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Sechs neue ehrenamtliche Helfer unterstützen das hauptamtliche Team im Hospiz Bad Münder

„Eine Begleitung des Lebens“

Bad Münder. Nein, es ist keine Vorhölle, in der der Tod bereits alles im Griff hat und jede Farbe, jeden Spaß verbietet. „Im Gegenteil, das Hospiz ist ein Ort des Lebens“, sagt Christine Göbel. Sie ist Leiterin eines Schulungskurses für ehrenamtliche Helfer im Hospiz Bad Münder – sechs Frauen sitzen ihr zur Seite, die den aktuellen Kurs erfolgreich abgeschlossen haben und ab sofort das hauptamtliche Team an der münderschen Einrichtung unterstützen wollen.

Einfach da sein, wenn der sterbende Gast einen braucht – Ehrenamtliche helfen im münderschen Hospiz.  Foto: Bilderbox

Autor:

Sebastian Stüben

Einen ersten Kurs für Ehrenamtliche hat es in Bad Münder seit Gründung des Hospizes vor gut drei Jahren bereits gegeben, und so stehen den neuen Helfern die alten Hasen zur Seite, um sie in der ersten Zeit mit ihrer Erfahrung zu unterstützen. Denn die Begleitung eines Menschen im Leben bis zu dessen nahem Tod ist keine leichte Aufgabe. Und doch könne sie einem viel geben, da sind sich die bereits tätigen Ehrenamtlichen einig.

„Die Hospizarbeit ist so vielfältig wie das Leben“, sagt Göbel – und Sterben gehöre nun einmal dazu. Während der Schulung, die sich über mehrere Monate erstreckt, würden die „Auszubildenden“ zunächst einmal ihre eigene Einstellung zum Leben und zum Tod reflektieren lernen. „Die Teilnehmer sind nach dem Kurs andere Menschen als zu Beginn“, weiß die mündersche Hospizleiterin Agnes Schulze Althoff. Die Frauen nicken. Fast alle von ihnen haben sich zur Arbeit als Ehrenamtliche im Hospiz entschieden, nachdem sie selbst eine Erfahrung mit dem Tod eines Angehörigen gemacht haben – einige auch in eben diesem Hospiz.

Da die Arbeit mit den Schwerstkranken eine gewisse psychische Stabilität voraussetzt, mussten die Frauen, die sich entschlossen hatten, dieses Ehrenamt anzutreten, erst einmal zwei Jahre nach Trauerfällen in der eigenen Familie verstreichen lassen. „Sonst kommen die Gefühle zu stark wieder hoch“, sagt Göbel – und die Ehrenamtlichen dürften bei der Begleitung eines Gastes nicht mit sich selbst beschäftigt sein.

Kursleiterin Christine Göbel (2.v.l.) mit den Ehrenamtlichen Trauthilde Brückner (v.l.), Sabine Kehe, Rita Mielczarek, Birgit Sc
  • Kursleiterin Christine Göbel (2.v.l.) mit den Ehrenamtlichen Trauthilde Brückner (v.l.), Sabine Kehe, Rita Mielczarek, Birgit Schulze Althoff und Gudrun Prange. Foto: st

Es wartet schließlich eine große Herausforderung auf die Helfer. „Zunächst einmal gilt es zu begreifen, dass es hier um eine Begleitung des Lebens geht, nicht des Sterbens. Solange man lebt, kann man Leben gestalten“, erklärt Göbel. Und dabei sollen die Ehrenamtlichen die Gäste des Hospizes unterstützen – wenn diese es denn wünschen.

„Es entscheidet immer der Gast, ob überhaupt und – wenn ja – in welcher Intensität eine Begleitung stattfinden soll“, so Göbel. „Das kann vom Spazierengehen bis zum Annähen eines Knopfes reichen“, sagt Schulze Althoff. Es kann aber auch bedeuten, einfach drei Stunden am Bett eines Gastes zu sitzen, ohne, dass der auch nur ein Wort spricht. „Das muss man erst einmal aushalten“, sagt Schulze Althoff. Göbel fügt hinzu: „Helfer wollen meist hundert Prozent geben, aber das ist nicht immer möglich. Vielleicht will das Gegenüber nur 35 Prozent. Man muss lernen, das zu akzeptieren.“

Außerdem weist Göbel ausdrücklich darauf hin, dass Ehrenamtliche nichts mit der Pflege der Patienten zu tun haben. „Wir geben keine medizinischen Leistungen, wir sind nur da.“ Für alles andere gebe es Fachkräfte – Ehrenamtliche dürften auch nicht überfordert werden. Geschäftsführer Andreas Przykopanski freut sich, die neuen Helfer in seinem Team zu wissen, zu dem bereits fünf Ehrenamtliche gehören.

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