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Professoren stellen am Ernestinum neue Lehrkonzepte für Naturwissenschaften vor

Endlich "Ötzi" im Chemieunterricht - als Konsequenz aus der Pisa-Studie

Rinteln (cok). Ungewohnter Besuch im Gymnasium Ernestinum: Zwei Professorinnen und ein Professor haben jetzt Projekte vorgestellt, mit denen der naturwissenschaftliche Unterricht an Deutschlands Schulen neuen Schwung erhalten soll. Innerhalb dieser Projekte werden Unterrichtsmodelle entwickelt, die einzelne Fachthemen verstärkt mit der Schüler-Lebenswelt verbinden.

Lebendige Biologie: Dr. Corinna Hoessle präsentiert am Ernestinu

Fachlehrer vom Ernestinum und aus benachbarten Schulen waren bei den Vorträgen von Dr. Ilka Parchmann (Chemie), Dr. Michael Komorek (Physik) und Dr. Corinna Hoessle (Biologie), alle Dozenten an der Universität Oldenburg, zu Gast, weniger, um sofort ihren bisherigen Unterricht aus den Angeln zu heben, als um einen Einblick zu bekommen, was das "Bundesministerium für Bildung und Forschung" an Universitäten und Schulen geplant hat, um das durch die Pisa-Studien belegte schlechte Abschneiden der Schüler in den Naturwissenschaften zu verbessern. Sie erfuhren, dass bundesweit Arbeitsgruppen aus Lehrern und Dozenten eingesetzt sind, die ein nicht ganz einfach zu erreichendes Ziel vor Augen haben: Auf der einen Seite entwerfen die Arbeitsgruppen "Kontexte" für das Fachwissen in den jeweiligen Fächern, spannende Themen, wie zum Beispiel "Nano-Technologie im Alltag", "Ötzi"-Forschung oder die Frage, ob Sportler sich dopen dürfen. "Die methodische Monokultur soll durch eine lebendige ,Lehr-Lern-Kultur' abgelöst werden", so Dr. Ilka Parchmann. Schon jetzt zeigen Untersuchungsergebnisse im Fach Chemie, dass die Schüler deutlich mehr Motivation und Lernfreude entwickeln. Andererseits müssen aber auch die jeweiligen Bildungsstandards erfüllt, die Schüler zügig auf die einheitlichen Prüfungsanforderungen vorbereitet werden. Je intensiver man solche "sinnstiftenden" Kontexte heranzieht, desto mehr lenken sie vom geradlinigen Erwerb des Basiswissens ab. Was die konkreten Lernerfolge rund um das abfragbare Basiswissen betrifft, so konnten in den Unterrichtsversuchen vor Ort bisher, so Parchmann, noch keine messbaren Unterschiede festgestellt werden. Auch fällt es vielen Schülern nicht leicht, die für diesen neuen Unterrichtsstil geforderte Eigenständigkeit aufzubringen. So stand auch in den anschließenden Diskussion zwischen Professoren und Lehrern schnell fest, dass eine erfolgreiche Umsetzung des "Kontext"-Modells einen ständigen Austausch zwischen Schule, Universität und Ministerium braucht, dergestalt, dass nicht nur der Unterricht sich verändert, sondern auch die dazugehörigen Lehrpläne. Genau das zu erreichen, sähen sie als ihre spezielle Verantwortung an, bestätigte Physiker Michael Komorek. Schulleiter Reinhold Lüthen, der die Wissenschaftler eingeladen hatte, betonte: "Ein anregender Unterricht, der den Schülern zeigt, wofür sie naturwissenschaftliches Wissen brauchen, muss mit den Anforderungen der Lehrpläne vereinbar gemacht werden. Das ist die große Aufgabe der nächsten Jahre!" Ohne eine Entrümpelung alter Lehrpläne käme man nicht weiter. Das Kollegium sei sehr interessiert an kontextorientierten Unterrichtsmodellen. "Im Grunde machen wir das bereits: Wenn die Schüler im Keller der Schule Apfelsaft pressen und dann analysieren, entspricht das genau dem neuen Konzept."

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