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Wandelhalle: Ausstellung zeigt Werke von Wiebke Sinn und Anke Windmann / Anja Sledkovaüberzeugt mit der Flöte

Fingerübungen auf Leinwand und (Un)-Sichtbares im Stein

Bad Eilsen. Sich unterscheidende Sicht- und Herangehensweisen der Künstler faszinieren am Kunstgeschehen. Der Unterschied prägt auch die 63. Kunstausstellung in der Wandelhalle, die Dr. Udo Kressin als Leiter des Kreativ- und Freizeitbereichs am Rehazentrum Bad Eilsen vor kurzem eröffnet hat. Unter dem Motto "fünf-jahre-f@rbe.ws" zeigt Wiebke Sinn Malerei in Öl und Acryl, während Anke Windmanns Skulpturen aus Speckstein dem Leitgedanken "Unsichtbares - sichtbar" folgen.

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Autor

Thomas Meinecke Redakteur zur Autorenseite

Die aus Berlin stammende und heute in Wetter an der Ruhr lebende Wiebke Sinn hat das Malen erst vor fünf Jahren für sich entdeckt. Den Ausstellungsbesucher erwartet mithin auch nicht ein Querschnitt durch ein homogenes Gesamtwerk, und auch nicht der fokussierende Blick auf eine künstlerisch in sich geschlossene Schaffensperiode. Zu sehen sind vielmehr Fingerübungen jedweder Couleur. Die Malerin probiert sich noch aus, das wird an den Bildern deutlich. Diverse Techniken im Umgang mit Pinsel, Spachtel und Farbe, Experimente mit verschiedenen Malgründen, Materialien und allem, was sich auf Leinwand aufbringen lässt - das ist's, was der Kunstinteressierte beim Vorbeigehen an ihren Bildern erlebt. In einem typischen Pop-Art-Motiv (Jeansträgerin von hinten) etwa prangt auf dem Po der Dame die berühmte "Rolling Stones"-Zunge, letztere geradezu eine Pop-Art-Ikone - ein augenzwinkerndes Spiel mit dem Stil. Wiebke Sinn möchte vieles entdecken, und das sieht man ihren Bildern an. Bildhauerin Anke Windmann hat eine ganz andere Herangehensweise. In ihren Specksteinskulpturen macht die Löhnerin Unsichtbares sichtbar. Ausstellungsleiter Kressin erläutert: "Wer schon einmal mit Stein und am Stein künstlerisch gearbeitet hat, der weiß, dass in diese Arbeit viele Gedanken und Gefühle einfließen; und so lässt sich das gewählte Motto sehr gut nachvollziehen." Das ist ein Erklärungsansatz. Der andere liegt im verwendeten Material selbst. Der Speckstein - ob weiß, rötlich, grün oder schwarz - offenbart seine Schönheit, seinen seidigen Glanz, seine marmorierende Transparenz erst nach der letzten Bearbeitungsstufe. Nur durchs abschließende Polieren wird sein bis dahin verborgener Zauber sichtbar. Anke Windmann zeigt vor allem Figürliches, aber auch einige freie Arbeiten, die vom Spiel mit Formen leben. Während Bilder und Skulpturen noch eine Zeit lang in der Wandelhalle zu sehen sein werden, war ein weiterer Kunstgenuss nur am Eröffnungsabend zu erleben: das Querflötenspiel von Anja Sledkova. Sie hat soeben die Konzertprüfung an der Musikhochschule Detmold abgelegt, legt nun noch ein Studium der Kammermusik drauf. In der Wandelhalleüberzeugte die Musikerin mit Lautmalereien, welche die Ausdrucksmöglichkeiten des Instruments in ihrer ganzen Spannweite deutlich werden ließen. Mal heiser säuselnd, mal kehlig rau, mal glucksend fröhlich, mal fiepend schrill, spielte sich Sledkova durch Kompositionen von Boismortier, Telemannund Hindemith, die ihrerseits die vielfältigen Facetten des Instruments ausloteten - und die Künstlerin entsprechend zu Leistungen auf höchstem Niveau herausforderten. Klasse! Öffnungszeiten: Die 63. Kunstausstellung in der Wandelhalle in Bad Eilsen am Kurpark ist noch bis zum 27. August täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet.

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