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Steve Hackett rockt vor 800 Fans das Aegi

Ex Genesis-Gitarrist brilliert als Solist

Hannover. Es war eine relativ kurze, aber sehr intensive Zusammenarbeit, auf die Steve Hackett mit Genesis zurückblicken kann. In der Zeit von 1971 bis 1977 spielte der begnadete Gitarrist insgesamt sechs Alben mit der Band ein, wobei er „Selling England By The Pound“ zu seinem Lieblings-Longplayer mit der Gruppe bezeichnete. Bei den nachfolgenden Werken merkte man dem 65-Jährigen zunehmend eine gewisse Distanz zu den Genesis-Alben an – sicher ein Grund mehr, dass er zeitgleich 1975 mit dem Debütalbum „Voyage Of The Acolyte“ seine Solokarriere startete.

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„Ich hoffe sehr, dass wir eines Tages wieder als Band zusammenkommen. Leider hat Phil zurzeit körperliche Probleme – ohne ihn geht es aber nicht“, erklärte Hackett in einem Interview. Sollte der Brite dann wieder dabei sein, müsste er sich aber mehr oder weniger mit Hits wie „I Can’t Dance“, „Mama“, „Land Of Confusion“, „No Son Of Mine“ oder „Follow You, Follow Me“ anfreunden, denn den ganz großen internationalen Durchbruch schaffte Genesis erst nach dem Ausstieg des grandiosen Gitarristen.

Zurzeit befindet sich der gebürtige Londoner mit seinem aktuellen Longplayer „Wolflight“ auf großer Solotour. Seine nach wie vor große Verbundenheit zu den Genesis-Werken demonstriert er im zweiten Teil seiner Show, in der er ausschließlich Titel seiner ehemaligen Kollegen spielt.

Nach dem Opener „Corycian Fire“ aus dem neuen Album „Wolflight“, lässt Hackett mit „Spectral Mornings“ gleich ein achtminütiges Monumentalwerk aus seiner Solo-Anfangszeit auf das Publikum niederprasseln. Seine „Gibson Les Paul Goldtop“-Gitarre leistet dabei Schwerstarbeit – zu viel Gitarre, so die Meinung einiger Konzertbesucher. Wer sich jedoch im Vorfeld näher mit den Stücken des Ex-Genesis-Gitarristen beschäftigt hat, weiß, dass er bei Livekonzerten immer mit viel Inbrunst seine Sechs-Saiten-Gewitter auf das Publikum niedergehen lässt. Die Songs seines taufrischen Werkes haben einen düsteren Touch – „Sie bewegen sich aber von der Dunkelheit ins Licht“, so Hackett.

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  • Mit der „Gibson Les Paul“ im Einklang – Steve Hackett bei seinem bejubelten Auftritt im Aegi. Texte und Konzertfotos: Lars Andersen

Mit „Loving Sea“ wird es melodisch – das Stück wird vom starken Satzgesang und Hacketts 12-saitiger Gitarre geprägt. Bei „Icarus Ascending“ und „Star Of Sirius“ erklingt dann, wenn zunächst auch etwas dünn, auch erstmals die Stimme von Nad Sylvan, der im zweiten Set dann fast alle Genesis-Stücke performt. Der Schwede genießt sichtlich seine Mitarbeit in der Band, bewegt sich mit seiner langen lockigen Mähne wie eine Diva, die dabei etwas zu viel in den Eyeliner-Top gegriffen hat.

Mit „Get’em Out By Friday“ geht es in die zweite Runde, in der Steve Hackett mit einer wohldosierten Songauswahl an die legendären Genesis-Alben „Foxtrot“ (1972), „Selling England By The Pound“ (1973) und „The Lamb Lies Down on Broadway“ (1974) erinnert. Nach rund drei Stunden Spielzeit ist jeder auf seine Kosten gekommen – Genesis-Fans und gleichermaßen die, welche sich an den Solo-Werken Steve Hacketts erfreuen konnten.

Geben zusammen mit Steve Hackett den Ton an: Rob Townsend (links) und Roger King (Mitte).

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