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CDU-Fraktionschef: Kandidaturpläne mit Verbleib im Amt nicht vereinbar / Andere zeigen Verständnis

Einecke fordert Nieber zum Rücktritt auf

Bad Münder. CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Einecke hat den sofortigen Rücktritt von Bürgermeisterin Silvia Nieber (SPD) gefordert. Deren Pläne, am 11. September für den Chefposten im Stader Rathaus zu kandidieren, seien mit einem Verbleib im Amt bis zur Entscheidung nicht vereinbar.

Autor:

Marc Fügmann

Völlig inakzeptabel findet Einecke die Absicht Niebers, im Fall einer Niederlage in Stade ihre Arbeit in der Kurstadt fortsetzen zu wollen. „Damit täte sie sich selbst keinen Gefallen. Sie wäre nicht mehr glaubwürdig“. Bad Münder könne sich zudem weder eine Bürgermeisterin auf Abruf leisten, „noch sind wir ein Versorgungsverein“.

Die Stadt brauche dringender denn je jemanden, der sich ihr verbunden fühlt und fest zu ihr steht, mahnt Einecke. Nieber dagegen wolle sich „aus dem Staub machen und hinterlässt verbrannte Erde“.

Dass die 50-Jährige nach Höherem strebe, sei grundsätzlich deren gutes Recht, gesteht Einecke zu. Er habe aber kein Verständnis für den angestrebten Berufswechsel zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Denn Bad Münder stehe vor vielen ungelösten Problemen, sagt Einecke und verweist unter anderem auf die Verhandlungen über einen Zukunftsvertrag und die anstehende Neuordnung der kommunalen Energieversorgung.

Mit seiner Rücktrittsforderung steht Einecke bislang jedoch recht isoliert dar. Vertreter anderer Parteien zeigen durchaus Verständnis für den Entschluss Niebers, sich um das Bürgermeisteramt in Stade zu bewerben.

Mehr noch: Dass sie aus einer deutlich größeren Stadt ein solches Angebot erhalten habe, sei eine Anerkennung ihrer in Bad Münder geleisteten Arbeit, sind sich SPD-Stadtverbandsvorsitzender Heinrich Söfjer und Fraktionsboss Rolf Wittich einig. „So schlecht kann unsere Politik hier also nicht gewesen sen“, meint Wittich – nicht ohne den Hinweis, „dass der Erfolg mehrere Väter hat“.

Er habe keinen Zweifel, dass Nieber in den kommenden Monaten weiterhin ihre ganze Kraft zum Wohle Bad Münders einsetzen werde, sagt Söfjer. Dies gelte auch für den Fall, dass die Bürgermeisterin in Stade nicht das Rennen macht und ihre reguläre Amtszeit zuende bringt.

„Wir wünschen ihr alles Gute und viel Erfolg“, sagt Grünen-Fraktionssprecher Gerhard Fiedler. Selbst wenn Nieber in Stade eine Niederlage einstecken müsse, wäre dies keine Schande.

Auch ProBürger-Chef Helmuth Mönkeberg glaubt, „dass die Bürgermeisterin eine Chance bekommt, die sie nutzen muss“. Für Bad Münder werde es aber schwer werden, wenn die Verwaltungschefin mit einem Bein schon in Stade sei. „Wir haben hier zu viele Baustellen, da bleibt zwangsläufig etwas auf der Strecke“, ist Mönkeberg überzeugt.

Wer soll Nieber in Bad Münder beerben? Diese Frage ist derzeit offiziell noch in keiner Partei ein Thema. „Es gibt keinen Grund, in Hektik zu verfallen“, warnt SPD-Chef Söfjer. Hinter den Kulissen glühen allerdings schon die Telefonleitungen. Erste Namen werden gehandelt. Und erste potenzielle Kandidaten winken ab: „Ich selbst schließe eine Kandidatur aus“, erklärt Söfjer. Für Wittich „drängen sich nicht all zu viele Bewerber in den eigenen Reihen auf“. Wie Söfjer, hält er eine externe Lösung für ebenfalls denkbar.

Heute Abend soll Nieber in Stade als Bürgermeisterkandidatin vorgestellt werden.

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