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Unter Freunden gibt es keine Messlatten: Kleine Momentaufnahmen des Partnerschaftsjubiläums

Ein Willi wird auch der Platane nicht schaden

Obernkirchen (rnk). Seinen Seitenhieb auf die Bayern-Fans will sich der Menschenfischer auch bei der offiziellen Feier in der Liethhalle nicht verkneifen. Alle hätten gute Laune, erklärt Pastor Herbert Schwiegk, als er durch das Programm des Krainhäger Blasorchesters führt, alle könnten also prächtig feiern, bis auf die Bayern-Fans eben, die gerade gegen "Leningrad" (Schwiegk) ihre Verortung in der europäischen Zweitklassigkeit hätten hinnehmen müssen. Abgesehen davon, dass die Stadt heute wieder Petersburg heißt, hatte der Gottesmann natürlich recht: Alle hatten gute Laune, bis um 1 Uhr nachts wird erzählt, getanzt, gelacht und gelauscht. Das Programm, das die Obernkirchener Gastgeber aufgefahren haben, lässt keinen Moment Langeweile aufkommen: Blasorchester, "Drums alive" vom Kneipp-Verein, der MTV, die Trachtentänzer aus Gelldorf, Petticoats& Co. und die Mardi Gras Band Obernkirchen - die Messlatte für den Gegenbesuch habe man nun aber hoch gelegt, bilanziert Guy-Michel Chauveau als Bürgermeister der französischen Partnerstadt am nächsten Morgen. Sein Obernkirchener Pendant korrigiert ihn gern: Unter Freunden gebe es keine Messlatten, erwidert Oliver Schäfer.

Der Nachwuchs haut auf die Pauke: Mit "Drums alive" zeigt der Na

Eine Platane, so erklärt es Gärtnermeister Gerhard Kirchner, sei der richtige Baum, um am einzig möglichen Platz der Stadt an das Jubiläum der Partnerschaft zu erinnern: "Gesund und kräftig, in Frankreich weitverbreitet. Und Stürme und Unwetter können ihr nichts anhaben." Gut 50 Männer und Frauen haben sich zurPflanzaktion am Sonntagmittag im La-Flèche-Park eingefunden, der ehemalige Stadtdirektor Wilhelm Mevert gibt dem neuen Baum den inoffiziellen Obernkirchener Segen: Er gießt eine hochprozentige Flüssigkeit auf die frisch gepflanzte Plantane: "Ein Willi hat noch selten geschadet." Die ersten Anmeldungen für den Gegenbesuch im nächsten Jahr habe sie schon in der Liethhalle entgegen nehmen können, eröffnet Kirsten Battaglia am Sonnabend die obligatorische gemeinsame Sitzung des Ausschusses für Partnerschaften und Kultur mit dem Comité de Jumelage La Flèche. Ob man allerdings in so großer Zahl- die Gäste waren mit rund 250 Bürgern gekommen - den Besuch erwidern könne, bleibe abzuwarten. Bürgermeister Chauveau meint, man werde auch eine deutlich größere Besucherzahl problemlos unterbringen können: "Die neue Turnhalle ist fertig, da passen 1000 rein." Am Morgen nach der Liethhallen-Feier: Gelöste Stimmung, wohin man schaute und hörte. Am 21. Mai nächsten Jahres soll der Gegenbesuch erfolgen, es ist - wie überraschend - das Wochenende rund um Himmelfahrt. Über den Jugendring wird im August noch eine jugendliche Delegation die Partnerstadt besuchen. Und Neupensionär Wilhelm Mevert wird glaubhaft versichert, dass nicht nur bei einem privaten Freundschaftsbesuch auch die golferische Grundversorgung gesichert ist. Groß und Klein, Jungen und Mädchen - bunt gemischt tritt in der Grundschul-Sporthalle der handballerische Nachwuchs im sportlichen Vergleich gegeneinander an. Die jeweiligen Ergebnisse spielen keine Rolle, auch der gelungene Spielzug des Gegners wird gern und oft mit Applaus bedacht. Es ist sichtbar, hörbar, greifbar: Hier wächst spielerisch zusammen, was künftig die Partnerschaft tragen wird. 35 Bürger, die für ihren Einsatz für die Partnerschaft geehrt werden, für ein Gruppenbild zusammenzubekommen, ist ein hoffnungsloser Fall: Immer wieder geht jemand weg, um selbst ein Bild zu machen, außerdem haben es alle eilig, denn es wartet das Mittagessen. Und eigentlich ist es auch gut so, denn nicht jeder kann an diesem Morgen bei der offiziellen Feier dabei sein: Der eine ist krank, der andere schulisch verhindert. Eine hübsche Anekdote, die auch einen Tag später noch nachklang, hat Guy-Michel Chauveau auf der offiziellen Feier erzählt. Offiziell bestehe die Partnerschaft erst seit 39 Jahren, da der offizielle Partnerschaftsvertrag erst 1969 unterzeichnet werden konnte. Der Grund für die Verzögerung: Ein Jahr zuvor hatte ein Generalstreik Frankreich lahmgelegt. Und so wird im nächsten Jahr die Obernkirchener Delegation das 40. Jubiläum noch einmal feiern können: "Sofern nicht wieder ein Streik ausbricht", schränkt Ehrenbürgermeister Adolf Bartels auf der gemeinsamen Sitzung der Partnerschafts-Ausschüsse ein. Das Protokoll verzeichnet das typische Geräusch des Wochenendes: allgemeines Gelächter.

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