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Der Himmelsfalter und sein Gefolge entpuppen sich als wunderbare Wesen

Exotische Falter am Steinhuder Meer: Hier fliegt das schöne, bunte Leben!

Von Jean LeGrand

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Steinhude. Da liegt er, der Kokon. Rührt kein Ohr am Koppe, wie der Niedersachse gemeinhin schnodderig dahinsagt, und wie sollte er das auch tun, wo er doch keine Ohren hat. Überhaupt erinnert ein Kokon an kein Lebewesen. Dunkelbraun, eingerollt, mit Äderchen. Ein Stumpen Zigarre sieht ähnlich aus. Aber der bewegt sich nicht…

Willkommen in einer exotischen Welt, der Welt der Schmetterlinge. Am Steinhuder Meer haben Sabine und Hilmar Lehmann ein Paradies geschaffen, das 365 Tage im Jahr zwischen 28 und 30 Grad Celsius warm ist. Die Luftfeuchte liegt bei 80 bis 90 Prozent, immer wieder fallen Tropfen von der Decke. Inmitten tropischer Pflanzen flattern farbenprächtige Falter durch die Lüfte, laben sich an Blüten oder trinken von dargebotenen Apfelsinenscheiben. Der Bananenfalter gehört zu jenen Exemplaren, die stundenlang seelenruhig dasitzen, Saft sanft saugen und sich gut beobachten lassen. Auch der Himmelsfalter nimmt sich Zeit, und das ist ja schon eine fantastische Seite dieser Geschöpfe. Sie sind nicht in Eile, obwohl sie teils nur wenige Tage leben, hier auf der Farm Am Knick 5 unweit der Ufer des Steinhuder Meeres genauso wie in freier Natur. Das ist das Schicksal vieler Falter. Aber von Hektik keine Spur.

Nein, in diesen bunten Dingern steckt nur und nur Lebensfreude drin. Wenn die Blauen Morphos (Südamerika), Japanischen Schwalbenschwänze (Ostasien) und Afrikanischen Danaide (Afrika) mit den vielen anderen Arten durch die feuchtwarme Luft gleiten, dann ist das ein unbekümmertes Dahinsausen durch Zeit und Raum, ein Spiel mit Wind und Aufwind, ein wohltuendes Flattern und Gleiten, fern aller Zweifel von Sein und Nichtsein. Mit Schmetterlingen verbinden die Menschen von jeher den Sommer, und den Sommer verbinden sie mit Leben.

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Im Weserbergland landen Zitronenfalter auf Sommerflieder, Tagpfauenaugen auf Schafgarbe, Distelfalter auf Edeldisteln, Kleiner und Großer Fuchs auf Sonnenhut. Aber nach dem harten, langen Winter sind viele Pflanzen, an denen sich die heimischen Schmetterlinge laben, zugrunde gegangen. Zum Beispiel sind in den Gärten die Schmetterlingsflieder zahlreich erfroren. Viele Schmetterlinge sind in diesem Jahr noch nicht gesichtet worden. Das wird sich noch entwickeln, ganz sicher, aber ein Ausflug in die tropische Welt der internationalen Falterszene kann ja trotzdem nicht schaden. Hier, wohlbeschützt im warmfeuchten Milieu der Schmetterlingsfarm, landen sogar Palmkönig (Südostasien) und Erzherzog (Südostasien) auf tropischen Pflanzen. Ein wirklich hochrangiges Treffen. Der Kaisermantel würde sich gut dazu gesellen, aber der ist im Weserbergland tatsächlich heimisch und benötigt die Farm nicht.

Draußen würden sie nicht überleben, die tropischen Schmetterlinge, aber hier drinnen in der Farm am Stein huder Meer ist es warm genug für sie. Bis zu 600 Arten können Besucher hautnah erleben. Berühren verboten; zu zerbrechlich sind die Flügel und Fühler der Schmetterlinge. Doch wer Glück hat, wird von ihnen als Landeplatz auserkoren. Innehalten lohnt sich also, still, still, und warten.

Öffnungszeiten täglich von 11 bis 18 Uhr

Ei, Raupe, Puppe, Falter: Das ist der Lebenszyklus aller Schmetterlinge. In der Schmetterlingsfarm am Steinhuder Meer flattern die ungewöhnlichsten Arten im (sub-)tropischen Milieu umher. Das Berühren ist zwar verboten, aber wenn, wie hier, die Weiße Baumnymphe (ihre Heimat ist Südostasien) auf der Fingerspitze landet, dann ist das völlig okay. Anke Steinemann hält still und staunt.

Fotos: ey

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