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Fragen und Antworten zur Integrierten Gesamtschule

Hamlen (ni). Die IGS-Initiative Hameln-Pyrmont hat in den vergangenen Wochen mit zahlreichen Veranstaltungen bei den Eltern darum geworben, sich für die Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule  in Hameln auszusprechen.  Die Stadt Hameln gab allen Interessierten am Donnerstagabend Gelegenheit, sich über das Thema zu informieren. Sowohl bei den Veranstaltungen der Initiative als auch bei der der Stadt kristallisierte sich eine ganze Liste von immer wieder gestellten Fragen heraus. Wir fassen sie noch einmal zusammen und beantworten sie.

Fragen und Antworten rund um das Thema IGS

Was die Eltern bei den zahlreichen Informationsveranstaltungen immer wieder wissen wollten

 


Was ist eine IGS? Eine IGS baut auf der Grundschule auf. Sie trennt nicht nach Hauptschülern, Realschülern und Gymnasiasten, sondern unterrichtet alle Schüler ab der fünften Klasse zunächst gemeinsam. Der Unterricht ist so angelegt, dass er durch differenzierte Angebote sowohl auf die Bedürfnisse der leistungsstarken als auch auf die der leistungsschwächeren Schüler eingeht. Ein Sitzenbleiben gibt es an der IGS nicht. IGS-Befürworter sehen einen Vorteil dieser Schulform darin, dass die Eltern nicht schon nach der vierten Grundschulklasse eine Entscheidung für die künftige Schullaufbahn ihrer Kinder treffen müssen. Durch die Betonung der individuellen Förderung werde gewährleistet, dass Frühstarter und Blitzgescheite nicht unterfordert werden und Spätzünder genügend Zeit erhalten, ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Und Schüler, die ungeachtet aller unterschiedlichen intellektuellen Fähigkeiten miteinander leben und lernen, würden darüber hinaus positiv in ihrem Sozialverhalten beeinflusst. Eine sogenannte „äußere Differenzierung“ und Einteilung der Schüler in getrennte Leistungskurse beginnt ab der 7. Klasse in den Fächern Mathematik und Englisch, ab der 8. in Deutsch und ab der 9. in den Naturwissenschaften. Es gibt aber auch Integrierte Gesamtschulen, die ohne diese Kurse auskommen und alle Schüler bis zum Ende der 10. Klasse gemeinsam unterrichten.


Wie viele Jahrgänge umfasst eine IGS? Eine neu gegründete IGS umfasst zunächst die Jahrgänge 5 bis 10 – also den Sekundarbereich I. Zeichnet sich im Laufe der Jahre ab, dass genügend Schüler aufgrund ihrer Leistungen in den Sekundarbereich wechseln können, kann die Weiterführung der IGS bis zum Abitur beantragt werden.


Welche Abschlüsse sind an einer IGS möglich? Alle, die auch an den Schulen des dreigliedrigen Schulsystems erworben werden können: also der Hauptschulabschluss nach Klasse 9 oder 10, der Sekundar-I-Abschluss (Realschulabschluss), der erweiterte Sekundar-I-Abschluss (Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe) und das Abitur.


Wer beantragt und genehmigt die Gründung einer IGS? Den Antrag auf Gründung einer IGS stellt der Schulträger – also die Stadt Hameln – bei der Landesschulbehörde, die auch die Genehmigung erteilt. Voraussetzung für den Antrag ist die Ermittlung des Elterninteresses an diesem zusätzlichen Schulangebot. Das Interesse gilt als gegeben, wenn bei der zurzeit laufenden Elternbefragung im Ergebnis herauskommt, dass pro Jahrgang eine Anmeldung von mindestens 130 Schülern an der IGS wahrscheinlich ist.


Müssen Eltern ihr Kind an der IGS anmelden, wenn sie auf dem Fragebogen angekreuzt haben, dass sie ihr Kind voraussichtlich zur IGS schicken werden? Nein. Die Eltern können sich jederzeit noch anders entscheiden und ihr Kind genauso gut am Gymnasium, an der Real- oder Hauptschule anmelden.

 

Was können Eltern tun, die keinen Fragebogen von der Stadt erhalten haben, obwohl ihr Kind zurzeit die Grundschule besucht oder zum Schuljahresbeginn im Sommer 2011 schulpflichtig wird? Die Eltern können sich direkt an die Stadt Hameln wenden und dort einen Fragebogen erhalten.


