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Susanne Gührs bringt Lieder und Gedichte im Museum Eulenburg zu Gehör

Es kommt beim Streiten darauf an, ob man siegen will oder gewinnen

Rinteln. Als ausgesprochen angemessene Umgebung für Kultur im intimen "Kammerspiel-Format" erwies sich einmal mehr das Foyer des Museums Eulenburg, wo Museumsleiter Dr. Stefan Meyer ein höchst erwartungsvolles Publikum zum Liederabend mit Susanne Gührs begrüßen konnte.

Autor:

Ulrich Reineking

Die auch als Malerin tätige Liedermacherin hatte sich durch die Hängung eigener bildnerischen Arbeiten einen ganz und gar persönlichen Rahmen für diesen Abend geschaffen und leitete ihn auch gleich mit einer charmanten Anmerkung zur eigenen Befindlichkeit ein: Nachdem ihr musikalischer Begleiter Achiom Windisch verhindert war, hatte sie eigentlich befürchtet, vor Aufregung besonders intensiv von Herpesbläschen gepeinigt zu werden, aber: "Ich konnte heute mal auf Bepanthen verzichten und statt dessen Lippenstift benutzen - das soll Frauen ja auch Sicherheit geben." Es muss wohl geholfen haben, denn souverän moderierte sie sich mit ihren Liedern und Gedichten durch den Abend. Wobei die Gedichte eigentlich zum Großteil eher Aphorismen waren. Mit sprachlicher Präzision auf den Punkt gebrachte Lebensweisheiten, die man sich gut auch als Kalender- oder Postkartensprüche zu speziellen Gelegenheiten vorstellen könnte. "Streiten kann ganz einfach sein oder auch sehr schwierig:. Es kommt darauf an, ob man nur siegen will oder gewinnen" , heißt es da in etwa oder auch "Bei jeder Witterung Verbitterung - das liegt nicht nur am Wetter". Und sicher fanden sich viele gerade der anwesenden Damen die Probleme der Mann-Frau-Kommunikation auch in dem Spruch wieder: "Du erzählst mir viel. Du fragst mich nichts. Vielleicht willst du nichts vonmir wissen..." Immer wieder den Beifall der ausgesprochen aufmerksamen Zuhörer forderten aber vor allem die selbst geschriebenen und komponierten Songs heraus, bei denen sich Frau Gührs selbst auf der Gitarre begleitete und dabei die Möglichkeiten ihrer einfühlsam-lebendigen Mädchenstimme ausgesprochen wirkungsvoll einsetzte. Im Song "Vogelfrei" ließ sie bildhaft den "Gedankenvogel von der Kette der Kontrollbedürftigkeit" und in der "Spinnenfrau" versetzte sie sich und das Publikum in sensibler Weise in die Gedankenwelt eines sexuell missbrauchten Kindes. Etwas zwiespältig das etwas klischee-behaftete Lied auf die "kleine Anna" als Versuch, die Nöte eines Straßenkindes nachvollziehbar zu machen. Hier fehlt es entschieden an der Präzision von Beobachtung und Ausdruck, die bei der "Spinnenfrau" so gelungen ist. Und so naheliegend es für eine bildende Künstlerin sein mag, sich auch in ihrem lyrischen Schaffen mit den Farben und ihren Botschaften auseinanderzusetzen, kann dies in ihren Liedern und Gedichten manchmal etwas stereotyp anklingen. Nur zu gern erfahren die Zuhörer die tröstliche Botschaft vom "Wunder, dass es dich wirklich gibt", schmunzeln verhalten und wissend über das "Bücherregal der (männlichen) Gefühle", das so erstaunlich ungelesen wirkt und in jedem Fall Sympathie und Mitgefühl weckend das Lied von der Frau, die "den Mann, der er war" auch dann noch liebt, wenn dieser längst als Pflegefall wieder zum Kind geworden ist. Beeindruckend auch das melancholische und dabei doch zugleich heitere Lied vom "Heimat-Wiedersehngefühl" und natürlich das sentimentale Abschiedslied "Still, ganz still", dem noch ein "Loblied auf die Freundschaft" nachgesetzt wird, das mit einiger Spottlust über Freundinnen herfällt, die sich mit ihrer Penetranz so unentbehrlich machen. Zum Schluss erfahren wir noch etwas über die "Physik der Liebe" und werden so mit warmen Gefühlen in die kalte Nacht entlassen, Wer jetzt bedauert, diesen gefühlsintensiven Abend verpasst zu haben, dem kann geholfen werden: Schon am kommenden Sonnabend stellt sich Susanne Gührs ab 16 Uhr mit einem einstündigen Programm bei freiem Eintritt nach der offiziellen Öffnungszeit im Modehaus Beckmann vor, wo dann im Rahmen der Kunstwochen von Pro Rinteln ihre Bilder ausgestellt sind.

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