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Reise durch den Südwesten der USA

Durch Wüsten, Täler, Wälder – mit der Harley!

Von Rolf Grummel

Auf dem Weg in die Wüste von Nevada geht es durch den Zion-Natio

Wenn erwachsene Männer aufgeregt sind wie kleine Kinder am Heiligabend, dann hängt es entweder mit Frauen, Autos oder mit Motorrädern der amerikanischen Kultmarke Harley Davidson zusammen. In diesem Fall: mit den Harleys! Welch großartiges Erlebnis!

Einen Tag nach unserer Ankunft in Los Angeles. Chrom blitzt in der Sonne. Da stehen sie, die Maschinen, die für Biker die Welt bedeuten. Der Motorradverleiher in Los Angeles hat mächtig aufgefahren, und die Organisation der Guides der Firma Media-Reisen aus Minden – so viel sei vorweggenommen – ist perfekt. Vor den Teilnehmern der Dewezet-Leserreise liegen nun 2400 Meilen durch die schönsten Regionen des Südwestens der USA. Geweckt wurden die meisten Mitfahrer allerdings nicht vom sonoren Ramentern der Harley-Motoren, sondern von einer Batterie von Hubschraubern diverser TV-Stationen, die über dem Hotel ihre Runden drehten. Was die da wollten? Einen Polizeieinsatz filmen. So etwas gibt’s wohl auch nur bei den Amis.

Sei’s drum: Aufgesattelt und ab dafür! Auf den Stadtautobahnen von L.A. bekommt man einen Eindruck, welche Ausmaße eine 13-Millionen-Einwohner-Region hat – nämlich in etwa so wie das gesamte Ruhrgebiet. Erst nach mehreren Stunden Fahrt die erste Kurve. Endlich raus aus der Langeweile, hinein ins Fahrvergnügen. Wenn’s auch nur eine Autobahnausfahrt ist…

Im Valley Of Fire auf einsamen Straßen, immer entlang auf dem gr
  • Im Valley Of Fire auf einsamen Straßen, immer entlang auf dem grauen Band der Freiheit…
Eine lustige Truppe: Die Teilnehmer der Dewezet-Leserreise vor d
  • Eine lustige Truppe: Die Teilnehmer der Dewezet-Leserreise vor den Felsen im Joshua-Tree-Nationalpark.
Und sie hatten Spaß bei der Pause im Zion-Nationalpark: Frank Ka
  • Und sie hatten Spaß bei der Pause im Zion-Nationalpark: Frank Kalle, Michael Simon, Rolf Grummel und Andreas Siekmann (v.l.n.r.)

Danach geht’s in die Berge. Sensationelle Kurven und eine Landschaft wie aus dem Karl-May-Film tun sich auf. Wobei dieser Vergleich ab diesem Tag diverse Male Anwendung finden wird. Im Laufe dieser Etappe verändert sich die Vegetation mehrere Male. Aus Felsen werden Wald, aus Wald wird auf der Abfahrt nach Palm Springs Wüste. Und aus warm wird sehr warm. Bei Temperaturen von fast 40 Grad dünsten die Biker aus Deutschland unter den ledernen Motorrad-Klamotten. Es stört keinen, die Stimmung ist phantastisch.

Am nächsten Morgen betreten wir das erste Mal ein Casino, allerdings nicht, um zu spielen – wir wollen nur frühstücken. Das tun wir nicht ohne einen Blick auf die merkwürdigen Gestalten zu werfen, die da mit glasigem Blick einen Dollarschein nach dem nächsten in den Automaten versenken. Nein, dann lieber doch schnell aufgesessen und wieder Gas gegeben. Die Fahrt führt durch den „Joshua Tree“-Nationalpark. Dieses Panorama ist beeindruckend. Am Nachmittag durchqueren wir dann auf einem nicht enden wollenden Highway Richtung Route 66 eine Salzwüste. Die Salzwüste ist aufregend, die Route 66 ist es – allen Kultbekundungen zum Trotz – nicht. Dieser legendäre Highway ist nichts anderes als eine heruntergekommene Landstraße mit vielen verlassenen und zerfallenen Dörfern. Sie lebt halt von ihrem Ruf.