Soll eines der Hamelner Gymnasien geschlossen werden, wenn es eine IGS gibt? Eine Schulschließung wegen der IGS wird es nicht geben. Kommt es zur Gründung, muss die Stadt klären, an welchem Standort die IGS starten soll. Egal, welche der bestehenden Schulen dafür ausgewählt wird: Sie wird nicht geschlossen, sondern läuft nach und nach aus. Je nach Standortentscheidung werden an dieser Schule keine neuen fünften Haupt- Realschul- oder Gymnasialklassen eingerichtet, sondern jedes Jahr fünf neue IGS-Klassen. Die „alten“ Schüler können bis zum Schluss an „ihrer“ Schule bleiben. Mit der Standortfrage werden sich Rat und Verwaltung erst beschäftigen, wenn das Ergebnis der Elternbefragung vorliegt.


Ist eine neue IGS automatisch auch Ganztagsschule mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht (gebundene Ganztagsschule)? Nein. Wenn sie das werden soll, muss ein gesonderter Antrag beim niedersächsischen Kultusministerum gestellt werden. Und das genehmigt zurzeit nur „offene Ganztagsschulen“, bei denen die Teilnahme der Schüler am Nachmittagsangebot freiwillig ist. Die Ausstattung mit zusätzlichen Lehrerstunden, wie sie für eine gebundene Ganztagsschule erforderlich wäre, erhält die offene Ganztagsschule nicht, sondern nur eine deutlich geringere „Grundausstattung“.


Gibt es unterschiedlichen IGS-Formen? Ein Erlass des Kultusministeriums regelt die für alle IGSn verbindlichen Standards. Darüber hinaus kann sich jede IGS ein eigenes Profil geben und unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Insofern unterscheidet sich eine IGS nicht von den Schulen des dreigliedrigen Schulsystems.


Können Schüler auch von einer IGS an eine andere Schule wechseln? Grundsätzlich ja.


Wie setzen sich die Klassen an einer IGS zusammen? In der Regel spiegeln sich in einer IGS-Klasse die Schullaufbahnempfehlungen am Ende der Grundschulzeit wider. Das heißt: Hätten im Durchschnitt des jeweiligen Jahrganges 40 Prozent der Viertklässler eine Gymnasialempfehlung, 40 Prozent eine Realschulempfehlung und 20 Prozent eine Hauptschulempfehlung, dann fänden sich diese Quoten auch in einer IGS-Klasse wieder.


Was passiert, wenn mehr Schüler für die IGS angemeldet werden, als Plätze vorhanden sind? Dann wird per Losverfahren entschieden, wer die IGS besuchen darf. Solange es im Landkreis Hameln-Pyrmont nur eine IGS am Standort Hameln gibt, kämen voraussichtlich alle angemeldeten Kinder aus dem gesmaten Kreisgebiet in drei verschiedene Lostöpfe – einen für jede Schullaufbahnempfehlung. Aus diesen drei Töpfen würden dann die Schüler für die fünf Klassen gezogen.


Wie geht es weiter, wenn die Landesschulbehörde die Gründung einer IGS genehmigt? Dann befasst sich eine Planungsgruppe befasst sich damit, ein Konzept für die Schule zu erstellen. Die Gruppe besteht überwiegend aus Pädagogen, beteiligt werden aber auch der Schulträger und interessierte Eltern. Die Lehrerstellen für die Planungsgruppe werden von der Landesschulbehörde ausgeschrieben, die den gesamten Prozess bis zur Verabschiedung des Konzeptes begleitet. Enge Kontakte zu Integrierten Gesamtschulen, die bereits Erfahrungen und bei diversen Schultests besonders erfolgreich abgeschnitten haben, sind in der Planungsphase die Regel.


Gibt es schon Lehrer, die die Gründung einer IGS in Hameln gern begleiten würden? Ja, sagt die IGS-Initiative Hameln-Pyrmont. Bei ihr hätten sich bereits mehrere Lehrer aus dernäheren Umgebung gemeldet und Interesse an einer Mitarbeit signalisiert. Darunter seien sowohl Grund- und Hauptschullehrer als auch Realschul- und Gymnasiallehrer.


Wann soll eine IGS in Hameln an den Start gehen? Zum Schuljahr 2011/2012, so jedenfalls ist es geplant.


Welche Kosten kommen mit Gründung einer IGS auf die Stadt Hameln zu? Diese Frage kann die Verwaltung zurzeit noch nicht beantworten. Denn die Kosten hängen unter anderem ab vom Standort, über den noch nicht entschieden ist und von der Zahl der Schüler, die noch nicht bekannt ist.

 

 

 

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