikation der jährlich 20 000 neu eingestellten Freiwilligen betrifft", erläuterte Feuerbach. Dies treffe auch auf die Offizierbewerber zu. Dort sei das tiefe Tal der letzten Jahre durchschritten. Frauen stellen inzwischen ein Viertel aller Bewerber insgesamt. Ihnen stehen alle Verwendungen offen, auch die bei den Kampftruppen. Gerade um dieser Gruppe gerecht werden zu können, forderte Feuerbach das Einrichten von Bundeswehrkindergärten an Großstandorten. Zurzeit gewinnt die Armee ein Drittel ihrer Zeitsoldaten in Ostdeutschland. Der dortige starke Geburtenrückgang und eine vermutlich wachsende Wirtschaft würden ab 2009 den Kampf um "schlaue Leute" verschärfen, so Feuerbach. Sollte es hier zu Problemen kommen, könnte mit einer verlängerten Verpflichtungszeit der Personalbedarf dennoch gedeckt werden. Um Kosten zu sparen, werde vermehrt zivil ausgebildetes Personal mit höherem Dienstgrad eingestellt und anschließend militärisch geschult. Der lange Weg durch die Ränge bleibe diesen Bewerbern erspart - was nicht auf ungeteilte Zustimmung der Zuhörer stieß, befürchten doch nicht wenige das Heranbilden von nur eingleisig ausgebildeten Uniformträgern. Der Ausflug in die Welt der Personalplaner gewährte einen Einblick in ein wenig beachtetes Gebiet der Streitkräfte, das dennoch für deren Zukunft von Bedeutung ist.

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