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Dreimal das Gleiche – aber nicht dasselbe

Bad Münder. „Das hatten wir befürchtet und zugleich erhofft“, erklärte Generalmusikdirektor Volker Schmidt-Gertenbach dem Publikum im fast voll besetzten Martin-Schmidt-Konzertsaal. „Alle drei Sieger des einwöchigen Meisterkurses von Prof. Henri Sigfridsson haben das gleiche Klavierkonzert vorbereitet. Für uns die einzigartige Möglichkeit eines direkten Vergleichs. Das erleben sie weder in Hannover noch Göttingen oder Kassel, nur in Bad Münder.“

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Was folgte, das war in der Tat ein beispielloses Musikerlebnis. Zusammen mit den 14 Musikern der von Schmidt-Gertenbach dirigierten „Cappella Istropolitana“ präsentierten die drei Erstplatzierten am Flügel Mozarts Klavierkonzert 413 F-Dur. Die Südkoreanerin Iunsun Choi machte im grünen Kleid den Anfang und begeisterte nicht nur durch eine sehr präzise und sensible Interpretation, die Schmidt-Gertenbach am Ende des Allegros zu einem anerkennenden Lächeln veranlasste, sondern gestaltete vor allem den Schlussteil des Largo mit kaum zu überbietender Zartheit und Empfindsamkeit.

„Mit den Ergebnissen des Meisterkurses bin ich sehr zufrieden“, stellte auch Henri Sigfridsson fest, der sich bewusst von der Juryentscheidung ferngehalten hatte. „Dennoch unterschreibe ich die hundertprozentig.“ Auch der Münderaner Musikstudent und Nachwuchspianist Dean Schrammar und Musikschulleiter Tobias Kokkeling gerieten ins Schwärmen. „So ein Meisterkurs verfeinert und intensiviert vieles, nicht nur die Technik“, so Kokkeling. Ingeborg Gehringer, Mitorganisatorin der Meisterkonzert-Reihe, dankte der Volksbank Bad Münder und der VR-Stiftung der Volks- und Raiffeisenbanken, die den Meisterkurs durch ihre Unterstützung ermöglicht hatten.

Die Begeisterung für die beeindruckende Darbietung der jungen Südkoreanerin lag noch im Saal, als Inna Filsova im schwarzen Samtkleid am Flügel Platz nahm. Und sofort war klar, dass die begeisterten Zuhörer jetzt zwar das Gleiche, dennoch keinesfalls dasselbe zu hören bekommen würden. Die aus der Ukraine stammende Pianistin interpretierte die drei Sätze von Mozarts früher Komposition ungleich zupackender, dynamischer und akzentuierter als ihre Vorgängerin. Im Zusammenspiel mit der „Cappella Istropolitana“ war klar, wer hier das gestaltende Element war. Kraftvoll, fast ungestüm, mit temperamentvollem Mienenspiel und einem beinahe expressiven Largo-Schlussteil trat die junge Russin in einen faszinierenden Dialog mit dem Orchester, das von Schmidt-Gertenbach wunderbar auf die gänzlich andere Interpretation eingestellt wurde.

„Können sie sich vorstellen, dass es in der Probe genau umgekehrt war“, so Schmidt-Gertenbach in der Pause. „Zwei sehr gute Interpretationen.“ Was auch für den jungen Taiki Nakamura galt, der den Abend beendet. Für ihn eine Premiere, denn er hatte bislang noch nicht mit einem Orchester zusammen konzertiert. Gleichwohl wird auch seine Leistung, vor allem aber die seiner beiden so gegensätzlichen Partnerinnen noch lange im Gedächtnis des Münderaner Konzertpublikums bleiben. Schmidt-Gertenbach hatte recht behalten. So etwas erlebt man nicht alle Tage.hzs

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