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187 Hohenroder Haushalte unterschreiben für DSL - eine schnelle Lösung ist jedoch nicht in Sicht

DSL: Holpriger Feldweg statt Datenautobahn

Rinteln (wm). Wer in Hohenrode eine E-Mail mit vier Fotos im jpg-Format empfangen möchte, kann Kaffee trinken gehen, ehe er an seinem PC weiterarbeitet - Hohenrode liegt nicht an der Datenautobahn, sondern an einem holprigen Feldweg, gesurft wird hier allenfalls im Schneckentempo. Für einen Privathaushalt zwar unbequem, aber gerade noch akzeptabel - anders sieht das für Anwohner aus, die von Berufs wegen auf eine schnelle Verbindung zum Rest der Welt angewiesen sind.

Drei Buchstaben, die viel Zeitersparnis bedeuten: Ein schneller

Deshalb hat nach Schaumburg, Deckbergen und Westendorf jetzt auch Hohenrode dringendes Interesse an einer Datenautobahn angemeldet. Jan Söffker, der seinen DSL-Anschluss als Computerfachmann beruflich nutzt, hat kurz vor den Festtagen Rintelns Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz eine Unterschriftenliste mit 187 Adressen von Hohenrodern übergeben, die sich dringend einen leistungsfähigen Internetanschluss wünschen. Buchholz kann die Wünsche der von Söffker vertretenen Einwohnern ebenso gut verstehen wie die Bürgerinitiative in Deckbergen - Hoffnung machen auf eine schnelle Lösung kann er dagegen nicht. Warum nicht, das lässt sich in einer aktuellen Verwaltungsvorlage nachlesen und heißt, auf einen Nenner gebracht: Die Telekom möchte als Breitband-Anbieter von der Stadt Rinteln Sicherheiten, sollte sie in den Ausbau des Netzes auf den Dörfern investieren, nämlich 1000 Euro für jeden DSL-Kunden, der fehlt, um Neuanschlüsse wirtschaftlich betreiben zu können. Das liest sich für Hohenrode so: Noch bei 144 Neukunden, dem zurzeit rechnerisch möglichen maximalen Neukundenpotenzial, müsste die Stadt 139 230 Euro zuschießen, erst ab 283 Neukunden (eine utopische Zahl) würde das Defizit null Euro betragen. Eine Staffel, die sich in den anderen Dörfern nicht besser rechnet - mit einer Ausnahme, Deckbergen: Hier besteht ein Neukundenpotenzial von 362 Kunden, im Bestand hat die Telekom 165 T-DSL-Kunden. Hier müsste die Stadt keine Zuzahlung mehr leisten. Für die Stadt kaum lösbar: Würde sie in einem Ortsteil investieren, könnten andere mit der gleichen Begründung nachziehen - bei einem flächendeckenden Ausbau des DSL-Netzes in ganz Rinteln, ließ Buchholz von seiner Kämmerei hochrechnen, würde die Kostenbeteiligung der Stadt nach dem Telekom-Modell je nach Neukundenzahl zwischen einer halben Million und 736 600 Euro liegen. Die Verwaltung hat sich deshalb inzwischen nach Unterstützung wie nach Alternativen umgesehen. So sind der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy, das Breitbandkompetenzzentrum Niedersachsen sowie die Weserbergland AG über die Situation informiert worden. Das Breitbandkompetenzzentrum Niedersachsen als Kooperationspartner von Kommunen, Unternehmen und Bürgerinitiativen hält unabhängig von den Kosten eine direkte Förderung der Stadt für neue Datenautobahnen rechtlich für bedenklich. Die derzeitigen Förderrichtlinien des Landes ließen eine direkte Förderung nicht zu, da wettbewerbsrechtliche Bedenken beständen. Für Buchholz auch ein Argument: Da Funktechnik kostengünstiger sei und vermutlich ohne Kostenbeteiligung der Stadt aufgebaut werden könne, sei es unwahrscheinlich, dass Fördergelder für einen kabelgebundenen DSL-Ausbau bezogen werden könnten. Deshalb hat sich die Verwaltung jetzt woanders umgesehen: Das Unternehmen Vodafone will das UMTS-Netz in Rinteln flächendeckend ausbauen - mit einer Datenübertragungsrate von 6144 kBit/s (Kilobit pro Sekunde). Auch die neugegründete Weserbergland GmbH könnte ins Geschäft kommen mit der "Piper Air" der Stadtwerke Hameln, bereits verfügbar zwischen Hessisch Oldendorf und Emmerthal. Piper Air basiert auf der Funk-DSL-Technik. Ein Standort für einen Sendemasten auf dem Kamm des Wesergebirges soll schon ausgesucht worden sein. Notwendig dafür ist allerdings eine eigene Empfangsantenne beim Nutzer, die entweder an der Hauswand oder auf dem Dach angebracht werden kann. Internetnutzer wie Jan Söffker kann das nicht ganz überzeugen, denn bei der Funktechnik stelle sich für die Nutzer ein neues Problem: Daten seien dann zwar schnell zu empfangen, aber um Daten selbst zu verschicken, brauche man eine spezielle Hardware.

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