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Die Welt zu Hause in Schaumburg: Serie zur Fußball-WM / 2:1-Sieg gegen USA Irans größter WM-Erfolg

"Frauen dürfen nicht einmal in die Stadien"

Kleinenbremen. Vor der dritten WM-Teilnahme der iranischen Nationalmannschaft geht es hoch her: Verletzte Spieler, außenpolitische Querschüsse des Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und die Erklärung zur Nuklearmacht sorgen im Vorfeld für Zündstoff. Auch in Schaumburg werden diese Ereignisse von einigen Familien besonders aufmerksam beobachtet - wie bei Familie Azimzadeh in Kleinenbremen.

Neda Azimzadeh und ihr Vater Hossein vor einem seiner Werke. Fot

Autor:

Ilka Märtens

Neda Azimzadeh war gerade mal drei Jahre alt, als ihr Vater Hossein, Dozent an der Kunstakademie Teheran, 1986 beschloss mit seiner Familie den Iran zu verlassen. "Mein Bruder und ich sollten frei aufwachsen. Und auch er selbst, gerade als Künstler, wollte seine Meinung frei äußern können, ohne eine Gefängnisstrafe fürchten zu müssen", erklärt die 23-jährige Soziologiestudentin. Dies sei seit dem Regimewechsel im Jahr 1979 nicht möglich gewesen. Zudem war es die Zeit des ersten Golfkrieges. Über Köln verschlug es die Familie schließlich in die Region um Porta Westfalica, wo sich Hossein Azimzadeh einen Namen als Maler und Bildhauer gemacht hat. In seinen Werken spiegeln sich auch persische Motive in Bild oder Schrift wider. Kontakt zu den Verwandten im Iran besteht nochübers Telefon, und auch im Fernsehen verfolgt man die Geschehnisse im einstigen Heimatland - wenn auch nicht die iranischen Nachrichten: "Die sind zensiert, kann man sich nicht angucken", winkt Neda Azimzadeh ab. Über Satellit, erzählt sie weiter, würden die meisten Iraner hier Nachrichten aus den USA empfangen. In Kalifornien haben sich mehrere iranische TV-Sender niedergelassen, so dass sie die Zensur nicht erreichen kann. Wie steht es nun um die iranische Fußballbegeisterung? Als sie aus dem Iran weggegangen sind, meint Azimzadeh, sei es dort noch kein großer Nationalsport gewesen, heute könne das anders sein: "Im Iran gibt es nicht viele Möglichkeiten für Hobbys - nur Sport, meistens für Jungs. Frauen dürfen nicht einmal in die Stadien." Die Fußballweltmeisterschaft wird man im Hause Azimzadeh und in den befreundeten iranischen Familien verfolgen: "Cool, dass die Iraner dabei sind!" Besondere Euphorie herrscht deswegen jedoch nicht, bleibt auch zu berücksichtigen, dass der dreifache Asienmeister (zuletzt 1976) bei den bisherigen Weltmeisterschaften nicht über die Vorrunde hinausgekommen ist. Als größter WM-Erfolg gilt bislang ein 2:1 gegen die USA im Jahr '98. Nach acht Jahren qualifizierte man sich also wieder durch ein 1:0 gegen Bahrain. Nun beklagen die Fans der Mannschaft um den kroatischen Trainer Branko Ivankovic (manchem vielleicht bekannt durch ein Intermezzo bei Hannover 96 in 1999/2000) den verletzungsbedingten Ausfall des Mittelfeldspielers Mojtaba Jabari, seines Zeichens Hoffnungsträger der iranischen Elf. Neda Azimzadeh nimmt's gelassen: "Wenn die Iraner bei einem Spiel dabei sind, dann sind wir auch für die Iraner, ansonsten für die Deutschen oder irgendeinen Außenseiter, an den niemand geglaubt hat. Das war doch toll bei der letzten WM, da hat auch keiner an die Deutschen geglaubt und dann sind die ins Finale gekommen!" Das bleibt für den Iran allerdings noch abzuwarten...

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