Am nächsten Morgen nahe des Colorado River: ein Auffahrunfall. Glücklicherweise ist niemandem etwas passiert, und gerade in einer solchen Situation spürt man deutlich den Zusammenhalt in der Gruppe. Motorradfahrer halten zusammen. Harley-Fahrer erst recht. Kleine Reparaturpause, weiter geht’s durch alte Goldgräberorte und skurrile Felslandschaften in die direkte Nähe zum Grand Canyon. Dort stehen die Biker tief beeindruckt am Rand des Canyons. Diese Weite und Dimension hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Nur schwer können wir uns lösen und fahren weiter in die Wüste Richtung Monument Valley, das Indianer-Land. Dafür stößt sogar ein Scout zu uns, der riesigen Spaß daran hat zu erzählen, welche Spielfilme und Werbespots hier gedreht wurden. John Wayne lässt schön grüßen…

Der Tag endet erneut in einer anderen Vegetation. Es ist wieder grün geworden. In der Gegend um St. George sieht’s aus wie im Schwarzwald. In 9000 Fuß Höhe liegt Schnee, gestern waren wir noch in der Wüste… Gegen Mittag erreichen wir das nächste Highlight: den Bryce Canyon. Das Farbenspiel und die Gesteinsformen sind phantastisch. So phantastisch wie die Eindrücke, die wir in den Folgetagen sammeln werden. Der Abstecher ins Valley Of Fire ist großartig. Der zum Hoover-Damm weniger. Wer sich für Staudämme interessiert, sollte lieber in Deutschland bleiben.

Die Reise führt weiter ins Spielerparadies Las Vegas. Im Casinohotel sitzen wieder diese traurigen Gestalten mit dem glasigen Blick und den Dollarscheinen in der Hand. Aber die Stadt selber ist schon sehr beeindruckend. Das viele Geld, das die Spieler für ihren großen Gewinn investieren, lässt am Abend eine eigenartige bunte Kunstwelt erleuchten. Sehr beeindruckend ist es, wenn man glaubt, plötzlich in Venedig zu stehen. Mit Gondeln, italienischem Eis und der Rialto-Brücke. Alles wurde in einem der Casinos nachgebaut. Diejenigen, die noch Nervenkitzel brauchen, fahren auf den Stratosphere-Tower auf fast 320 Meter Höhe. Neben dem großartigen Blick über die Stadt kann man dort auch noch Karussell fahren.

Wie schön Las Vegas auch sein mag: Für Harley-Fahrer ist auch diese Stadt nur ein Zwischenstopp. Da macht das schöne Bakersfield in Kalifornien schon mehr Eindruck. Die Wüste liegt hinter uns, hier lässt sich’s gut aushalten. Jedoch ist damit leider auch das Ende der Tour in Sicht. Der letzte Fahrtag steht uns bevor. Wehmütig packen wir das letzte Mal die Maschinen und machen uns auf den Weg. Nach einigen Meilen tauchen wir ein in ein Motorrad-Paradies. Unzählige Kurven, Steigungen und Gefälle. Ein Wechsel zwischen Felsen, satten Wiesen mit Ranchen, Wäldern und Flusslandschaften. Kurz nach Mittag kommt er dann wieder in Sicht: Der Pazifik taucht vor uns auf. Und am Nachmittag heißt es Abschied nehmen. Nicht von unseren Mitfahrern, sondern zunächst von den Harleys. Manchem fiel es schon schwer, sein Bike wieder herzugeben. Andere waren froh, den amerikanischen Metallhaufen wieder loszuwerden, um daheim ein richtiges Motorrad fahren zu können.

Der Blog der Reise mit Fotos und Videosequenzen ist zu finden unter www.wesio.de.

Links: www.wesio.de und www.media-reisen.de.

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