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Umzug nach Stadthagen im Gespräch / Finanzierung ungeklärt

Einkaufszentrum verdrängt die Dampfeisenbahn

Rinteln (wm). Mit einem voll besetzten Zug auf der Fahrt nach und von Stadthagen und großem Publikumsandrang feierten am Sonntag die Dampfeisenbahn und die Rintelner Ackerbürger ihr Bahnsteigfest am Rintelner Bahnhof. Es könnte das letzte Fest dieser Art gewesen sein, denn wo die Dampfeisenbahn Weserbergland nach 33 Jahren künftig ihren Standort haben wird, ist ungewiss.

Zurzeit liefen nach wie vor die Verhandlungen, schilderte der stellvertretende Vorsitzende und Pressesprecher des Vereins, Hans-Jürgen Wolff, die Situation. Und die ist kompliziert: In Stadthagen sei der Dampfeisenbahn ein Gelände am Bahnhof angeboten worden. Dieses Gelände sei zwar groß genug für den Wagenpark des Vereins mit zwei Loks und zwölf Waggons, doch völlig verwahrlost. Dort müsste eine Menge investiert werden, unter anderem der Lokschuppen verlängert und Gleise ersetzt. Außerdem sei man sich noch über den Kaufpreis uneinig. Anders in Rinteln: Hier habe der Verein die Option, das zurzeit noch gepachtete Bahngelände für einen vertretbaren Preis zu kaufen, doch dann käme man dem Investor ins Gehege, der hier ein neues Einkaufszentrum aufbauen will. Ein Projekt, das allerdings nach seinen Informationen ohnehin nicht mehr in diesem Jahr verwirklicht werde, so Wolff. Würden am Bahnhofsweg wie geplant die neuen Läden eröffnet, bleibe nicht mehr genügend Gelände für die Dampfeisenbahn übrig. Der Geräteschuppen würde abgerissen, zudem die Ladestraße und ein Gleis. Dann sei kein Platz mehr für zwölf Waggons, keine Abstellmöglichkeit und umsetzen könne man die Lok auch nicht mehr. Stadthagen wie Rinteln und der Landkreis seienüber die Situation informiert, doch "wir wissen zurzeit auch nicht, wie es weitergeht, da ist nichts in trockenen Tüchern". Auch die jüngsten Gespräche in der letzten Woche hätten kein Ergebnis gebracht. Zumindest die Gleisanlagen, schilderte Wolff, würden in den nächsten zwei Jahren keine Probleme erwarten lassen und seien betriebsbereit. Im Juni dieses Jahres war nach 107 Jahren eigenständigem Bahnbetrieb der letzte Güterzug der Rinteln-Stadthagener Verkehrsbetriebe auf den Gleisen unterwegs gewesen. Dem Verein habe man auch die Übernahme der Gleisanlagen angeboten, aber das könne der mit seinen hundert Mitgliedern auf keinen Fall bewältigen, so Wolff. Das sei allein mit Blick auf die Unterhaltung des Bahnübergangs an der Bundesstraße bei Stadthagen wie des Viaduktes völlig utopisch. Und dass die Strecke eines Tages doch noch für den Personenverkehr aktiviert wird, hält Wolff für einen "schönen Traum", aber wenig realistisch. Wolff würde es bedauern, wenn die Dampfeisenbahn Rinteln tatsächlich verlassen müsste und nach Stadthagen umziehen würde, denn dann gebe man auch viele gewachsene Beziehungen bis Hameln auf. Auf der anderen Seite böte Stadthagen die Chance, sich in den Großraum Hannover zu orientieren. Besucher des Festes sagten am Sonntag spontan, ein Wegzug der Dampfeisenbahn wäre ein großer Verlust. Denn die Attraktivität des Weserberglandes mache das Puzzle der Angebote aus - mit der Draisine, dem Weserradweg, der Schillathöhle und dem Schifffahrtsangebot auf der Weser. Die Dampfeisenbahn sei hierfür ein wichtiger Baustein. Für den Tourismus, betonte auch Wolff, sei die Dampfeisenbahn nach wie vor ein Faktor. Alle Nostalgieeisenbahnen könnten sich auf ein treues Stammpublikum stützen.

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