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Suche nach Kristina E.: Polizei bestätigt konkrete Hinweise auf Suizid / Konflikte am Arbeitsplatz

Familie der Vermissten begleitet Großaktion

Rinteln (wm). Mit einem Großaufgebot von 50 Polizeibeamten und 19 Hunden, darunter neun ausgebildete Leichenspürhunde, sowie einer Gruppe von fünf Tauchern hat die Polizei gestern die Suche nach Kristina E. fortgesetzt. Auch der Lebensgefährte der Vermissten und ihre Pflegemutter waren Zeugen der Suchaktion. Von der Erzieherin aus Exten, die zwei Tage vor ihrem 23. Geburtstag verschwunden ist, fehlt seit dem 16. Januar jede Spur.

Die Polizei hatte ihre Zentrale im Schulungsraum des Feuerwehrha

Auf den Einsatz eines Sonarbootes der Wasserschutzpolizei aus Hannover (wir berichteten) war verzichtet worden, weil die Weser eine zu starke Strömung hat. Und diese würde die akustisch erfassten Bilder so sehr verzerren, dass sich Gegenstände am Grund nicht mehr eindeutig identifizieren lassen. Kriminalhauptkommissar Peter Balsmeyer, Leiter der für den Fall Kristina E. in Rinteln gebildeten Ermittlungsgruppe, gab gestern Morgen im Feuerwehrhaus am Seetor, wo die Einsatzzentrale eingerichtet worden war, den zahlreichen Medienvertretern, darunter drei Fernsehteams, einen Überblick über die Situation. Man habe sich zu einer groß angelegten Suchaktion entschlossen, weil es mit jedem Tag, der verstreiche, schwieriger werde, eine mögliche Todesursache zu ermitteln. Außerdem solle auch die Familie Gewissheit bekommen und von dem ungeheuren psychischen Druck befreit werden, nicht zu wissen, was mit ihrer Tochter geschehen ist. Der Abschnitt, in dem gesucht werde, sei so gewählt worden, weil es in diesem Strombereich noch eine Chance gebe, die Vermisste zu entdecken. Weiter weserabwärts Richtung Bremen mache eine Suche kaum mehr Sinn. Am Tage des Verschwindens von Kristina E. hatte die Weser einen Pegelstand von 2,81 Metern. Ab dem 19. Januar ist die Weser dann sprunghaft bis auf 4,79 Meter angestiegen. Balsmeyer bestätigte, inzwischen gebe es konkrete Hinweise auf einen möglichen Suizid. Wie Kriminaloberkommissarin Gabriela Mielke, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Nienburg-Schaumburg, im Detail erläuterte, habe sich im Laufe der Ermittlungen herausgestellt, dass es entgegen ersten Meldungen doch Konflikte am Arbeitsplatz gegeben habe. Die vier Jugendlichen der Wohngruppe in Exten, die Kristina E. als Mitarbeiterin des Jugendheims Hirschkuppe Steinbergen betreut hat, sollen ihr in einer Besprechung erklärt haben, sie seien nicht weiter bereit, mit ihr zusammenzuarbeiten. Kristina E. selber habe mehrere Tage vor ihrem Verschwinden im Umfeld von Arbeitskollegen geäußert, sie fühle sich von der Situation in der Wohngruppe überfordert. Deshalb habe ein Gespräch mit einem Betriebspsychologen stattfinden sollen - dazu sei es aber nicht mehr gekommen. Kristina E., geboren im Kosovo, war im Alter von zehn Jahren mit ihrer Schwester nach Deutschland gekommen und bei einer Pflegefamilie in Wilhelmshaven aufgewachsen. Dort hatte sie auch ihren Freund kennen gelernt. Ein Ergebnis hatte die Suche gestern: Gegen Mittag spürte ein Suchhund das Handy der Vermissten auf. Das Mobiltelefon der Marke Siemens, Modell S 65, lag bei Rumbeck unmittelbar am Weserufer und ist von Angehörigen identifiziert worden. Die Polizei geht davon aus, dass die 22-Jährige das Handy weggeworfen hat, nachdem sie ihren roten Mazda geparkt hatte. In ihr Handy hatte sich Kristina E. zuletzt am Dienstag, 16. Januar, um 8.30 Uhr eingeloggt - vermutlich, als sie ihre Wohnung verlassen hat. Um 8.41 Uhr ist das Handy dann ausgeschaltet worden. Nach wie vor fehlt das Dienstbuch aus der Wohngruppe in Exten, eine rote Kladde. Abgesucht worden sind gestern von den Beamten rund 20 Stromkilometer und die beidseitigen Ufer von der Fähre in Großenwieden bis zur Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen bei Eisbergen. Dazu bildeten die Beamten sieben Trupps, denen jeweils Hundeführer zugeordnet waren. Auf der Weser beteiligten sich vier Polizeiboote an der Suche. Besonders abgesucht wurde auch der Bereich der Hohenroder Kiesteiche. Hier waren auch Taucher im Einsatz. Gegen 17 Uhr, mit Einbruch der Dunkelheit, ist die Suche beendet worden.

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