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Der Tisch-Knigge: Was man darf und was man nicht darf / Auf Kleidung achten

Erst mit guten Manieren wird’s ein gelungener Abend

Das Weihnachtsessen sollte nicht zum Fast-Food-Treffen verkommen. Wer sich mit Freunden und Familien trifft, um einen wundervollen Abend zu verbringen, für den gilt dasselbe wie für das Essen: Man muss geschmackvoll sein, in jeder Beziehung. Das betrifft sowohl die Kleidung, bezieht sich aber auch aufs Benehmen. Ein paar Knigge-Regeln für einen gelungenen Auftritt:

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Die korrekte Einhaltung der Tischmanieren gelingt am besten dann, wenn man dabei berücksichtigt, dass gute Tischmanieren nicht ein Mittel der Selbstdarstellung sind, sondern den gemeinsamen Verzehr von Speisen für alle Beteiligten zu einem Vergnügen machen sollen, das nicht durch störende Geräusche oder unschöne Anblicke beeinträchtigt werden darf. Daher ist das Schmatzen und Rülpsen verpönt – ebenso das Schlürfen.

Dass mit vollem Mund nicht gesprochen wird, ist bekannt. Es empfiehlt sich daher, keine allzu großen Portionen in den Mund zu stopfen, um auf eine Frage ohne Verzögerung antworten zu können.

Die Körperhaltung sollte aufrecht und gerade sein, und die Speisen zum Mund und nicht der Mund zu Teller geführt werden.

Beide Hände (anders als in angelsächsischen und skandinavischen Ländern, wo die Linke auf dem Schoss liegt) gehören auf den Tisch – bis zum Handgelenk, nicht etwa bis zum Ellenbogen.

Das Besteck wird nicht umkrallt wie ein schweres Werkzeug, sondern am unteren Ende des Griffes umfasst. Geräusche, die bei der Berührung von Metall mit Porzellan entstehen könnten, sollten vermieden werden. Benutzt man das Besteck nicht, wird es auf dem Teller gekreuzt, wobei der Gabelrücken nach oben zeigt, was signalisiert, dass man mit dem Essen noch nicht fertig ist. Die Beendigung wird dadurch angezeigt, dass man das Besteck parallel legt; der Gabelrücken weist nun nach unten und das Messer wird mit der Schneide zu Gabel diagonal auf dem Teller ablegt.

Mit den Händen werden nur noch sehr wenige Speisen gegessen, auf die unter Schwierige Speisen eingegangen wird. Hühnerbeine gehören nicht dazu. Im Zweifel wird man sich auf dem Tisch umsehen, ob dort Fingerschalen mit warmem Wasser und einem Stück Zitrone befinden, was darauf hinweist, dass ein „Fingergericht“ angeboten wird.

Die Serviette ist ein Mundtuch, kein Taschentuch, kein Brillentuch, kein Wischtuch. Sie wird also nur benutzt, um die Lippen abzutupfen, bevor man zum Weinglas greift, um an dessen Rand keine Fett- oder Essensreste zu hinterlassen. Sie wird auf den Schoss gelegt, sobald man Platz genommen hat, nicht etwa in den Hemdkragen oder die Knopfleiste des Hemdes gesteckt.

Nach Beendigung des Essens wird die Serviette (auch wenn es sich um eine Papierserviette handelt) nicht zerknüllt auf den letzten Teller geworfen, sondern lose links neben dem Teller abgelegt. Sie sollte dabei eine möglichst sauber gebliebene Seite aufweisen.

Die Weingläser werden am Stiel angefasst, um den Inhalt nicht unnötig zu erwärmen und weil, wenn man auf die Sitte des Anstoßens nicht verzichten will, sich so ein angenehmer Klang ergibt. Als Faustregel für die Auswahl des Weines mag gelten, dass zu hellem Fleisch und Fisch Weißwein, zu dunklem Fleisch und Wild Rotwein getrunken wird, jedoch ist diese Regel nicht unumstößlich und letztlich sollte jeder den Wein trinken, der ihm zusagt.

Brot jeglicher Art wird unter gar keinen Umständen geschnitten, sondern mit den Händen in mundgerechte Stücke gebrochen und zwar immer einzeln und nicht auf Vorrat. Das Messer dient ausschließlich dem Zwecke, das Brotstück mit dem dafür vorgesehenen Belag (Butter, Käse) zu versehen. Brot ist ein zwar bescheidener, aber eben doch Bestandteil der Speisen und daher nicht dafür vorgesehen, mit ihm zu spielen oder gar Kügelchen daraus zu formen.

Mit dem Essen darf erst begonnen werden, wenn die Hausfrau selbst damit begonnen hat, die ihrerseits erst damit beginnt, wenn alle Gäste versorgt sind. In größeren Runden (ab zehn Personen) kann es allerdings sein, dass das Essen desjenigen, der es zuerst bekommt, bis zum letzten servierten Essen halb erkaltet. Das ist Schicksal. Andererseits kann hier von der „Etikette“ abgewichen werden – natürlich nur in Absprache mit den weiteren Gästen.

Die Kleidung für das Weihnachtsessen richtet sich sowohl nach dem Anlass als auch nach der Location. Geht man mit Kollegen nach der Arbeit in eine „einfache“ Bar, sind Abendkleid, Schlips und Kragen eher hinderlich, weil: overdressed. In einem edleren Restaurant sieht das schon anders aus. Hier empfiehlt es sich vielleicht sogar, vorher eine Absprache zu treffen. Andererseits versteht es sich von selbst, dass ein gepflegtes Äußeres zum Gelingen eines schönen Abends beiträgt. Ein „Straßenlook“ – ähnlich wie es viele Menschen heute tatsächlich auch im Theater tragen, was ebenso unpassend erscheint – ist nicht ratsam. Der Grund: Ein gutes Weihnachtsessen mit einem Besuch in einem angesehenen Gasthaus wird insbesondere auch durch die Kleidung der Gäste getragen. Wie heißt es doch so schön: „Kleider machen Leute.“

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