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Alison Moyet begeistert im Theater am Aegi / Tolles Konzert, aber nur 500 Konzertbesucher

Eine Stimme, die an Ausdruckskraft und Leidenschaft noch nichts verloren hat

Es ist für eine Künstlerin nicht immer einfach, den Sound von gestern ins Heute zu transportieren – Alison Moyet ist es jedenfalls auf ihrer „The Minutes“-Tour 2013 mehr oder weniger perfekt gelungen. Ihre ausdrucksstarke und unverwechselbare Stimme, die zudem über eine außerordentliche musikalische Bandbreite verfügt, bescherte ihr, zusammen mit Vince Clarke, unter dem Namen Yazoo, eine Weltkarriere in den frühen Achtzigern.

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Ihre Solokarriere startete sie 1984 mit dem Album „Alf“, das ihre größten Erfolge „Invisible“, „For You Only“ und „All Cried Out“ beinhaltete – nach drei weiteren Top-30-Erfolgen wurde es eher ruhig um die begnadete Sängerin.

Nach sechs Jahren präsentiert die 52-Jährige mit „The Minutes“ ihr achtes Studioalbum. Viele sprechen von einer „musikalischen Auferstehung“, einige vom „lässig-stylistischen Comeback“ – mag sein, doch an ihre alten Erfolge konnte die Britin auch mit diesem Longplayer nicht annähernd anknüpfen. Sicher ein Grund dafür, dass leider nur 500 Fans zum Konzert der Electropop-Ikone pilgerten.

Eingerahmt von zwei Keyboards, sorgen die beiden Tastendrücker für die nötige musikalische Unterstützung – das Schlagzeug kommt aus dem Computer – wenig einfallsreich, aber äußerst effektiv.

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„Horizon Flame“ flackert auf und bringt das Publikum in eine gut zweistündige Show, die überwiegend mit Yazoo-Klassikern und Material aus dem aktuellen Album von Alison Moyet gespickt ist. Gleich zu Beginn „Nobody’s Diary“, ein Yazoo-Song, der das erste Mal den Geräuschpegel im sichtlich überschaubaren Theater am Aegi ansteigen lässt.

„Ich war an einem verregneten Nachmittag in Amsterdam im Kino, wollte mich einfach nur entspannen, landete aber in Terrence Malicks „The Tree of Life“ mit Brad Pitt. Aus dieser Begebenheit entstand der Song „Filigree“, den ich nun für euch singen werde“, erklärt Moyet, bevor sie einen ihrer Lieblingstitel aus ihrem Album anstimmt.

Alison Moyet interpretiert zusammen mit den beiden Keyboardern „Is This Love“ aus dem 87er-Album „Raindancing“ – das melodiöse Stück wird zu einem der musikalischen Highlights an diesem Abend. „All I needed was the love you gave – all I needed for another day – all...“ - nach dem Motto „Bis dahin und nicht weiter“ unterbricht die Sängerin das Lied „Only You“ und beginnt erneut mit einem der erfolgreichsten Yazoo-Hits. Verschluckt – kann vorkommen, Frau Moyet.

„Changeling“, „All Signs Of Life“, „Remind Yourself“ – alles Songs aus dem Album „The Minutes“, das von Guy Sigsworth (unter anderem Madonna und Britney Spears) produziert wurde.

„Es war schwierig eine Plattenfirma zu finden, die meisten Firmen wollten mit mir Cover-Alben produzieren, das wollte ich aber nicht – ich bin daher froh, dass ich Guy für mein neues Album gewinnen konnte. Er hat mir bei allem sehr geholfen“, freut sich Moyet.

Dass sie als übergewichtige Sängerin Karriere gemacht hat, betont Moyet immer wieder. Jetzt hat sie eine Traumfigur – die Stimme ist traumhaft geblieben – ihre Songs immer noch ein Ohrenschmaus. Schade, dass ihre leidenschaftliche Stimme bei vielen Stücken durch übermäßig laute, nervende Bässe oft nicht zur Geltung kam.

Alison Moyet, eingerahmt von zwei Keyboardern.

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