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"Englische Tage" mit einem Barbecue eröffnet / Am Sonntag buntes Fest im Englischen Garten

Ehemalige Besatzer kommen jetzt als Freunde

Bad Eilsen (sig). In den meisten Fällen sind die Erinnerungen an alles, was mit dem Zweiten Weltkrieg zusammenhängt, so schwer und bitter, dass die Überlebenden sie gern vergessen möchten. Für diejenigen englischen Soldaten, die einst als Angehörige des Hauptquartiers der Royal Air Force ihren Dienst verrichten, gilt das zumindest für ihren Aufenthalt nach Kriegsschluss in Bad Eilsen nicht. Das zeigt auch ihr neuntes Treffen, zu dem sie derzeit im Kurort weilen.

Diesmal sind 51 Teilnehmer aus den verschiedensten Regionen der Insel eingetroffen; Charles Olitho scheute sogar den weiten Weg aus Kanada nicht. Es ist schon etwas eigenartig: Jeälter die Frauen und Männer werden, die die Schrecken des Krieges überstanden haben, desto zahlreicher kommen sie an den Ort zurück, an dem sie die erste Friedensphase erlebt haben. Hier zeigte sich schon nach kurzer Zeit im Nebeneinanderleben und später sogar im zunehmenden Miteinander, wie wahnwitzig und grundlos das vorangegangene Völkermorden war. Zwar mussten die Einheimischen bei der Stationierung des RAF-Hauptquartiers zusammenrücken, weil Villen und anderer Wohnraum beschlagnahmt wurden, aber die Besatzungsmacht bot auch Arbeitsstellen und damit Brot und Lohn in entbehrungsreicher Zeit. Dass dieses Verhältnis damals auch zu sehr positiven menschlichen Kontakten führte, beweist die Tatsache, dass sich immer wieder etliche Einheimische (inzwischen zu Freunden geworden) zur Begrüßung der Gäste und zu den weiteren Veranstaltungen der so genannten Reunion in Bad Eilsen einfinden. Es gab sogar Bündnisse fürs Leben, wie die Heirat der aus Bückeburg stammenden Elfriede Tuch mit einem früheren Mitglied der Air Force zeigt, dem sie nach Cornwall folgte. Auch in Bad Eilsen fand so manche Eheschließung zwischen den Luftwaffenangehörigen statt, denn zahlreiche Frauen verstärkten die britischen Truppengattungen. Die "Seele" dieser historische Ausmaße annehmenden Gemeinschaft, die auch durch ständige Rundschreiben über familiäre Ereignisse aus den eigenen Reihen informiert wird, ist zweifellos Jeff Lipscombe. Er hält alle Fäden in der Hand und alle Kontakte aufrecht. Ein Mitglied lebt inzwischen in Neuseeland und war bislang bei allen vorhergehenden Treffen dabei; diesmal fehlt er leider. Einige Soldaten haben ihren Lebensmittelpunkt nach Kanada verlegt und sind trotzdem ihrer Gemeinschaft treu geblieben. Die alljährlichen Treffen in Bad Eilsen sind eine gute Möglichkeit, Erinnerungen auszutauschen und die Plätze aufzusuchen, die ihnen einst lieb und wert geworden sind, Die Anreise erfolgte per Flugzeug, mit dem Auto oder dem Reisezug durch den Kanaltunnel. Bis zum späten Mittwochabend waren alle eingetroffen und im Hotel Lahmann, im Gästehaus Schewe und im "Haus Christopher" untergebracht. Der Donnerstagvormittag war frei. Etliche Gäste nutzten die Zeit, um auf dem Friedhof in Heeßen das Grab von Beatrix Söhlke aufzusuchen und dort einen Blumenstrauß abzulegen. Sie hatte ihr Vorhaben nicht vollenden können, ein Buch über die Zeit zwischen 1945 bis 1955 herauszugeben, in dessen Mittelpunkt die Zeit der britischen Besetzung stehen sollte. Die Gemeinde Bad Eilsen will diesen Plan jedoch nicht aus den Augen verlieren, erfuhren wir von Dagmar Söhlke, der Schwester und stellvertretenden Bürgermeisterin. Wie gewohnt eröffneten die Besucher ihren Eilsen-Aufenthalt mit einem Barbecue. Die "Reiterklause" verwöhnte die Gäste am Donnerstagabend mit gegrillten Steaks und Rostbratwürsten sowie frischen Salaten. In der großen Runde auch Samtgemeinde-Bürgermeister Bernd Schönemann und Ministerialrat Dr. Stephan Walter, der mit seinem Vater Fritz zu dieser Wiedersehensfeier gekommen war. Auch das Gasthaus Walter auf dem Bückeberg hatte einst eine umfangreiche englische Einquartierung. Höhepunkt des bis zum kommenden Dienstag währenden Aufenthalts soll der "Englische Nachmittag" werden, der im wieder festlich geschmückten "Englischen Garten" abgehalten wird. Das bunte Treiben mit viel Musik, Geselligkeit und leckeren Speisen beginnt am Sonntag um 15 Uhr.

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