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Betriebsratschef: Hart verhandelt

Faurecia entlässt 60 Mitarbeiter - Mit mehr gedroht

Stadthagen (ssr). Im Stadthäger Produktionswerk des Autositzherstellers Faurecia gibt es bis zum Jahresende 60 Entlassungen. Die Zahl der Werksmitarbeiter wird sich dann noch auf 372 belaufen. Entsprechende Informationen hat die Unternehmensleitung gestern bestätigt. In einer Betriebsvereinbarung wurde festgelegt, dass dieZahl der im Werk Beschäftigten bis Ende 2009 nicht unter 312 sinken soll.

Die 60 Entlassungen sind Teil einer Strukturanpassung zur Standortsicherung, die Mitte 2006 zwischen der Geschäftsführung und dem Betriebsrat vereinbart worden war. Diese hatte einen Personalabbau auf 300 Werksbeschäftigte schon bis Ende 2008 vorgesehen. "Aufgrund der guten Auftragslage vor allem in 2007 und Anfang 2008 hatte sich dieser Personalabbau zeitlich nach hinten verschoben", führte Unternehmenssprecherin Kirsten Lattewitz dazu gestern auf Anfrage aus. Die Zahl der Werksmitarbeiter hatte daher Ende November noch 443 betragen. Die Gesamtzahl der Faurecia-Mitarbeiter in Stadthagen (also inklusive der Verwaltungszentrale für Faurecia-Deutschland und des weltweiten Forschungs- und Entwicklungszentrums) beträgt momentan 1573. Doch die Wirtschaftskrise hat den Druck auf den Personalabbau offenbar wieder erhöht. Gleichwohl geht das Werk mit 72 Beschäftigten mehr als 2006 geplant in das kommende Jahr. Und: War der Bestand für Ende 2009 ursprünglich auf 300 vereinbart, sollen es nunmehr mindestens 312 sein. Dass es im kommenden Jahr oberhalb dieser Grenze zu Entlassungen kommen wird, dürfte nach den Worten von Lattewitz "aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und der damit verbundenen veränderten Auftragslage" kaum zu vermeiden sein. Betriebsratschef Fred Hartmann bestätigte auf Anfrage, über die 60 Entlassungen sei hart verhandelt worden. Aber: "Der Arbeitgeber ließ sich auch durch noch so gute Argumente nicht von den Kündigungen abbringen und hat das Scheitern der Schlichtung erklärt." Des Weiteren habe das Management mit 72 weiteren sofortigen Kündigungen "gedroht", so Hartmann. Um diese zu verhindern, habe die Arbeitnehmervertretung schließlich ihr Einvernehmen mit den 60 Entlassungen erklärt, im Gegenzug aber einige wichtige Erfolge errungen: Im kommenden Jahr darf es maximal 50 betriebsbedingte Kündigungen geben - und diese nur mit Zustimmung des Betriebsrates. Zudem hat sich die Geschäftsführung nach Darstellung Hartmanns in einer Vereinbarung dazu verpflichtet, bis zum 30. Juni 2010 der Beschäftigungssicherung Vorrang vor Kündigungen zu geben. Das heißt: Kurzarbeit, Reduzierung derWochenarbeitszeit und sogar die Rückverlagerung von extern vergebenen Aufträgen ins Stadthäger Werk müssen zunächst angewendet werden, bevor Verhandlungen über Kündigungen aufgenommen werden dürfen. "Wir sind nicht glücklich, über derartige Dinge verhandeln zu müssen", räumte der Stadthäger IG Metall-Sekretär Thorsten Gröger ein. Aber die aktuelle Wirtschaftskrise zwinge dazu. Ziel der Arbeitnehmerseite sei es gewesen, "Risiken zu minimieren". Insbesondere das Primat für die Beschäftigungssicherung markiere "eine Änderung im Denken des Managements", kommentierte der IG-Metaller. Von zentraler Wichtigkeit sei es, die Zahl der Werksbeschäftigten langfristig über 300 zu halten. Denn letztlich sei diese Größenordnung für die Zukunftssicherung des Werksstandortes maßgebend.

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