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Kanalschwimmen immer beliebter / Behörden warnen / Brückenspringen verboten

Es lockt das kühle Nass - doch im Kanal lauern zahlreiche Gefahren

Bückeburg (rc). Das Bergbad? "Ist uns zu voll und das Chlor im Wasser mögen wir auch nicht." Der Gevattersee? "Zuviel Müll am Strand und die Leute passen uns auch nicht unbedingt." Bleibt welche Alternative in Bückeburg, um bei den tropischen Temperaturen der vergangenen Tage die heiß ersehnte Abkühlung doch noch zu erhalten? Richtig: der Mittellandkanal. Hier tummeln sich im Bereich von Berenbusch bis hin nach Rusbend immer wieder vereinzelt Schwimmer, vor allem Jugendliche, die abseits der "normalen Wege" ihr Schwimmvergnügen suchen.

Eigentlich verboten: Baden an der Kaimauer.

Zugegeben, richtig sauber ist das Wasser nicht gerade. Vor allem nicht, wenn gerade einer der großen Lastkähne durchgefahren ist und in der Fahrrinne braunen Schlamm aufgewirbelt hat. "Könnte schon besser sein", meint einer aus dem Quintett, das unsere Zeitung beim Kanalvergnügen in Rusbend am Wendebecken angetroffen hat. Aber groß zu stören scheint es auch nicht. Mit Schwung geht es dieKaimauer hinunter in die Fluten. Sein Kumpan ist vorsichtiger. "Wer weiß, was da im Wasser ist", und steigt die Leiter hinab ins Wasser. Vereint schwimmen alle Fünf zur Mitte, als erneut einer der großen Lastkähne naht. "Das macht Spaß, wenn man den Sog spürt," haben sie erklärt, als sie noch in Reichweite waren. "Zu nah schwimmen wir natürlich nicht 'ran". Es ist ihnen bewusst, dass der Sog einer Schiffschraube so stark ist, dass selbst geübte Schwimmer keine Chance haben, dagegen anzukommen. Schwerste Verletzungen bis hin zum Tod können die Folge sein. Eindringlich warnen Wasserschutzpolizei und Wasserschifffahrtsamt daher auch davor, den Mittellandkanal als Schwimmbad zu missbrauchen. Viel zu gefährlich, da sich der Sog überhaupt nicht abschätzen lasse. Außerdem ist es auch verboten: in Bereichen bis zu 100 Metern ober- und unterhalb von Brücken, Wehren und Hafeneinfahrten sowie in Schleusenbereichen und an Kaimauern - wie der in Rusbend. Wer sich nicht dran hält und erwischt wird, muss mit einem Verwarngeld oder einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen. Und die Gefahr, erwischt zu werden, ist derzeit relativ hoch: Angesicht der Hitze und dem wachsenden Trend des Kanalschwimmens fährt die Wasserschutzpolizei vermehrt Streife. Wenn es schon unbedingtder Kanal sein müsse, sollten Schwimmer andere Stellen nutzen und beim Herannahen eines Schiffes unbedingt das Wasser verlassen, empfehlen die Behörden. Überhaupt keinen Spaß verstehen die Behörden auch beim so genannten Brückenspringen, dem zweiten Trend am Kanal in diesem Sommer. Besonders Jugendliche lieben es, sich aus über vier Meter Höhe ins Wasser fallen zu lassen. Dabei ist der Kanal gar nicht tief genug, so dass der Springer bis auf den Grund durchprallen kann - und sich schwere Verletzungen zuziehen kann. Weitere Verletzungsgefahren lauern unter Wasser, in Form von Treibgut. Prallt ein Springer darauf, können ebenfalls lebensgefährliche Verletzungen bis hin zum Tod entstehen. "Eine Plastiktüte etwa ist hart wie Beton," warnen die Behörden. Mehrere Tote haben die Behörden in verschiedenen Bundesländern in den vergangenen Tagen bereits gemeldet. So kam in Brandenburg ein 41-Jähriger bei einem Brückensprung ums Leben. Das Rusbender Quintett hält sich jedenfalls nach eigenem Bekunden an die Warnungen der Behörden. "Brückensprünge haben wir noch nie gemacht - und werden wir auch nicht machen. Das ist viel zu gefährlich", versichern sie.

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