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Vor Gericht: Urteil gegen 34-Jährigen bestätigt / Frühere Lebensgefährtin und Tochter misshandelt

Ein Jahr Haft soll ihm die Aggressionen austreiben

Bückeburg (ly). Seine Tochter (13) soll er mit einem Regenschirm geschlagen haben, seine frühere Lebensgefährtin (32) so geohrfeigt, dass die Oberlippe der völlig verängstigten Frau anschwoll. Schlimme Vorwürfe. Scheinbar entrüstet springt der Angeklagte auf und beginnt wild zu gestikulieren. "Sie sind ganz schön leicht erregbar", bemerkt Richter Friedrich von Oertzen.

Im späteren Urteil wird dieser Eindruck des Vorsitzenden zur Überzeugung der gesamten Berufungskammer am Landgericht. Es bleibt bei einem Jahr Haft wegen zweifacher Körperverletzung und versuchter Nötigung, die in erster Instanz bereits das Schöffengericht verhängt hatte. Gut möglich, dass ein weiteres Jahr hinzukommt, weil dem wiederholt vorbestraften Angeklagten (34) in ähnlicher Sache der Widerruf einer Bewährung droht. Opfer der Gewaltausbrüche waren die Ex-Freundin sowie eines von zwei gemeinsamen Kindern. AusÄrger, weil seine damals zwölfjährige Tochter im Januar nicht zu einem Besuchstermin erschienen war, hatte der Vater das Mädchen mit einem Regenschirm geschlagen, die Mutter in deren Wohnung mit der flachen Hand ins Gesicht. Keine zehn Tage später stand der Gewalttäter erneut auf der Matte. Diesmal begehrte er lautstark Einlass und drohte durch die geschlossene Tür: "Mach auf, ich habe eine Waffe!" Wie sich die Fälle gleichen: Vor knapp zwei Jahren war der ehemalige Kampfsportler zu einem Jahr Haft mit Bewährung verurteilt worden, nachdem er der Frau im Sommer 2004 einen Fausthieb verpasst hatte. Jetzt sieht es so aus, als muss der Bewährungsversager die Strafe doch noch absitzen. In einer Kieferklinik musste das Opfer damals operiert werden. Später wurde die Bückeburgerin auf der Straße erneut attackiert und mit einem Messer bedroht. Trotz allem ergreift die Frau bis heute Partei für ihren Verflossenen. Als Hauptbelastungszeugin vor Gericht knickte sie ein und versuchte, die Taten herunterzuspielen. Die Tochter sei überhaupt nicht geschlagen worden, "und ich habe nur eine kleine Ohrfeige gekriegt", beteuerte die 32-Jährige. Vor der Polizei hatte sie dagegen angegeben, große Angst um ihr Leben zu haben, will davon aber nichts mehr wissen. Vielleicht fürchtet die Frau "das Schreckensregime des Angeklagten" (Richter von Oertzen). Vielleicht liebt sie ihn auch noch. Jedenfalls hat der Bückeburger unverändert einen Schlüssel zur Wohnung. Im Gefängnis braucht er den nicht mehr. "Der Angeklagte hat ein ungezügeltes Aggressionsverhalten, und das muss ihm ausgetrieben werden", stellte Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein fest. In Deutschland, so fügte Richter von Oertzen später im Urteil hinzu, habe der Ausländer nichts Vernünftiges gemacht. "Er hat sich nur mit Straftaten beschäftigt. Die Gesetze unseres Landes interessieren ihn nicht."

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