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Fastlabend in Flegessen: Die Jecken sind los

FLEGESSEN. „Ach ist das schön, wunderschön“, strahlt die 77-jährige Ingrid Wille. Gerade eben haben bunt gekleidete Flegesser Narren den Aufenthaltsraum im Erdgeschoss des Seniorendomizils gestürmt, füllen das Haus mit fröhlichen Gesängen und zaubern den Senioren um Ingrid Wille ein Lächeln ins Gesicht.

Wenn ein Schlumpf auf Musketiere trifft – dann ist Fastlabend am Süntelrand. Fotos: Huppert

Autor

Christoph Huppert Reporter

„Fastlabend“, so heißt die alte Tradition, die fünf Mitglieder der Ideenwerkstatt wieder neu belebt haben. Der 59-jährige Volker Dennert hält die Fäden der Organisation in der Hand. „Das geht auf die Bergleute im Süntel vor vielen hundert Jahren zurück“, erklärt der kaufmännische Angestellte. „Die kamen meist aus dem Rheinland, haben hier in der Fremde gearbeitet und sich am Samstag vor Rosenmontag durch Singen an den Haustüren Wurst, Brot und Eier erbeten.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe der Gesangverein die uralte Tradition zwar wieder aufgenommen, trotzdem sei sie später eingeschlafen. „Jetzt wollen wir damit frischen Wind ins Dorfleben bringen“, so Dennert. Seit vier Jahren gibt es in Flegessen deshalb wieder einen „Fastlabend“. Um 10 Uhr startet das närrische Völkchen unter fortwährenden „Süntel Alaaf“-Rufen und dem Absingen von närrischem Liedgut nach einer Stippvisite im Seniorenheim in fünf Gruppen zur Sammeltour durch Flegessen, Hasperde und Klein Süntel.

Auch die sechsjährige Lenja, die sich als Prinzessin ausstaffiert hat, ist mit Freude und Eifer dabei. Bis 16 Uhr dauert der Jeckenzug durch die drei Ortsteile. Später am Abend gibt es dann in der Flegesser Sporthalle ab 20 Uhr die große Narrensause. An der wird auch Michaela Bühler teilnehmen. Die ist eigentlich eine Schwarzwaldhexe, die es der Liebe wegen aber schon vor 15 Jahren in die Süntelwälder verschlagen hat. Ihre handgeschnitzte Hexenmaske aus der Schwarzwälder „Fasnet“ sieht wirklich zum Fürchten aus.

Immer auch ein großer Spaß für den Nachwuchs: Kostümiert ziehen Kinder mit den erwachsenen Jecken durch die drei Orte.
  • Immer auch ein großer Spaß für den Nachwuchs: Kostümiert ziehen Kinder mit den erwachsenen Jecken durch die drei Orte.

„Mit Umzügen wie in Köln, Düsseldorf oder Hessisch Oldendorf hat das alles aber nichts zu tun“, erklärt Dennert. „Uns geht es ausschließlich um die Wiederbelebung und den Erhalt einer guten Tradition.“ Und das ist den närrischen Süntelbewohnern auch in diesem Jahr wieder gut gelungen. Ob närrischer Pastor, Sträfling, Banane, Blume, Pirat, Polizist oder Hexe, zu den Klängen der beiden aus Gronau bei Elze importierten Wandernarren Klaus und Stefan bringt das Jeckenfieber trotz kalter Februargrade die rund 30 großen und kleinen Süntelnarren schon Sonnabendfrüh mächtig auf Betriebstemperatur. Darauf ein dreifaches „Süntel Alaaf!“

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