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Ex-Frau über den Asphalt geschleift: Nurretin B. will reden

BAD MÜNDER/HAMELN. Wenn sich am Montag die Türen des Landgerichts in Hannover öffnen, dürfte das Interesse an einer Verhandlung besonders groß sein: Nurretin B. wird auf der Anklagebank Platz nehmen. Der Eimbeckhäuser ist angeklagt wegen versuchten Mordes an Kader K.

Nurretin B. im November 2016, als er dem Haftrichter vorgeführt wird. Foto: Archiv
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Er soll seine Ex-Frau in Hameln am Abend des 20. November zuerst niedergestochen, ihr dann ein Seil um den Hals gelegt und sie, an seinem Auto festgebunden, durch Hameln geschleift haben. Kader K. überlebte nur knapp, schwebte lange in Lebensgefahr, zwei Notoperationen retteten ihr Leben.

Damals stellte sich Nurretin B. nach der Tat der Polizei mit den Worten „Ich war‘s“ und ließ sich verhaften. Auf Anfrage der NDZ erklärte sein Wahlverteidiger Matthias Waldraff nun: „Er wird vor Gericht nicht schweigen.“ Waldraff ist als Verteidiger in extremen Straftaten kein unbeschriebenes Blatt. „Ich hatte in meinen 35 Jahren schon einige vergleichbar extreme Fälle“, sagt Waldraff über seine Laufbahn als Anwalt. Beim Doppelmord von Karen Gaucke und ihrem Baby Clara im Jahr 2007 in Hannover trat er als Nebenkläger auf, als Verteidiger kämpfte er für Mechthild Bach, die 13 Krebspatienten mit einer Überdosis an Medikamenten getötet haben soll und im vergangenen Jahr betreute er Vanessa M., die von ihrem Ex-Freund mit Säure überschüttet worden war.

Die Verteidigung des Eimbeckhäusers habe er auf Bitten der Familie übernommen, erklärt Waldraff. „Ich kenne seine Schwester privat“, sagt er, „schon seit vielen Jahren.“ Bezogen auf die Straftat spricht Waldraff Klartext: „Das ist ein extremes, ein grauenvolles Geschehen“, sagt der Anwalt aus Hannover, „da muss man nichts beschönigen.“ Kader K. hatte neben Stichverletzungen und Schürfwunden auch eine lebensbedrohliche Hirnblutung erlitten, das Messer traf den Herzbeutel und die Milz, die Hamelnerin lag lange im Koma.

Über seine Verhandlungstaktik oder das erhoffte Urteil schweigt Waldraff sich aus: Er wolle weder der Verhandlung noch dem Urteil von Richter Wolfgang Rosenbusch vorgreifen. Neben Rosenbusch werden bei der Großen Strafkammer noch vier weitere Richter Nurretin B. gegenübersitzen. Sie gemeinsam werden über ihn urteilen. Drei von ihnen sind Berufsrichter, zwei Schöffen, also Laienrichter.

„Bei Mord ist die Strafe lebenslänglich“, erklärt Steffen Wolters, Sprecher des Landgerichts. Mord bedeutet nach deutschem Strafgesetzbuch die vorsätzliche Tötung aus niederen Beweggründen „heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken“.

Lebenslang bedeutet in Deutschland mindestens 15 Jahre Gefängnis. „Bei versuchtem Mord kann das Strafmaß abgemildert werden“, so Wolters, „dabei spielen die Umstände der Strafsache eine Rolle, Details bei der Verhandlung ebenso.“ Zu dem konkreten Fall wollte sich Wolters nicht äußern. Auf Bewährung kann Nurretin B. nicht hoffen: Sofern er für versuchten Mord an Kader K. verurteilt wird, muss er hinter Gitter.

Angesetzt sind für die Verhandlung drei Tage. Eine Verlängerung sei zwar nicht auszuschließen, so Wolters, allerdings: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass das in der Regel passt.“

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