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Momente für die Ewigkeit: Hamelns ehemaliger Torjäger Norbert Irtel trifft bei seiner 96-Premiere in Köln

Florian Büchler – fünf eiskalte Bundesliga-Minuten

Mit 602 Spielen dürfte der Rekord von Karl-Heinz „Charly“ Körbel in der Bundesliga nicht mehr zu toppen sein. Für das Urgestein von Eintracht Frankfurt bleibt es wohl für ewige Zeiten Rekord in der deutschen Eliteklasse. Ein „Tor für die Ewigkeit“ erzielte in der Bundesliga aber ein ganz anderer Spieler – Norbert Irtel für Hannover 96 in der Spielzeit 1967/68. Der offensive Mittelfeldspieler, der 1972 von Olympia Wilhelmshaven zu Preußen Hameln 07 wechselte und hier im Weserbergland-Stadion viele Jahre in der Landes- und Amateuroberliga Nord die 07-Fans begeisterte, kam zwar nur auf zwei Einsätze in der Nobelklasse des deutschen Fußballs. Aber die hatten es in sich.

Norbert Irtel im Trikot von Hannover 96: In der Bundesliga-Saison 1967/68 war sein Foto in allen Fußball-Sammelalben begehrt.
Klaus Frye

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Klaus Frye Sportreporter zur Autorenseite

Mit 602 Spielen dürfte der Rekord von Karl-Heinz „Charly“ Körbel in der Bundesliga nicht mehr zu toppen sein. Für das Urgestein von Eintracht Frankfurt bleibt es wohl für ewige Zeiten Rekord in der deutschen Eliteklasse.

Ein „Tor für die Ewigkeit“ erzielte in der Bundesliga aber ein ganz anderer Spieler – Norbert Irtel für Hannover 96 in der Spielzeit 1967/68. Der offensive Mittelfeldspieler, der 1972 von Olympia Wilhelmshaven zu Preußen Hameln 07 wechselte und hier im Weserbergland-Stadion viele Jahre in der Landes- und Amateuroberliga Nord die 07-Fans begeisterte, kam zwar nur auf zwei Einsätze in der Nobelklasse des deutschen Fußballs. Aber die hatten es in sich. Vor allem seinen ersten Auftritt am 6. Januar 1967 im Müngersdorfer Stadion in Köln kann der inzwischen 65-Jährige heute noch so schildern, als wäre er live dabei: „In der 24. Minute wurde ich für Otto Laszig eingewechselt.“ Drei Minuten nach der Pause fühlte sich Norbert Irtel dann wie König Fußball persönlich. Er hatte den Ball an Kölns Torhüter Anton „Toni“ Schumacher vorbei zum 1:1 ins Netz gehämmert. „Das vergisst man nicht“, sagt Irtel, dem eine Gänsehaut über den Rücken jagt, wenn er sich an seine 76-minütige Bundesliga-Premiere, die letztlich mit einer 1:2-Niederlage der 96er endete, erinnert. Danach saß der gebürtige Gehrdener gegen den FC Bayern München und Borussia Dortmund auf der Bank. Sein zweiter, aber auch letzter Auftritt in der Bundesliga folgte vier Wochen später im Nordderby gegen den Hamburger SV. Beim 2:2 im Niedersachsen-Stadion vertrat Amateur Irtel erneut den verletzten Josef „Jupp“ Heynckes in Hannovers Offensivabteilung, die damals neben dem heutigen Trainer von Bayer 04 Leverkusen mit Josip Skoblar, Hans Siemensmeyer und Walter Rodekamp weitere Hochkaräter aufbieten konnte. Zwei Bundesligaeinsätze, 166 Minuten Spielzeit, ein Tor – die Bundesliga-Chronik und der Name Norbert Irtel sind für ewige Zeiten miteinander verbunden.

Dass Sepp Herbergers bekannter Spruch „Ein Spiel dauert 90 Minuten“ auch mal nicht so streng genommen wird, erlebte Norbert Irtel im Dezember 1967 in Afrika. Mit der Niedersachsen-Auswahl verbrachte er die Weihnachtstage in Ghana, Kamerun und Togo. Unvergessen bleibt für ihn vor allem der Auftritt in Akkra. Denn in Ghanas Hauptstadt endete ein Freundschaftsspiel schon nach 70 Minuten. „Im Stadion musste eine zweite Veranstaltung wegen der Anwesenheit des Präsidenten unbedingt pünktlich beginnen. Für den Schiedsrichter kein Problem, er pfiff unser Spiel einfach 20 Minuten früher ab“, schmunzelt der seit vielen Jahren in Eimbeckhausen lebende Ex-Preußenspieler.

Andreas Loges stürmte ein Jahr lang für Zweitligist VfL Osnabrück.
  • Andreas Loges stürmte ein Jahr lang für Zweitligist VfL Osnabrück.

Nur fünf Minuten durfte Florian Büchler Bundesliga-Flair erleben. Doch davon schwärmt der Blondschopf aus Bad Pyrmont, der seit der Saison 2008/09 dem Regionalliga-Kader von Hannover 96 angehört, immer noch. Am 19. Dezember 2009 wechselte ihn der damalige 96-Trainer Andreas Bergmann in der 88. Minute für Djakpa ein. Es war bitterkalt und der Boden trotz Rasenheizung hart gefroren. „Auch wenn ich mit der Nachspielzeit nur fünf Minuten gespielt habe, trotzdem bleibt es ein Erlebnis der ganz besonderen Art.“ Der Fußball spielt für ihn immer noch die Hauptrolle. Vielleicht sieht man ihn ja sogar noch einmal in der zweiten Liga.

Hier erlebte mit Andreas Loges ein weiterer Fußballer aus der Kurstadt Bad Pyrmont seine größte Zeit. In der Saison 1981/82 wechselte Loges von Preußen Hameln 07 für ein Jahr zum Zweitligisten VfL Osnabrück. Sein erstes Glanzlicht zündete er gleich zum Auftakt bei München 1860 (1:1) an, das zweite strahlte vier Tage später bei 2:2 im Schalker Parkstadion. „Da war ich noch ein absoluter Noboby“, erinnert sich Loges, der alle drei Tore für die Osnabrücker schoss. „Danach war der Name Loges überall bekannt. Die Abwehrspieler wussten jetzt, mit wem sie es zu tun bekamen.“ Spätestens beim zweiten Heimspiel an der Bremer Brücke holte ihn der harte Alltag des Profifußballs ein. Und dafür sorgte Joaquín Montañés von Alemannia Aachen. Den hat Loges heute noch in unangenehmer Erinnerung: „Der war eisenhart und hat nicht lange gefackelt. Er säbelte mich schon in der ersten Viertelstunde zweimal um. Da wusste ich, wie der Wind im Profigeschäft weht.“ Umgeblasen hat Montañés den heutigen Trainer der SpVgg. Bad Pyrmont dennoch nicht. 32 Pflichtspieleinsätze und vier Tore lautete seine positive Bilanz beim VfL Osnabrück.

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