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Fahrgast Nummer 30 000: Schwester Gerda zieht das große Los

BAD MÜNDER. Zwei- bis dreimal pro Woche wartet Gerda Wernecke an der Haltestelle „Verbrauchermarkt“ auf den Bürgerbus. „Der bringt mich rauf zur Ziegenbuche, da gehe ich spazieren, lasse keine Bank aus, und fahre mit einem kleinen, selbstgepflückten Blumenstrauß wieder runter“, erklärt die rüstige 84-Jährige.

Bürgerbus-Vereinsvorsitzender Jan Lababidi (l.) und Fahrer Peter Pauksch gratulieren Schwester Gerda. Foto: hzs

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Christoph Huppert Reporter

Früher war sie als Gemeindeschwester mit dem Fahrrad in der Kurstadt unterwegs. Jetzt nimmt sie gerne den Bus mit der Möglichkeit zum persönlichen Kontakt – doch so persönlich wie am Mittwoch ist der Empfang bei aller gegenseitigen Sympathie selten. Schwester Gerda ist sichtlich überrascht, als sie vom Bür-gerbus-Vereinsvorsitzenden Jan Lababidi einen kleinen Blumenstrauß und einen Block mit 25 Fahrscheinen überreicht bekommt. „Den haben die Fahrer für den 30 000. Fahrgast gestiftet“, sagt Lababidi. „Ach Kinder, ihr habt ja einen Vogel, das habe ich doch gar nicht verdient“, freut sich die alte Dame.

„60 000 Kilometer auf dem Tacho und 30 000 Fahrgäste befördert“, erklärt Fahrer Peter Pauksch dem verdutzten Ehrenfahrgast. Der Mann der ersten Bürgerbus-Stunde hat genau Buch geführt. „Die Gäste sind ganz unterschiedlich, mal mit Rollator und schwerem Gepäck, jung oder alt, immer aber nett und hilfsbereit“, sagt der pensionierte Schulleiter eines Hamelner Gymnasiums.

Er schmunzelt: „Wenn die Schulschwänzer, die viel zu früh an der KGS-Haltestelle abfahren, wüssten, dass sie ein Schuldirektor kutschiert …“ Aber Pauksch hat einen sichtlichen Spaß an der ehrenamtlichen Tätigkeit.

Zwei Euro kostet die Fahrt vom Bahnhof durch Südfeld und Stadt bis rauf zu den Kliniken am Deisterhang. „Stoßzeiten sind meist die Nachmittagsstunden“, erklärt Pauksch. „Da haben wir viele Besucher der Patienten in den Kliniken.“

Von Anfang an war die Entwicklung der Fahrgastzahlen in Bad Münder eine Erfolgsgeschichte. „Schon früh haben wir die Schallgrenze von 1000 im Monat durchbrochen, jetzt hat es sich bei 1400 bis 1700 eingependelt“, berichtet Jan Lababidi. Ein zweiter Bus ist mittlerweile angeschafft worden. „Falls der erste mal gewartet werden muss.“ Das ist mitunter häufiger der Fall, denn bei der Langsamfahrt durch die marode Bahnhofstraße wird der Achtsitzer ganz schön strapaziert. „Da fällt schon mal das Geld aus der Kasse und vielleicht manchem das Gebiss aus dem Mund“, scherzt ein Fahrgast angesichts des Schritttempos über die Schlaglochstrecke. „Zehnmal pro Tag, eine ganz schöne Belastung fürs Material.“

Dennoch lieben die Münderaner ihren Bürgerbus. „Erst heute habe ich zwei neue Fahrgäste gehabt, die das erste Mal mitgefahren sind und begeistert waren“, berichtet Pauksch. Auch Gemeindeschwester Gerda wird wie immer weiter zum Spaziergehen zur Ziegenbuche rauffahren. Natürlich mit „ihrem“ Bürgerbus.

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