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Junge als Symbolfigur für Integrationssport

ETSV: Lukas und die Punkte wieder da

Haste (tes). Es ist geschafft: Der neunjährige Lukas darf wieder spielen. Ab sofort und in seinem langjährigen F1-Team beim ETSV Haste. Und: "Alle Punkte werden der Mannschaft wieder gutgeschrieben", hat Karl Finke, Landesbehindertenbeauftragter und Präsident des Behindertenverbandes, mitgeteilt.

Die traurige Geschichte vom kleinen Torwart Lukas nimmt ein gutes Ende. Der Vorsitzende vom Fußballkreisverband Schaumburg, Marco Vankann, teilte gestern in einer Presseinformation mit: In Absprache mit dem Kreisvorstand habe er sich entschieden, Lukas Büschel eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Diese Entscheidung sei satzungsrechtlich abgesichert. Zu der seit Montag täglich über Presse und Rundfunk gelaufenen öffentlichen Diskussion nimmt er wie folgt Stellung: "Lukas vom Spielbetrieb aus der F1-Jugend auszuschließen war zunächst regelkonform. Der für die F-Jugend zuständige Staffelleiter Peter Krebs habe also nicht eigenmächtig gehandelt. "Über die Vorgehensweise gibt es unterschiedliche Meinungen. Fakt ist aber, dass Krebs sich bereits beim Trainer vom ETSV entschuldigt hat." Der Kreisfußballverband setze sich für die Integration behinderter Menschen in den normalen Alltag ein. "Dass es zum Ausschluss des Jungen gekommen ist, habe ich aber auch dem ETSV anzukreiden. Bis heute hat sich kein Verantwortlicher des Vereins, auch nicht Trainer Matthias Tatge, bei mir gemeldet." Der Trainer habe sich wissentlich über die Auflage, wonach Lukas nur in F2-Spielen eingesetzt werden darf, hinweggesetzt. In einem klärenden Gespräch vorab hätten die entstandenen Probleme vermieden werden können. Auf telefonische Anfrage freute sich Vankannüber die glückliche Wendung: "Bei mir steht das Menschliche im Vordergrund. Wir haben alles nochmal mit den Satzungen und Regeln verglichen und festgestellt: Es ist regelkonform, wenn wir Lukas weiterspielen lassen." Freude auch bei ETSV-Trainer Tatge: "Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell und unbürokratisch abläuft", so die Reaktion. Seine Mannschaft werde begeistert sein, ihren Torwart wiederzuhaben. Lukas Sorge, schuld an der Rückstufung seines Teams zu sein, löst sich in Luft auf: "Jetzt spielen wir wieder zweite Kreisklasse statt vierter", bestätigt Tatge. Lukas und der ETSV hätten "Symbolfunktion für den Integrationssport", kommentierte der Landesbehindertenbeauftragte die Bedeutung. "Seit der Zeitungsbericht erschienen ist, ging alles ruckzuck." Auch weil Nenndorfs Behindertenbeauftragte Thomas Broich sich sofort dahinter geklemmt habe. So habe sich der Direktor desNiedersächsischen Fußballverbands, Bastian Hellberg, selbst ehemaliger Profifußballer, ebenfalls für den schwerbehinderten Torwart eingesetzt. Hauptperson Lukas ist von der Nachricht und dem Medienrummelüberwältigt: "Cool, jetzt bin ich wieder da." Der Neunjährige freut sich auf das nächste Training mit seinem Team. Wie ein Profi setzte er sich sofort ehrgeizige Ziele: "Vielleicht schaffen wir jetzt den ersten Platz." Für seine Mutter war das gute Ende "eine tolle Überraschung". "Enorm, was für Lukas in Gang gesetzt wurde."

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