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„Eine schollt nich löben“: Buch erzählt von Dr. Karl Faber

Dr. Karl Faber war ein bekannter Bückeburger. Karl Meier erzählt in seinem plattdeutschen Buch „Eine schollt nich löben“ gleich zwei Geschichten über Karl Faber.

Nach dem Ersten Weltkriege kam Dr. Faber sehr spät aus der Kriegsgefangenschaft nach Haus. Als Schiffsarzt war er im Fernen Osten auf den damals deutschen Palau-Inseln hängen geblieben. Die Inseln wurden von den Japanern erobert. Nach später, glücklicher Heimkehr eröffnete er eine Arztpraxis in seinem Elternhaus, Pulverstraße Nr. 4 (später Hey-Institut). Karl Meier berichtet, dass die Sprechstunde des Dr. Faber in Bückeburg schon sehr früh begann. Als Kurarzt hatte er um elf Uhr seinen Dienst in Bad Eilsen zu beginnen. Um 9.30 Uhr war meistens sein Wartezimmer in Bückeburg schon leer, und nun startete er nach Bad Eilsen. Dr. Faber war einer der ersten, die nach dem Ersten Weltkriege schon ein Motorrad hatten. So um 10 Uhr holte er es aus dem Stall. In Lederjacke und mit Lederkappe schob er dann sein Motorrad auf die Straße. Einen Kickstarter gab es damals noch nicht. Die Biester musste man durch Anlaufen zum Knattern bringen. Am besten ging das bergab. Also schob Karl Faber die Maschine bis an die Jetenburger Straße. Da machte er kehrt, ein Hebel rechts und einer links gezogen, und dann rannte er den Berg hinunter Richtung Bahnhof. Manchmal klappte es beim ersten Anlauf. Es kam aber auch vor, dass der Motor erst beim dritten Anlauf ansprang – oder gar nicht. Dann kam der „Satan“ wieder in den Stall. Dreimal die Straße rauf und runter, das war genug! Der Doktor zog sich dann ganz schnell um und lief die Scharnhorst-Straße hinunter zum Eilser Minchen. Manchmal war es knapp mit der Zeit. Aber der vielen Bückeburgern und Eilsern immer noch in guter Erinnerung stehende Zugführer Kuhlmann schaute immer nach ihm aus und wartete auch schon einmal eine Minute, wenn es nötig wurde mit dem Abfahrsignal.

Eine zweite Episode aus dem Buch Karl Meiers beschreibt Dr. Faber als einen leidenschaftlichen Angler, der oft genug beim Angelsport an der Aue angetroffen werden konnte.

Als sich Bad Eilsen in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts langsam aber stetig zum kleinen Weltbad mauserte, stellte die Betriebsgesellschaft „Fürstliches Bad Eilsen“ drei Badeärzte ein, die ihre Sprechstunden im neu erbauten Kurmittelhaus abhielten: Dr. med. Urbahn, Dr. med. Faber und Dr. med. Weiß.

Gleichzeitig entwickelte sich am Osthang des Harrl ein Villenviertel mit Hotels und Pensionshäusern und schönen Privatvillen. Hier im neuen Viertel bezog das frisch verheiratete (1922) Ehepaar Ellen und Dr. Karl Faber sein neues Haus. In der Julianenstraße war die Villa Dr. Faber eine der ersten Bauten mit herrlicher Aussicht über Bad Eilsen und dessen Kurviertel. Heute noch fasziniert die Architektur des Hauses, in dem das Ehepaar Faber leider nicht nur gute Tage verbringen durfte.

Dr. med. Karl Faber überlebte die Nazizeit und kehrte aus Ostpreußen zurück. Die Bad Eilser Villen waren ab 1945 von der Britischen Besatzungsmacht für Offiziere des Hauptquartiers der Royal Air Force beschlagnahmt worden. Dr. Faber starb am 15. März 1951 im Rodenberger Krankenhaus im Alter von 66 Jahren.

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