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Verwaltungsausschuss entscheidet am Mittwochüber Einleitung des 1,2-Millionen-Euro-Verfahrens

Flurbereinigung: Junge Landwirte sehen Chance

Rinteln (wm/who). GLL, die Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften in Hannover, plant eine Flurbereinigung in den Rintelner Wiesen. Es ist inzwischen der vierte Versuch seit 1998 und auch diesmal gibt es vehemente Befürworter wie Gegner bei Landwirten wie Kommunalpolitikern. Weshalb der Verwaltungsausschuss in der letzten Woche eine Entscheidung vertagt hat. In einer Sondersitzung wollen sich die Verwaltungsausschussmitglieder jetzt am morgigen Mittwoch erneut mit dem Thema beschäftigen.

Friedhelm Brandsmeier: Erst skeptisch, aber heute von den Vortei

Rund 1,2 Millionen Euro würde eine Flurbereinigung kosten, 321 050 Euro müsste Rinteln dazu aus der Stadtkasse zahlen - nicht in einer Summe, sondern verteilt über mehrere Jahre. Beteiligt wären an dem Verfahren 211 Grundeigentümer, darunter auch 18 Landwirte, die zwar keine eigenen Flächen in diesem Bereich, aber andere Rechte haben - beispielsweise Pachtverträge. 68 Landwirte haben in einer Unterschriftenaktion gegen eine Flurbereinigung opponiert - allerdings, wie eineÜberprüfung der Liste ergeben hat, auch Personen, deren Grundstücke nicht im Plangebiet liegen. Dirk Niemann, Dezernatsleiter bei der GLL in Hannover und zuständig für die Flurbereinigung, hat jetzt in einem Gespräch versucht, zumindest das am häufigsten von Landwirten gehörte Argument gegen eine Flurbereinigung zu entkräften, nämlich, Kieslandbauern würden praktisch "enteignet", wenn sie Land tauschen müssten. Das, so Niemann, sei nicht der Fall, denn Kiesland könne, wenn überhaupt, dann nur getauscht werden innerhalb des sogenannten Vorrangabbaugebietes SHG 4. Auch die Befürchtung, hier könnte unerkannt ein Kieswerk die Chance nutzen und Flächen für eine künftige Ausbeute zusammenkaufen, sei unbegründet - da gebe es einfach zu viele Kontrollmechanismen im Verfahrens. Bleibt das Problem Naturschutz: "Die in 40, 50 Jahren gewachsenen Hecken in den Rintelner Wiesen mit ihremökologischen Stellenwert werden bei einer Flurbereinigung platt gemacht - eine ausgeglichene Ökobilanz muss durch teure Neuanpflanzungen erstellt werden", gibt WGS-Fraktionsvorsitzender Gert Armin Neuhäuser zu bedenken - erklärter Gegner der Flurbereinigung. Niemann sieht das anders: Die Flurbereinigung sei im Gegenteil eine Chance für den Naturschutz, denn man könne dann Kompensationsflächen, also Biotope, effektiv vernetzen. Hier sei man mit dem Naturschutzbund bereits im Gespräch. Es gebe eben leider immer noch die irrige Vorstellung, mit einer Flurbereinigung würden riesige Monoflächen geschaffen. Niemann: "Diese Zeiten sind lange vorbei." Die Verwaltung sieht in einer Flurbereinigung gleich eine ganze Reihe von Vorteilen: So eine bessere Wasserableitung bei Hochwasser, für die Stadtwerke weitere Trinkwasserschutzflächen und ein verkleinertes, gleichzeitig aber verbessertes Wirtschaftswegenetz, das auch dem Tourismus zugute käme.

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