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Vor Gericht: Selbstjustiz ausÄrger über freches Benehmen / Freiheitsstrafe mit Bewährung für 41-jährigen Rodenberger

"Einsamer Rächer" geht auf jugendliche Flegel los

Rodenberg/Bückeburg (ly). Für die Nachbarn mag er ein Held sein, für die Justiz ist er bloß ein Straftäter: Gleich mit einer Handvoll junger Burschen, die offenbar Ärger wollten, hat ein Rodenberger sich angelegt. Dabei ist der Handwerker allerdings weit übers Ziel hinaus geschossen, was sich zum Beispiel in einem gebrochenen Nasenbein ausdrückt. Ein klar Fall von Selbstjustiz. Wegen Körperverletzung hat das Bückeburger Landgericht den 41-Jährigen jetzt in einem Berufungsverfahren zu zehn Monaten Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt. Zu den Auflagen gehören 150 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Maßlos hatte sich der Rodenberger im April 2005 auf einem Spaziergang über eine Gruppe Jugendlicher geärgert, die am Kirchdamm eine Bank belegten. "Sie saßen auf der Lehne und hatten die Füße auf der Sitzfläche", empört er sich bis heute. Und dann machten die Flegel auch noch Sprüche über seine Begleiterinnen. Da reichte es dem Rodenberger: Er stieß zwei junge Männer mit den Köpfen zusammen. Vorausgegangen waren gegenseitige Beschimpfungen. Doch dies war nur der Auftakt. Kurze Zeit später fand sich ein Teil der Gruppe vor dem Haus des Rodenbergers ein, bewaffnet mit Knüppeln. Einen Kampf gegen Erwachsene hielten die Jugendlichen dann jedoch für unklug. Sie suchten lieber das Weite. Zusammen mit einem Nachbarn nahm der Rodenberger die Verfolgung auf und konnte einen 17-Jährigen stellen, den er in den Polizeigriff nahm, um "dem Bengel eine Backpfeife zu geben". Daraus wurde wohl mehr, denn das Nasenbein ging zu Bruch. Zum Abschluss gab es noch einen Tritt in den Hintern. "Seidem ist Ruhe", meint Friedrich von Oertzen, Vorsitzender der Berufungskammer. Trotzdem: "Wir wollen hier keine Gewalt'", so der Präsident des Landgerichts weiter. "Als Bürger hat man vielleicht Verständnis, als Richter nicht." Selbstjustiz bedeute eine erhebliche Gefahr für die Bevölkerung, weil sie sich steigere, betonte Staatsanwalt Malte Rabe von Kühlewein. Gewaltausübung sei allein Recht des Staates. Das sieht Verteidiger Andreas Michael Krayl zumindest in diesem Fall etwas anders: "Mein Mandant hatte den Mut, gegen eine Gruppe einzutreten und Grenzen aufzuzeigen. Andere Erwachsene weichen vor Unrecht - er nicht." Wiederholt seien zuvor kleinere Schulkinder undältere Leute belästigt worden. "Bei allem Wohlwollen" sieht Richter von Oertzen in dem 17-Jährigen "kein trauriges Opfer, denn er ist frech wie Gossendreck." Nicht nur das: Auf das Konto des jungen Kriminellen gehen mehrere Vorstrafen, unter anderem wegen Raubes und räuberischer Erpressung. Vielleicht sieht sich der Rodenberger, der zwischenzeitlich umgezogen ist, als eine Art Rächer. Jedenfalls ist er schon einmal durch einen ähnlichen Fall von Selbstjustiz aufgefallen. Vor fünf Jahren war er mit Ohrfeigen und Kopfstößen auf einen Mann losgegangen, weil dieser in Sichtweite einer Frau an einen Baum uriniert hatte. In seinem Schlusswort sagte der Angeklagte: "Ich binnun mal ein Südländer."

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