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Ein scharfer Strahl für 180 000 Euro

Wenn in einer Abteilung des Hamelner Kreiskrankenhauses die Kanülen ausgehen, werden kurzerhand neue bestellt. 100 Stück kosten rund zehn Euro. Ähnlich verhält es sich mit Verbänden, Tupfer und Spritzen. Eine Operationsschere für etwa 80 Euro ist ebenfalls ein Instrument, das häufig benötigt wird und deswegen verglichen mit den medizinischen Großgeräten immer noch relativ günstig ist – verglichen zum Beispiel mit einem sogenannten „Endoturm“, von denen zwei in den Hamelner Operationssälen stehen.

Nur wenige Millimeter Durchmesser hat der Laser, mit dem Dr. Bau

Von Matthias Rohde

Wenn in einer Abteilung des Hamelner Kreiskrankenhauses die Kanülen ausgehen, werden kurzerhand neue bestellt. 100 Stück kosten rund zehn Euro. Ähnlich verhält es sich mit Verbänden, Tupfer und Spritzen. Eine Operationsschere für etwa 80 Euro ist ebenfalls ein Instrument, das häufig benötigt wird und deswegen verglichen mit den medizinischen Großgeräten immer noch relativ günstig ist – verglichen zum Beispiel mit einem sogenannten „Endoturm“, von denen zwei in den Hamelner Operationssälen stehen. Diese Geräte werden für die „Knopflochchirurgie“ eingesetzt und bestehen aus verschiedenen Komponenten. Der leitende Oberarzt für Allgemein- und Bauchchirurgie, Dr. Andreas Hoffmann, zählt auf: „Monitor, Gasflasche, Ultraschallskalpell, Pumpe, Lichtquelle, Generator sind die wesentlichen Bestandteile des Turms.“ Zirka sechs bis acht Stunden pro Tag sind diese Türme im Einsatz. In dieser Zeit werden drei bis fünf Patienten mit diesem Gerät operiert. „Der Vorteil für den Patienten ist, dass wir keinen großen Schnitt machen müssen, sondern mit drei bis fünf rund fünf Millimeter langen Schnitten auskommen“, erklärt Hoffmann den Nutzen der minimal invasiven Eingriffe. Der Preis für einen dieser Türme liegt insgesamt bei rund 70 000 Euro.

Mehr als das Doppelte, nämlich rund 180 000 Euro, kostet der Thullium-Laser der Urologie-Abteilung, der rund 200-mal pro Jahr bei der Behandlung von Prostataerkrankungen zum Einsatz kommt. „Die meisten in der Medizin verwendeten Laser stammen ursprünglich aus der Rüstungs- oder Raumfahrttechnik und sind den medizinischen Anforderungen angepasst worden“, stellt der urologische Chefarzt Dr. Michael Baumann fest. Nicht aber der in Hameln verwendete Laser, denn der sei gezielt für den Einsatz in der Medizin entwickelt worden. Nur wenige Millimeter ist die Spitze des Lasers groß. „Die Prostata ist ein zu starken Blutungen neigendes Organ. Unser Laser schneidet aber nicht nur, sondern versiegelt die Wunde praktisch zeitgleich.“ In einem anderen Raum der Urologie steht das Steinzertrümmerungsgerät, das wie ein Endoturm aus mehreren Komponenten besteht und rund 250 000 Euro kostet. „1989 hat so ein Gerät noch zwei Millionen Mark gekostet und war bei weitem nicht so leistungsstark wie dieses hier. Der Clou: Das Steinzertrümmerungsgerät kann auch von anderen Abteilungen des Krankenhauses genutzt werden, so wurden zum Beispiel unter anderem Speichelsteine, Fersensporne, Schulterverkalkungen und Pseudoarthorsen mit diesem Gerät behandelt, wie Baumann sich erinnert. Mehr als 250 Behandlungen mit dem Steinzertrümmerer werden jährlich im Hamelner Krankenhaus durchgeführt.

