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"Angelo" bietet Hits und mitreißende Handlung

Ein Lebenskünstler zwischen Himmel und Hölle

Bad Eilsen. Ein Musicalbesuch bei solch einer Hitze ist normalerweise nicht das Gelbe vom Ei. Kein Wunder, dass die großen Häuser derzeit lieber Sommerurlaub machen. Trotz der Wärme wird im Kurtheater allerdings unverdrossen weiter gespielt, und das ist ein Glücksfall: Denn was eine tüchtig inspirierte Darsteller-Crew an Fröhlichkeit und Herzschmerz aus Klaus Scherers (Text und Idee) und Stephan Winkelhakes (Komposition und Arrangement) Musical "Angelo" zu zaubern vermag, muss unbedingt angeschaut werden!

Autor:

Dietlind Beinßen

Die Geschichte um die italienischen Frohnatur Angelo, die mitten beim temperamentvollen Feiern vom Tod abgeholt wird und vor dem himmlischen Gericht landet, steckt voll farbiger Facetten. Die Begegnung mit dem von Volker Arendts tiefstimmig, sehr wendig und konturenreich kreierten Teufel erinnert sogar ein bisschen an den Faust-Pakt mit Mephisto. Doch lange Rede, kurzer Sinn: Das Leben ist - obwohl es nicht immer geradeaus geht - laut Stück zu jeder Sekunde lebenswert! Wie ein Pendel schwingt und kreist um die Story buntes Tonmaterial. Ein Klangteppich entsteht, ein hier fetziges, dort melodiöses Noten-Band, das fesselt, ja oft zum Mitklatschen inspiriert - und gleichzeitig die Sinne für die vielen seelischen Miniaturen schärft, die zu hören und zu sehen sind. Auf diesem Fundament hat Jürgen Morche mit einem spiel-, tanz- und gesangsfreudigen Ensemble (flotte Choreographie: Vanessa Wilcek) eine in Tempo und Timing perfekte Show entwickelt. Geschickt, niemals peinlich, schlägt der Regisseur den Bogen vom ausgelassenen Feiern zu Selbstmordgedanken. Als Plus der Einstudierung darfder unkomplizierte Szenenwechsel sehen, bei denen es keine Schnittstelle durch lästige Umbauarbeiten gibt. Uwe Müller schafft es trefflich, die Figur des energiegeladenen Angelo glaubhaft zu gestalten. Seine Partnerin Simone Vetter haucht der zwischen Daseins-Überdruss und Träumen schwankenden Sarah anrührende Passagen ein. Pitt Witt (Mike / Tod), Marion Gutzeit (Maria Magdalena / alte Frau), Peter Wilcek (Petrus / alter Mann) sowie Antje Kaiser (Regina) kennen sich in dem Metier ebenfalls gut aus. Niemandem mangelt es nur eine Sekunde an Verve und Ausstrahlung und erst recht nicht an tragfähiger, schöner Stimme. Dafür, dass die Funken zwei Stunden lang nicht verglühen, sorgt außerdem die Band mit Christian Simon (Schlagzeug), V.-F. Seidenstücker (Bass), Jens Petersen (Gitarre), Roman Rofalski (Keyboards) sowie Stephan Winkelhake (Piano). Weitere Aufführungen: heute und morgen 20 Uhr, Sonntag 15.30 Uhr.

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