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Großartige Sissi-Aufführungen im Kurtheater / Aufwendige Kostüme

Eine Rolle, in der viele Frauen sich wiederfinden möchten

Bad Eilsen (sig). Vorweg schon einmal die Feststellung: Etwas mehr Besucher hätten es schon sein können bei den beiden Sissi-Aufführungen im Eilser Kurtheater, zumindest bei der eigentlichen Premiere am Nachmittag. Das schmälert aber keineswegs die Qualität dieser Produktion. Frank Sitter und Oliver Meier kommt das Verdienst zu, sich gerade den Schaumburger Kurort fürden Auftakt ausgesucht zu haben. Hier hatten sie in der Vergangenheit mit anderen Veranstaltungen gute Erfahrungen gemacht.

Sissi macht große Politik. Foto: sig

Auch 110 Jahre nach ihrer Ermordung bleibt die einstige Kaiserin vonÖsterreich und Königin von Ungarn eine Figur, in der viele Frauen sich wiederfinden möchten: bildschön, intelligent, lebenslustig, freiheitsliebend und von unverbrauchter Natürlichkeit. Fast scheint sie mit zu vielen Gaben ausgestattet. Die Historie hat gezeigt, dass sie kaum Neider hatte, dafür aber umso mehr Verehrer. Treu blieb sie aber nur einem, dem nicht minder ansehnlichen und vor allem einflussreichen Kaiser Franz Joseph. Heiraten sollte der jedoch eigentlich eine ganz andere Frau, nämlich Sissis Schwester Helene. So war das zwischen Müttern auf beiden Seiten abgemacht, aber Franz-Joseph hatte nach der ersten Begegnung in Bad Ischl nur noch Augen für den Wirbelwind Sissi. Die Tochter des Herzogs Max von Bayern war unbeschwert im Schloss Possenhofen am Starnberger See zusammen mit sieben Geschwistern aufgewachsen, ganz natürlich und ohne jegliche Zwänge, die sie auf das höfische Leben an der Seite eines Regenten hätten vorbereiten können. Das wurde durch die Heirat mit dem Kaiser von Österreich und den Umzug nach Wien ganz anders. Daraus resultierten Spannungen, die Sissi aus vielen Träumen rissen, sie aber auch schneller reifen ließen. Wie wichtig die Geburt eines Erben für die Monarchie war, wurde der jungen Kaiserin schnell klar, aber dass sie mit der Erziehung ihrer Kinder kaum etwas zu tun haben sollte, das ertrug sie nicht. So kam es zu Auseinandersetzungen mit der am Protokoll ausgerichteten Schwiegermutter, der Erzherzogin Sophie. Regisseur Frank Sitter sorgte dafür, dass dieser an Schärfe zunehmende Zwiespalt und das wachsende Aufbegehren von Sissi eindrucksvoll umgesetzt wurden. Am Ende forderte die junge Mutter ihren Ehemann ultimativ heraus, Farbe zu bekennen. Der Kaiser musste seine Mutter in die Schranken verweisen, um die Ehe zu retten. Die Eilser Premiere machte zugleich aber auch deutlich, dass sich Sissi noch auf einem ganz anderen Feld durchzusetzen verstand. Sie betrieb Staatsdiplomatie auf ihre Art, indem sie eine engere Bindung zwischenÖsterreich und Ungarn bewerkstelligte. Höhepunkt dieser Mission war die Krönung von Franz-Joseph zum König von Ungarn. Frank Sitter gab unumwunden zu, dass ihn dieser historische Stoff und vor allem die Persönlichkeit der Sissi sehr gereizt haben. Allein aus 450 Bewerbungen waren 120 Schauspieler ausgesucht worden, die zum Vorsprechen nach Köln kamen. Acht wurden genommen, darunter die drei Hauptdarsteller Marcels Höfs (Kaiser Franz-Joseph), Sissi (Svenja Klein) und Erzherzogin Sophie (Ingeborg Brings), die in der RTL-Serie "Alles was zählt" mitwirkt. Mit dieser gelungenen Besetzung und einer aufwendigen Ausstattung haben die Produzenten für das seit langem eindrucksvollste Theatererlebnis in Bad Eilsen gesorgt. Großartig auch die Kostüme, die von der Kostümbildnerin Elisabeth Hannas nach Originalvorlagen angefertigt wurden. Bis zum 17. März ist "Grosstadt Entertainment" mit dieser Aufführung auf noch Tournee, unter anderem amzweiten Weihnachtstag im Füssener Festspielhaus. Ende 2009 ist eine Fortsetzung geplant.

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