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Khalid Pashtoon begleitet Sebastian Edathy / Aufgeschlossen und kritisch / Präsident ein "crazy man"

Eindrücke eines Afghanen: "Beeindruckend!"

Bückeburg (bus). Amnesty International, die Heeresfliegerwaffenschule und Schloss Bückeburg sind die Stationen von Khalid Pashtoon in der ehemaligen Residenzstadt gewesen. Der Abgeordnete des afghanischen Nationalparlaments begleitete ein Wochenende lang den heimischen Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy, um einen Eindruck von der Wahlkreisarbeit eines deutschen Parlamentariers zu gewinnen. Pashtoon fasste seine Erlebnisse und Begegnungen in Bückeburg als "sehr beein- druckend" (very impressive) zusamm en.

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Der 48-Jährige hat in den USA Betriebswirtschaft studiert und war vor seiner Wahl ins Parlament Afghanistans Sprecher des Gouverneurs der Provinz Kandahar und früheren Mudjahedin-Führers Gul Agha Sherzai, der 2001 mit seinen Truppen die von den Taliban besetzte Region Kandahar eroberte. Pashtoon ist in Kabul Mitglied des Ausschusses für innere Sicherheit und Grenzkontrollen in Afghanistan, was ihn mit Sebastian Edathy verbindet, der im Bundestag dem für Sicherheitsfragen zuständigen Innenausschuss vorsitzt. Der Besucher erwies sich insbesondere im Gespräch mit der Schaumburger Amnesty-Gruppe als aufgeschlossener und kritischer Geist. Seiner Heimat mangele es auf dem Weg zu zivilisierteren Verhältnissen vor allen Dingen an Bildungsmöglichkeiten. Zwar habe sich die Situation gegenüber den Taliban-Zeiten (keine Bildung für niemand) gebessert und etwa zwei Millionen Kinder (bei einer Gesamtbevölkerung von 27 Millionen) besuchten eine Schule, der Lehrermangel sei indes eklatant. Zudem agierten die Pädagogen unter ärmlichen Bedingungen (poor conditions), seien selbst schlecht ausgebildet und müssten ihren Lebensunterhalt außerhalb der Schule sicher stellen. Pashtoon bezifferte das durchschnittliche Monatseinkommen eines Lehrers mit 50 Dollar. Die Miete eines normalen Hauses schlage in der Hauptstadt nicht selten mit 1000 Dollar zu Buche, verdeutlichte er die Diskrepanz zwischen Ein- und Auskommen. Pashtoon griff während seiner Schilderungen häufig auf die Umschreibung "unfor- tunately" (leider) zurück, um die Unterschiede zwischen seinen persönlichen Ansprüchen und den tatsächlichen Zuständen Ausdruck zu verleihen. Unfortunately seien ihm im Sicherheitsausschuss häufig die Hände gebunden, unfortunately stellten Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan nichts vollends Außergewöhnliches dar. Und - unfortunately - treffe es zu, dass der Bruder des Präsidenten tief in den Drogenhandel verstrickt sei. Apropos Präsidenten und Drogen: Pashtoon machte aus seinem sympathiefreien Verhältnis zu Präsident Hamid Karzai kein Geheimnis. Bei diesem handele es sich um einen verrückten Mann ("crazy man"), jeder andere wäre besser. Und dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad attestierte er ein Drogenproblem ("smoking opium"). In der Heeresfliegerwaffenschule, wo Edathy und dessen Gast ein eingehendes Gespräch mit Brigadegeneral Richard Bolz führten, beeindruckten Pashtoon zuvorderst die Möglichkeiten des Simulatorenzentrums. Im Schloss stand beim Treffen mit Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe überwiegend Small Talk auf dem Programm. Mitten im Weihnachtszauber-Trubel schilderte der Besucher, dass eine vergleichbare Zusammenkunft in seinem Heimatland nur bewaffnet und umgeben von einem Trupp Sicherheitsbeamter denkbar sei. Unfortunately.

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