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260 000 Euro offen - und abgewimmelt

"Erlebniswelt": Stelen-Erbauer wartet auf Geld

Landkreis (ur). Dass Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmen auch bei öffentlich finanzierten bei Großprojekten über die schlechte Zahlungsmoral ihrer Auftraggeber klagen, ist in der aktuellen Wirtschaftslandschaft nichts Ungewöhnliches. Außergewöhnlich aber ist es schon, wie der Unternehmer Heinz Jaeger aus dem nordrhein-westfälischen Heinsberg dieser Tage seine Ansprüche gegenüber der "Erlebniswelt Renaissance" (EWR) anmeldet - und dabei auch kräftig auf den Aufsichtsrat der EWR-GmbH und damit auf Landräte von Hameln-Pyrmont und Schaumburg eindrischt, denen er mangelhafte Gewissenhaftigkeit bei der Ausübung ihrer Kontrollfunktion vorwirft.

Wie einst Martin Luther seine Thesen, so pappte Jaeger jetzt an die EWR-Stelen in Rinteln und an verschiedenen Stellen unweit von Martinikirche und Mausoleum in Stadthagen offene Briefe, in denen er kundgab, trotz der vielen Millionen, die in das Projekt Erlebniswelt geflossen seien, bislang kein Geld erhalten zu haben und damit auf einem Schaden von rund 260 000 Euro zu sitzen. Der Hintergrund: Der mittelgroße Betrieb, der etwa 70 Kilometer von Köln angesiedelt ist, hatte von dem dortigen Unternehmen MAK , vertreten durch den Designer Michael Smit, den Auftrag erhalten, nach dessen Vorgaben beleuchtete stählerne Stelen für die EWR anzufertigen, dazu auch noch Lampen für die Stadthäger Kirchenräume sowie Plexiglaswürfel, Träger und andere Elemente - auch für das "Hochzeitshaus" als Projektzentrum in Hameln und für das Schloss Bückeburg. Der EWR-Partner MAK aber steht inzwischen unter Konkursverwaltung - und es wird nicht damit gerechnet, dass in diesem Verfahren die ausstehenden Forderungen der Handwerker und Lieferanten halbwegs befriedigt werden. Der geschädigte Betriebsinhaber Jaeger wandte sich deshalb an den Hamelner Landrat Rüdiger Butte als Vorsitzenden des EWR-Aufsichtsrates, wurde von dem aber nach seiner Aussage lediglich mit der Vorhaltung konfrontiert, er habe als Geschäftsmann gegenüber der inzwischen platten MAK "etwas zu blauäugig gehandelt". Ein Satz, der Jaeger besonders verärgert: "Als Aufsichtsrat muss ich doch auch mal ein Auge auf den Generalunternehmer werfen - sonst haben Handwerker und Lieferanten doch unter den heutigen Verhältnissen am Markt überhaupt keine Chance mehr, an ihr Geld zu kommen." Zu einer Stellungnahme zu diesen Vorwürfen war der Hamelner Landrat allerdings wegen der gestrigen Kreistagssitzung in Hameln-Pyrmont nicht zu erreichen. Zu erreichen aber war EWR-Geschäftsführer Thomas Gersmeier, der zum öffentlichen Vorgehen von Jaeger schroff erklärt: "Unsere Anwälte haben wir in dieser Sache schon in Marsch gesetzt. Wir lassen nicht zu, dass man die EWR damit in Zusammenhang bringt." Wenn Jaeger noch Forderungen habe, solle er sich an den Konkursverwalter wenden, denn für die Aufträge sei einzig die MAK sein Vertagspartner gewesen: "Und wo wir danach im Rahmen der Nachbesserung noch Restarbeiten vergeben haben, ist alles bezahlt worden!"

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