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Noch werden die Gemeiden und Städte höflich gefragt, aber die stark anwachsende Zahl bringt den Landkreis in Schwierigkeiten

Flüchtlinge: Die Not wird größer

Auetal. Zur Flüchtlingssituation nahm in der letzten Sitzung des Gemeinderates Bürgermeister Heinz Kraschewski ausführlich Stellung. Allgemein lasse sich sagen, dass der Landkreis bereits ganz kurzfristig neben den Notaufnahmen in der Bückeburger Jägerkaserne mit einer zwar nicht explodierenden, aber stark anwachsenden Zahl an Zuweisungen aus den Aufnahmelagern rechne. Dies hätte man seitens der Aufnahmelager an den Landkreis „signalisiert“. Zwangsläufig werde dann auch die Forderung des Landkreises gegenüber den Gemeinden „konkreter“, dass diese sich vor Ort um Wohnraum bemühen sollen.

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite

Von dieser Forderung werde auch die Gemeinde Auetal betroffen sein. Kraschewski: „Gehen wir hypothetisch einmal von 50 Flüchtlingen für das Auetal aus, sind wir auf die Anmietung von rund zehn Wohnungen angewiesen.“ Die Botschaft des Verwaltungschefs war unmissverständlich: Der Ton wird etwas rauer. Kraschewski formulierte das so: „Zum jetzigen Zeitpunkt appelliert der Landkreis noch, die Gemeinden mögen ihm freiwillig helfen, um diese Notsituation zu bewältigen.“ Sollte sich die Situation weiter zuspitzen, wovon er als langjähriger Leiter des Kreissozialamtes ausgehe, werde der Landkreis die Gemeinden förmlich heranziehen. Dies habe zur Folge, dass die Aufgabe der Unterbringung dann konkret bei den Gemeinden liege. Auf Deutsch: „Es läuft dann nicht mehr auf freiwilliger Basis“, sagte Kraschewski, der Landkreis sei bald am berühmten Ende der Fahnenstange angelangt: „Dann wird nicht mehr gefragt, wollt und könnt ihr Flüchtlingen aufnehmen, dann wird zugewiesen.“

Der Bürgermeister appellierte erneute an die Ratsmitglieder, in den Ortschaften für die Vermietung geeigneter Wohnungen an den Landkreis und die Flüchtlinge zu werben, der Landkreis sei ein verlässlicher Mieter, der pünktlich das Geld überweise. Die Gemeinde Auetal selbst habe einige Wohnungen, die vom Landkreis angemietet wurden und in dieser Woche belegt werden sollen.

Das Mobiliar der Wohnungen würde vom Landkreis gestellt; wer eine Wohnung anbietet, der erhalte Besuch von einem Landkreis-Mitarbeiter, der kurz schaue und sage, was vielleicht noch getan werden müsse, aber generell, so ließ Kraschewski durchblicken, sei die Not eben größer geworden. Sollte heißen: Damit sinken automatisch die Anforderungen.

Zurzeit gäbe es in der Gemeinde rund ein Dutzend Flüchtlinge, so der Bürgermeister, „das ändert sich täglich.“ Kraschewski gab sich recht entspannt: Generell sei die Gemeinde für Flüchtlingen mit Blick auf einen Daueraufenthalt nicht „so attraktiv“, sie würden lieber in die großen Städte ziehen wollen, wo oftmals Verwandte leben würden.

Die Gemeinde stehe mit den Kirchen im Gespräch, und zudem habe der Landkreis für diese Woche die Bürgermeister zu einem Gespräch eingeladen. Für den Landkreis rechnet Kraschewski mit über 1000 Flüchtlingen in diesem Jahr.

In ganz Deutschland suchen Flüchtlinge nach Wohnraum, da stellt die Gemeinde keine Ausnahme dar.dpa

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