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Leinwände, Putzlappen und edle Stoffe – der Mix macht es bei Claude Sikoras neuem Taschenlabel

Einfach anders: „Greta und das Rotkäppchen“

Hameln (doro). Draußen wird es langsam wärmer, drinnen ist das Wetter egal. An der Maschine näht Claude Sikora bunte Putzlappen und Frotteehandtücher zu einem kleinen Täschchen zusammen. „Die haben eine super Haptik und tolle Farben“, sagt sie. Der riesige Tisch in ihrem Atelier ist auf der einen Seite übersät mit bunten Stoffen, Schnittmustern, Vorlagen. Auf der anderen Seite liegen fertige Exemplare. Nur eine Stunde braucht sie mittlerweile für die kleine Variante ihrer neuen Leidenschaft: Taschen.

Hasen in Giraffe-, Tischdecken- oder Leinwand-Design gibt es auc

Von Dorothee Balzereit

Hameln. Draußen wird es langsam wärmer, drinnen ist das Wetter egal. An der Maschine näht Claude Sikora bunte Putzlappen und Frotteehandtücher zu einem kleinen Täschchen zusammen. „Die haben eine super Haptik und tolle Farben“, sagt sie. Der riesige Tisch in ihrem Atelier ist auf der einen Seite übersät mit bunten Stoffen, Schnittmustern, Vorlagen. Auf der anderen Seite liegen fertige Exemplare. Nur eine Stunde braucht sie mittlerweile für die kleine Variante ihrer neuen Leidenschaft: Taschen.

Taschen in jeder Form und in jeder Farbe. In allen Ecken des Raums. Zum Umhängen und zum Einkaufen, für Stifte, Schminksachen – was auch immer. Der oder wahrscheinlicher: Diejenige, die die Tasche mal tragen wird, ist mit großer Sicherheit Individualistin, hat eine Vorliebe für außergewöhnliches Design und legt Wert auf Handarbeit. Bisher sind das in erster Linie Freunde und Bekannte, aber die Nachfrage steigt. Und weil immer mehr Leute fragen „Wo kann man die denn kaufen?“, hat Claude Sikora ihr eigenes Label gegründet. „Greta und das Rotkäppchen“ heißt die Marke der Hamelner Künstlerin, die sich in der Kulturszene vor allem durch großformatige Kunst einen Namen gemacht hat.

Angefangen hat alles im letzten Herbst beim Einkaufen. In einem Markt, in dem es praktische Stofftaschen statt Tüten gibt. Praktisch, aber langweilig. Die erste Tasche, die Claude Sikora als Gegenentwurf näht, ist für den Eigenbedarf. Einfaches Schnittmuster und ein poppiger rot-weiß gemusterter Stoff. Dann fängt sie an zu experimentieren, sucht in ihrem riesigen Fundus nach Materialien. Claude ist leidenschaftliche Sammlerin, das wissen auch ihre Freunde. Ganz besonders freut sie sich über eine 10-Meter-Stoffrolle mit wildem Blumenmuster – original aus den 70ern. Gefunden auf dem Dachboden der Mutter einer Freundin. Manchmal zieht es die Designerin auf der Suche nach Material auch in den DRK-Shop: „Dort gibt es ganz tolle alte Tischdecken.“ Wichtig ist für Claude, dass das Material ein wenig retro ist. Für ein besonders gelungenes Retro-Design gebe sie auch schon mal Geld aus. So wie neulich in Hamburg für das Wachstuch mit Arbeiter-Symbol. Aber normalerweise recycelt sie lieber aus Restbeständen, kombiniert in einem Objekt verschiedene Materialien. Der Mix ist wichtig. „Immer gut machen sich Jeans-Elemente in den Objekten“, sagt sie. Dass die kreative Materialsuche nicht immer funktioniert, sei auch normal: Ihren Versuch, fünf Plastiktüten ineinander zu bügeln, um so ein neues Taschenmaterial zu kreieren, stuft die Hamelnerin als nicht erfolgreich ein. Ein spezielles Design haben die Taschen, in denen sie ihre Kunst verarbeitet. Bemalte Leinwände werden dafür zerstückelt und in die Taschen eingearbeitet. Andere Bilder werden eingescannt, auf einer speziellen T-Shirt-Folie ausgedruckt und ebenfalls verarbeitet. „So bekommen die Bilder einen neuen Sinn“, sagt die Künstlerin. Manchmal sei es schwer, den Leuten Kunst zu vermitteln, „warum Kunst also nicht in einem anderen Zusammenhang weiter geben?“, fragt sie. So wie Claude Sikora zwischen und Design und Kunst hin und her pendelt, so tun es auch ihre Objekte. In den großformatigen Bildern, die überall hängen und stehen, sind oftmals Materialien wie Stoffe oder Schnittmuster collageartig verarbeitet, die Stofftaschen sind dagegen Projektionsflächen für ihre Kunst. Echte Sammlerstücke, fast zu schade zum Tragen, aber genau dafür gemacht.

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Ein Faible für Stoffe und andere Materialien hatte Claude Sikora schon immer. Das habe sie wohl von der Großmutter geerbt, sagt sie. Die war Schneiderin und hat sich alles selbst genäht und für ihre Enkelin Dirndl in allen Variationen. „Die Leidenschaft, selber zu nähen, hat sich bei mir trotzdem durchgesetzt“, sagt Claude und rollt die Augen. Die Näh-Lust mündete schließlich im Modedesign-Studium. Aber Hosen und Röcke zu entwerfen, hat Claude Sikora nie so viel Spaß gemacht wie derzeit die Taschen. Bei denen ändere sich zwar auch mal der Boden von rund in oval oder eckig, aber letztlich sei die Form nicht so wichtig wie bei einem Kleidungsstück, und so bleibe mehr Raum für Kunst und Experimente mit Materialien.

Davor, dass ihr die Ideen ausgehen, hat Claude keine Angst, im Gegenteil. Und wenn sie doch mal eine Anregung braucht, geht sie online und tauscht sich mit anderen Designerinnen unter gretaunddasrotkaeppchen.blogspot.com aus. Wer mehr über die tragbaren Unikate wissen möchte, kann Claude Sikora dort kontaktieren oder unter clodnex@yahoo.de erreichen. Und wer schon genug Taschen hat (welche Frau hat je genug Taschen?), aber trotzdem nicht auf das außergewöhnliche Design verzichten will, kann für Ostern 2011 vorsorgen: Bei Claude Sikora gibt es auch Stoffhasen aus Jeans und zerschnittenen Leinwandresten.

Weitere Fotos unter wesio.de/user/ClaudeSikora.

Wichtig sind bei dem bunten Stilmix für die Taschen ungewöhnliche Materialien: Fündig wird Sammlerin Claude Sikora dabei nicht nur in ihrem Atelier zwischen Stoffen und Leinwänden, sondern auch im DRK-Shop: „Dort gibt es tolle Tischdecken.“

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