Das für jeden Patienten und jeden behandelnden Arzt Wichtigste ist die richtige Diagnose. Und die technologische Forschung und Entwicklung im Diagnosebereich hat ihren Preis. „Ein herkömmliches Mammographiegerät kostet rund 200 000 Euro“, sagt der Radiologe des Kreiskrankenhauses Behzad Salamat M.D, das gleiche Gerät in digitaler Ausführung läge bei rund 600 000 Euro. Auch ein Durchleuchtungsplatz koste in etwa das Gleiche. Eines der am häufigsten eingesetzten Geräte in der Diagnose ist das als „CT“ bekannte Gerät, ebenfalls für rund 600 000 Euro zu haben. Salamat: „Alle bildgebenden Diagnoseverfahren sind für die behandelnden Ärzte von großer Wichtigkeit, denn je genauer die untersuchten Bereiche des Körpers dargestellt werden, desto genauer ist die Diagnose.“ Das „CT“ funktioniere mit Röntgenstrahlen und sei, so der Radiologe, ein Nachteil gegenüber dem MRT, dem Kernspintomographen. Dieser sei deswegen auch um einiges aufwendiger, allein der Raum, in dem sich das Gerät befinde, müsse nach außen abgeschirmt werden, weil die Magnetstrahlen des MRTs sonst andere elektrische Geräte, Computer, Telefone, Kameras und dergleichen beschädigen würden. „Das Magnetfeld bei der Untersuchung ist rund 50- bis 100-mal stärker als das der Erde“, sagt Salamat. Auch der im Hamelner Krankenhaus ansässige Radiologe Dr. Eckhard Rosenberg weiß: „Die Zukunft gehört dem MRT.“ Das MRT im Hamelner Krankenhaus kostet zirka 1,2 Millionen Euro, aber nach oben sei dort noch viel Luft, wie Salamat und Rosenberg versichern.

Das Stichwort „Bildgebendes Verfahren“, für das sowohl Röntgen, CT und MRT stehen, wirft unweigerlich auch die Frage nach der Weiterverarbeitung der durch diese Geräte gewonnenen Daten auf. Eine aufwendige Software sorgt dafür, dass die Bilder an jedem Computer im Krankenhaus kurze Zeit nach deren Erstellung verfügbar sind. Rosenberg: „Der Preis für diese Software liegt sicherlich im siebenstelligen Bereich, aber hier liegt meiner Ansicht nach auch ein Schwerpunkt bei der zukünftigen Forschung und Entwicklung.“

Das teuerste Gerät im Hamelner Krankenhaus steht aber im Untergeschoss, umrahmt von meterdicken Wänden, die als Abschirmung dienen, in der Praxis für Strahlentherapie und Radioonkologie. Dr. Dieter Hirschfeld: „Das Bestrahlungsgerät ist ein sogenannter Linear-Beschleuniger mit dem wir vor allem bösartige Tumore bestrahlen.“ Die Strahlung greife direkt die DNA an und sorge dafür, dass die Vermehrungsaktivität der Krebszellen gebremst werde. Der Preis für das Gerät: 2,5 Millionen Euro. Zwischen 50 und 60 Patienten täglich werden in Hameln bestrahlt. Die durchschnittliche Bestrahlungsdauer liegt bei zirka sechs Minuten. „Wenn es notwendig ist, bestrahlen wir auch am Wochenende und an Feiertagen“, betont Hirschfeld. Das Besondere an dem Bestrahlungsgerät ist aber nicht nur der Preis. Im Gegensatz zu allen anderen Therapien sind für die Strahlentherapie zwei Akademiker gleichzeitig verantwortlich, nämlich einerseits der Arzt, der für den medizinischen Teil der Behandlung zuständig ist und ein Physiker, der für die richtige Bestrahlung Sorge trägt.

Für den Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses, Marco Kempka, sind die Kosten für diese medizinischen Großgeräte insgesamt gut angelegtes Kapital. „Wir haben keine ‚Ladenhüter‘ oder extrem wenig genutzte Geräte im Einsatz, sondern sinnvolle Ergänzungen zum medizinischen Fachwissen unserer Ärzte.“ Angesichts der rund 45 000 jährlich im Hamelner Kreiskrankenhaus behandelten Patienten sei es wichtig, einerseits die grundlegenden medizinischen Diagnostik- und Therapieeinheiten vorzuhalten, andererseits aber auch darauf zu achten, dem medizinischen Fortschritt zu folgen. Kempka: „Im Bereich der Radiologie werden aktuell die neuesten CT- und MRT-Generationen eingesetzt, genauso wie wir im Bereich der Endotürme oder beim Linksherzkathetermessplatz immer wieder moderne Komponenten nachrüsten.“

Bei so viel hochmoderner und kostspieliger Technik darf laut Kempka eines nicht vergessen werden: „Viele Menschen wissen gar nicht, dass wir eine eigene medizintechnische Abteilung vorhalten, damit die Geräte auch immer sicher für unsere Patienten arbeiten.“

Die Werkzeuge eines Arztes sind etwas ganz Besonderes, schließlich geht es bei einer medizinischen Behandlung um die Gesundheit, um Lebensqualität, manchmal sogar um Leben und Tod. Und weil das so ist, haben die medizinischen Instrumente und Geräte ihren Preis. Was kostet eigentlich ein Röntgengerät? Wir haben nachgefragt.

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